Aktienmarkt zu gute Stimmung?

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Trotz neuem Jahreshoch beim DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) am vergangenen Freitag: Auch für die neue Woche wird viel Optimismus versprüht, zuletzt befeuert durch die Meldung vom Tod des Terroristenführers Osama bin Laden, so die Deutsche Börse AG.

Der DAX sei am Freitag mit 7.515 Punkten auf ein neues Jahreshoch und den höchsten Stand seit Januar 2008 geklettert.

Unterdessen gehe die Edelmetallrally weiter: Silber habe in der vergangenen Woche den historischen Rekord von 1980 geknackt und sei mit knapp 50 US-Dollar je Feinunze mittlerweile so teuer wie noch nie, Gold habe ein neues Hoch von 1.565,60 US-Dollar markiert.

Proppenvolle Terminkalender würden die Börsianer für diese Woche erwarten: Bei rund einem Drittel der DAX-Unternehmen stünden in den kommenden Tagen Quartals- beziehungsweise Hauptversammlungstermine an, wie Klaus Stabel von ICF Kursmakler bemerke: Unter anderem Siemens (ISIN DE0007236101/ WKN 723610), MAN (ISIN DE0005937007/ WKN 593700), METRO (ISIN DE0007257503/ WKN 725750), BMW (ISIN DE0005190003/ WKN 519000), die Deutsche Telekom (ISIN DE0005557508/ WKN 555750) und die Commerzbank (ISIN DE0008032004/ WKN 803200) würden ihre Zahlen für die ersten drei Monate dieses Jahres offen legen.

Auch seitens Konjunktur würden wichtige Meldungen erwartet, etwa zu den neuesten Arbeitslosenzahlen in den USA. Daneben würden die Marktbeobachter mit Spannung gen Helsinki blicken. Dort, und nicht in Frankfurt, tage am Donnerstag nämlich die Europäische Zentralbank. Nach einem Plus von 3 Prozent in der Nachosterwoche liege das deutsche Aktienbarometer heute Morgen bei knapp 7.600 Punkten gut 1 Prozent im Plus.

„Sell in May and go away“ – über diese Börsenweisheit werde wieder einmal diskutiert. Die Commerzbank verweise darauf, dass sich historisch betrachtet das Winterhalbjahr von etwa November bis April in der Tat mit einer im Durchschnitt besseren Wertentwicklung der Aktienmärkte präsentiere als das Sommerhalbjahr.

Allerdings habe die Sache einen Haken: Jede Durchschnittsbetrachtung ebne positive und negative Ausreißer ein. Entscheidend seien letztendlich die aktuellen Rahmenbedingungen. Und diese hätten derzeit durchaus eine „etwas vorsichtigere Gangart“ nahe gelegt. Für die hohen Bewertungen gebe es zwar gute Argumente, kurzfristig könne die Stimmung aber etwas zu gut sein. „Die Schuldenkrisen in Europa und den USA, die Brandherde im Nahen Osten sowie die kräftig steigenden Rohstoffpreise sind Risiken, die derzeit zwar ausgeblendet werden, aber jederzeit eine Konsolidierung der Aktienmärkte auslösen könnten“, meine die Bank. Mittelfristig seien die Perspektiven für die Aktienmärkte aber weiter gut.

Nach Einschätzung von Markus Reinwand von der Helaba gehe die Party zu Ende. „Nachdem inzwischen rund 60 Prozent der Unternehmen aus dem S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) Zahlen vorgelegt und in 72 Prozent der Fälle die Erwartungen übertroffen haben, sollte sich das positive Überraschungspotenzial in Grenzen halten“, meine der Analyst. Auch die gegenwärtig ausgeprägte Risikofreude der Aktienanleger, die sich sowohl in Stimmungsumfragen als auch in einer sehr niedrigen impliziten Volatilität zeige, vergrößere die Korrekturanfälligkeit des Marktes.

Das technische Bild weise laut eines Analysten von der BHF-Bank auf einen eventuellen Fehlausbruch hin. „Während sich die Charttechnik bei vielen Indices verbessert hat, haben sich etliche Indikatoren in den letzten Tagen verschlechtert“, erkläre der Analyst und verweise unter anderem auf die relative Schwäche einiger wichtiger Sektoren, etwa der Bankenwerte. In Europa hätten darüber hinaus auch einige Länderindices Konditionsprobleme auf dem Weg nach oben gezeigt, insbesondere einige Aktienmärkte Südeuropas. „Auf schwachen Beinen steht der jüngste Anstieg an den Aktienmärkten auch gemessen an den Umsatzindikatoren“, ergänze der Analyst. (02.05.2011/ac/a/m)

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