Aktienmärkte: Politik zwischen benötigtem Wachstum und notwendigen Haushaltskonsolidierungen

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) – Die in der letzten Berichtswoche vorherrschende Sentimentverbesserung aufgrund der Beschlüsse des Brüsseler Gipfels wich in der abgelaufenen Berichtswoche wieder einer Skepsis hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in den europäischen Peripheriestaaten, so die Analysten der WGZ BANK.

So hätten DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) und EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145/ WKN 965814) 1,78% respektive 2,49% verloren. Der FTSE 100 (ISIN GB0001383545/ WKN 969378) sei um 1,48% zurückgegangen, der CAC 40 (ISIN FR0003500008/ WKN 969400) um 2,92% und der spanische IBEX 35 (ISIN ES0SI0000005/ WKN 969223) habe 4,66% verloren. Auch in den USA hätten die Indices Abschläge verzeichnet.

Dow Jones (ISIN US2605661048/ WKN 969420) und S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) hätten 2,51% bzw. 2,40% eingebüßt. Der Euro habe gegenüber dem USD seinen Abwärtstrend fortgesetzt und um weitere 1,53% nachgegeben. Gold habe mit einem Wochenverlust von 2,98% seinen Vorwochengewinn verloren, Öl der Marke Brent habe moderate 0,37% hinzugewonnen.

In den besonders im Fokus der europäischen Schuldenkrise stehenden Ländern Spanien und Italien würden die Regierungen trotz dringend benötigter Wachstumsimpulse versuchen, die Konsolidierungen der defizitären Haushalte voranzutreiben. So habe der spanische Ministerpräsident gestern ein weiteres Sparpaket angekündigt, welches u.a. eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 18% auf 21%, den Abbau von doppeltem Aufwand in der Verwaltung, Einschnitte bei der Arbeitslosenunterstützung sowie weitere Einschnitte für die Beamten beinhalte.

In Italien erhoffe man sich, dass die bereits verabschiedeten Reformen insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, aber auch bei der Rente möglichst bald Erfolge zeigen würden, was angesichts der düsteren Konjunkturprognosen der italienischen Wirtschaft auch dringend notwendig sei. Diese befinde sich weiterhin in der Rezession und eine Erholung scheine noch nicht in Sicht. Einen Hoffnungsschimmer für den Haushalt stelle die Erhöhung der Steuereinnahmen dar, welche bis Ende Mai 2,5% über den Vorjahreswerten gelegen hätten. Unabhängig von konkreten Zahlen sei aber festzuhalten, dass es bis zu einer nachhaltigen Erholung der italienischen und der spanischen Wirtschaft und aufgrund der getroffenen Maßnahmen für die jeweiligen Haushalte noch ein weiter Weg sei.

In Griechenland versuche die Regierung momentan die Sparauflagen um zwei Jahre zu strecken. Aus Sicht des Verbrauchers habe die schwache Konjunktur in Europa den Vorteil, dass sie den Preisauftrieb bremse. Vor allem der gesunkene Ölpreis mache sich positiv bemerkbar. Somit sei gegenwärtig keine inflationäre Gefahr festzustellen. Dies gelte nicht nur in Europa und in den USA, sondern auch für China, wo die Inflationsrate nur noch bei 2,2% liege. Vor sechs Monaten habe der Preisanstieg noch bei ca. 6% gelegen.

Zu erwarten sei jedoch, dass der Preisdruck in Deutschland im Vergleich zur Eurozone im mittelfristigen Zeitfenster höher liegen werde, da sich die deutsche Konjunktur deutlich besser entwickeln werde, als im Rest der Eurozone. Die nachlassende Inflationsgefahr erhöhe die Möglichkeit für die Notenbanken, die Märkte global auch durch außergewöhnliche Maßnahmen zu stützen.

Für die Aktienmärkte sei mit Impulsen aus der beginnenden Quartalssaison in den USA und demnächst auch in Deutschland zu rechnen. In den USA herrsche diesbezüglich Pessimismus vor. Die Zahl der Unternehmen, die ankündigen würden, dass ihre Ergebnisse über den Analystenerwartungen liegen würden, sei auf ein so niedriges Niveau wie zuletzt vor zwölf Jahren gesunken. Auch mit den Gewinnprognosen im S&P 500 sei es zuletzt abwärts gegangen, diese würden sich aber immer noch auf einem hohen Niveau bewegen.

Auch für die DAX-Unternehmen bestehe aufgrund der anhaltenden Konjunktursorgen wenig Optimismus, obwohl gestern SAP (ISIN DE0007164600/ WKN 716460) mit fulminanten Q2-Zahlen (alle Regionen mit Wachstum im zweistelligen Prozentbereich) ein deutlich positives – auch konjunkturelles – Ausrufezeichen gesetzt habe. Ihre Aktienmarktprognosen würden die Analysten auf unverändertem Niveau belassen. Sie würden weiterhin eine Seitwärtsbewegung ohne klare Trendrichtung erwarten. (13.07.2012/ac/a/m)

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