Alles eine Frage der Sichtweise

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Die Unsicherheit an den weltweiten Aktienmärkten nahm zuletzt, auch angesichts der tragischen Ereignisse in Japan (Erdbeben, Tsunami, Atomkraftwerkskatastrophe im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi), deutlich zu. Anleger weltweit sind verunsichert bzgl. der weiteren volkswirtschaftlichen Entwicklungen, insbesondere in den USA. Denn im Juni lässt die amerikanische Notenbank Federal Reserve (FED) das sogenannte „Quantitive Easing 2.0“ Programm langsam auslaufen und somit wird der amerikanischen Wirtschaft und insbesondere dem amerikanischen Aktienmarkt Liquidität entzogen. So oder so ähnlich dürften Sie es zuletzt in den Marktberichten verschiedener Anleger- und Börsenmagazine sowie Wirtschaftzeitschriften und –zeitungen gelesen haben. Auf den ersten Blick erscheint diese aktuelle Markteinschätzung auch richtig zu sein, denn nach den katastrophalen Ereignissen in Japan kam unser deutscher Leitindex DAX nicht mehr so richtig voran. Zwar konnte er die Kursverluste infolge des „Japan Schocks“ sehr schnell wieder aufholen, scheiterte dann jedoch am charttechnischen Widerstand bei 7.600 Punkten und pendelte zuletzt zwischen 7.100 Punkten und 7.600 Punkten seitwärts hin und her.

Doch wagt man mal einen Blick hinter die Kulissen, so ergibt sich hier ein ganz anderes Bild. So konnte zwar der DAX in den letzten 6 Monaten zwar nur von 6.866,63 Punkten auf zuletzt 7.293,69 Punkte und damit um +6,22% zulegen, aber in den USA sieht das Bild auf den ersten Blick viel besser aus. So stieg nämlich der amerikanische (und zugleich natürlich weltweite) Leitindex Dow Jones Industrial Averages (DJIA) in den letzten 6 Monaten von 11.255,78 Punkte auf zuletzt 12.569,79 Punkte und damit um sage und schreibe +11,67%. Wie kann das nur sein, wo es der US-amerikanischen Volkswirtschaft nach Einschätzung nahezu aller Experten derzeit doch so viel schlechter geht als der aktuell doch boomenden deutschen Volkswirtschaft? Und wo doch die Aktienmärkte angeblich stets die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der betreffenden Länder abbilden sollen? Geht es den Amerikanern vielleicht besser als gedacht? Oder uns Deutschen schlechter als gedacht?

Nein, werden nun viele von Ihnen bemerken, denn das alles liegt doch schließlich nur am Euro/US-Dollar-Wechselkurs. Und in der Tat ist der Euro gegenüber dem US-Dollar in den letzten 6 Monaten von 1,3124 auf zuletzt 1,4421 und somit um +9,88% gestiegen. Bereinigt man daher die Kursentwicklung des weltweiten Leitindex Dow Jones Industrial Averages (DJIA) um diese Wechselkursbewegung, so sieht das Bild erneut ganz anders aus. Denn um die Kursverluste des US-Dollars gegenüber dem Euro bereinigt, liegt die Performance des Dow Jones Index in den letzten 6 Monaten nur noch bei mickrigen +1,60%.

Doch das ist noch längst nicht die Spitze des Eisbergs. Denn was man als Anleger auch noch wissen sollte, ist das sich unser DAX von seinem amerikanischen Pendant Dow Jones in einer gewissen Art komplett unterscheidet. Unser allseits bekannter und beliebter DAX ist nämlich ein sogenannter Performance-Index, wohingegen der altehrwürdige Dow Jones Index ein sogenannter Kurs-Index ist. Was bedeutet dies aber konkret? Nun, beim DAX als Performance-Index werden die Dividendenzahlungen der im Index enthaltenen Unternehmen wieder in den Index reinvestiert, wohingegen dies beim Dow Jones als Kurs-Index nicht passiert. Insofern fällt der Dow Jones Index durch die Ausschüttung (hoher) Dividenden, wohingegen der DAX sich von solchen (hohen) Dividendenzahlungen unbeeindruckt zeigt.

Aber noch etwas kommt hinzu. Während bei uns in Deutschland die Dividende nämlich in der Regel jährlich (am Tag nach der Hauptversammlung) ausgezahlt wird, zahlen die Unternehmen in den USA in der Regel ihre Dividende quartalsweise aus. Somit sind bei den meisten Aktien aus dem Dow Jones Index in den letzten 6 Monaten zwei Dividenden ausgezahlt worden, was sich natürlich aufgrund der fehlenden Re-Investitionen in den Index performancemindernd auf den Index ausgewirkt hat. Würde man die Performance des Dow Jones Index daher nun auch noch dividendenbereinigt betrachten, so dürften sich letzten Endes die Performance unseres DAX sowie des amerikanischen Dow Jones Index kaum noch unterscheiden.

Doch was wollte ich Ihnen nun mit diesen ganzen Statistiken eigentlich zeigen? Nun, in erster Linie natürlich, dass an Winston Churchills legendärer Aussage, er „traue keiner Statistik, die er nicht selbst gefälscht habe!“ mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt. Aber darüber hinaus natürlich auch, dass allen Statistiken zum Trotz unser DAX nach wie vor sehr stark Hand in Hand mit seinem amerikanischen Pendant Dow Jones Industrial Averages (DJIA) läuft. Und daher stellt sich nun die Frage, warum das so ist? Denn jetzt wird es hochinteressant!

Denn, so heißt es ja immer, die deutsche Wirtschaft werde in erster Linie getragen von einem sehr starken und international wettbewerbsfähigen Mittelstand. So seien insbesondere die deutschen Maschinenbauer international sehr gefragt und machten weltweit, besonders aber in den aufstrebenden Emerging Markets in Asien (wie China oder Indien) gute Geschäfte. Schaut man sich jedoch dann den DAX mal genauer an, so findet sich dort kein einziger Maschinenbaukonzern. Da stellt sich die Frage, woran das liegt. Sind die guten und weltweit erfolgreichen deutschen Maschinenbauer vielleicht überwiegend noch in privater Hand und deshalb nicht im DAX gelistet? Vereinzelt mag das ja der Fall sein, aber grundsätzlich ist das nicht so. Wo also steckt dieser Boomsektor, der hauptverantwortlich für den Wirtschaftsboom in Deutschland sein soll?

Begibt man sich auf die Suche, so wird man schnell in der zweiten und dritten Liga fündig, sprich im MDAX und SDAX. Denn in der Tat sind Aktien von Unternehmen wie der Demag Cranes AG, der GEA Group AG, der Gildemeister AG, der Heidelberger Druckmaschinen AG, der Krones AG oder der Tognum AG im MDAX gelistet. Und Aktien von Unternehmen wie der Deutz AG, der Dürr AG, der Elexis AG, der Homag Group AG, der Jungheinrich AG, der König & Bauer AG, der KUKA AG, der SAF-Holland SA oder auch der Wacker Neuson SE im SDAX gelistet. Bliebe last but not least noch ein Blick auf die Performance des MDAX bzw. SDAX in den letzten 6 Monaten und diese sehen wie folgt aus: MDAX +14,35% und SDAX +13,65%.

Was lernen wir nun daraus? Nun, erst einmal geht es uns in Deutschland derzeit wirklich sehr gut, ich würde sogar behaupten besser als den Amerikanern. Denn der „Euro Krise“ zum Trotz konnte sich der Euro zuletzt deutlich besser behaupten als die Weltleit- und Reservewährung US-Dollar, was an der extrem expansiven Geldpolitik der US-Notenbank lag bzw. liegt. Zum Anderen sind die von vielen als Boombranchen identifizierten Branchen wie beispielsweise der deutsche Maschinenbausektor tatsächlich Boombranchen. Aber diese Boombranchen (eine andere wäre z.B. der Sektor der Automobilzulieferer mit Aktien wie der Continental AG, der ElringKlinger AG oder der Leoni AG um nur mal drei Beispiele zu nennen) finden sich, zumindest aktuell, nicht im DAX. Daher sollten Anleger sich auch in den nächsten Wochen und Monaten nicht so sehr auf die großen Leitindizes wie den DAX konzentrieren, sondern lieber mal in der zweiten und dritten Reihe nach aussichtsreichen Aktien Ausschau halten. Darüber hinaus kann bzw. sollte man sein Depot durchaus auch international diversifizieren, aber aufgrund der stetigen Abwertung des US-Dollars sollte man den Anteil amerikanischer Aktien in seinem Depot nicht zu hoch wählen. Einzig und allein, wenn man sich auf Technologiewerte fokussieren will, bleiben die USA mit ihrem Silicon Valley derzeit (noch) erste Wahl. Ansonsten aber muss es nicht immer Johnson & Johnson oder McDonalds, aber auch nicht Daimler oder Siemens sein, eine Aktie wie z.B. die KUKA AG oder die Leoni AG sind ebenfalls gut, ja oftmals sogar besser.

Während also die meisten Investoren auf den DAX oder den Dow Jones und damit auf die Aktien der international tätigen Großkonzerne schauen, werden wir zukünftig versuchen die „Bluechips“ von morgen zu entdecken. Und diese Aktien kommen in aller Regel eben aus dem MDAX oder dem SDAX, hin und wieder sicherlich jedoch auch mal aus dem TecDAX. Mit diesen Aktien können Sie dann Ihr Depot „aufpeppen“, ohne dass Sie damit irgendwelche dubiose Harakiri-Investments tätigen müssen, die Ihnen am Ende in der Regel ohnehin eher einen Totalverlust als einen „Tenbagger“ einbringen werden. Wenn Sie also an guten Aktien aus der zweiten und dritten Reihe interessiert sind, so würde ich mich sehr freuen, Sie zukünftig regelmäßig als Leserin bzw. Leser begrüßen zu dürfen.

Zu guter Letzt habe ich jedoch für die spekulativer orientierten Investoren unter Ihnen einen ersten Tipp im Gepäck. Wie Sie ja sicherlich alle mitbekommen haben, haben die Ägypter ihren langjährigen Präsidenten Husni Mubarak gestürzt. Infolge dieser „Revolution“, könnte es daher nun in Ägypten zu einem kleinen Bauboom kommen. Und eine ganz große Nummer in der ägyptischen Baubranche ist das Unternehmen Orascom Construction, dessen Aktie – ganz zufällig – börsennotiert ist. Schauen Sie sich die Aktie daher ruhig einmal etwas näher an, denn hier könnten mittelfristig größere Kursgewinne winken…

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