Beeinflussen Negativzinsen die Geldanlage der Sparer?

Bad Marienberg (www.aktiencheck.de) – Das Jahr 2014 war durchwegs von wichtigen geldpolitischen Entscheidungen geprägt. Die EU-Krise scheint angesichts der Griechenland-Wahlen, einer weiter stagnierenden Inflation und der rückläufigen Konjunktur, wieder voll da zu sein. Kapital wird vermehrt aus der EU abgezogen und in sichere Häfen gebracht, in denen zumindest die Erwartung steigender Renditen bei sicheren Anlagen vorhanden ist.

Geldpoltische Maßnahmen zielen darauf ab wirtschaftliche Aktivitäten wieder anzukurbeln. Dabei bedient man sich Mitteln, die eine Stimulation nur einseitig bewirken. Das liegt daran, dass das Zusammenspiel von Geld- und Kapitalmarkt aufgrund dieser Maßnahmen entkoppelt wird. Für ein funktionierendes System, ist eine Interaktion der beiden Sektoren aber notwendig.

Senkt die EZB beispielsweise den Zins, wie im Jahr 2014 zwei Mal geschehen, stimuliert sie auf der einen Seite den Konsum, die Kreditnachfrage und somit Investitionen, also den Geldmarkt. Der Kapitalmarkt dagegen stagniert, da Kapital keine Renditen mehr abwirft.


Bild: Ein Großteil der Deutschen vertraut der Politik der EZB nicht. Bildquelle: Aktiencheck.

Das Problem dabei ist jedoch, dass der Kapitalmarkt für die Refinanzierung der Banken zuständig ist, und solange diese sich nicht vernünftig refinanzieren können, werden Kredite  nur mäßig oder nur an bonitätsstarke Unternehmen vergeben. Doch gerade die, können sich auch woanders finanzieren, beispielsweise über Anleihen oder Aktien. Außerdem ist die Kreditnachfrage aufgrund der Konjunkturdelle rückläufig.

Die Folge des Ganzen: Der Staat muss die fehlende Nachfrage kompensieren und sich weiterhin verschulden.  Um die Interaktion  zwischen dem Geld- und dem Kapitalmarkt wieder herzustellen, sollte der Zins nach einer gewissen Zeit wieder angehoben werden.

Hat diese Maßnahme jedoch nicht den gewünschten Effekt, und die Wirtschaft stagniert weiterhin, so ist die Schuldenlast des Staates inzwischen zu groß, um die Zinsen wie gewohnt anzuheben. Auch würde die Kreditnachfrage noch schwächer werden. Was die Zentralbanken dann tun ist offensichtlich: Sie legen Aufkaufprogramme auf und versorgen den Markt mit mehr Liquidität, also billigem Geld.

Welche Zinssätze nutzt die EZB?

Im Jahr 2014 hat die EZB zwei Mal die Zinsen gesenkt.

Zu den Zinssätzen, die von der EZB als Steuerungsinstrumente angewandt werden, gehören die sogenannte Einlagenfazilität, der Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte und der Satz der Spitzenrefinanzierungsfazilität.

Der erste Zinssatz ist derjenige Zins, den Banken bei der EZB für ihre Anlagen bekommen. Aktuell liegt dieser Zins im negativen Bereich bei -0,20 %. Will eine Geschäftsbank kurzfristig überschüssiges Kapital bei der EZB parken, so muss sie Zinsen zahlen, statt welche gutgeschrieben zu bekommen.

Der Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte, oder auch Haupttender genannt, ist der Zinssatz zu dem sich Geschäftsbanken bei der EZB kurzfristig (eine Woche) Kapital leihen können. Im Rahmen dieser Refinanzierungsgeschäfte tauschen Geschäftsbanken Wertpapiere (Sicherheiten) gegen Zentralbankgeld. Da diese Sicherheiten durch weitere Kredite und Wertpapiere finanziert werden müssen, wirkt sich die Anpassung dieses Zinssatzes in direkter Weise auf die Zinssätze der Geschäftsbanken aus. Er ist somit der allbekannte Leitzins.

Der Satz der Spitzenrefinanzierungsfazilität ist wie der Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte ein Leihzinssatz, nur eben für sehr kurzfristiges Kapital, auch Übernachtkredit genannt. Auch dieser Kredit wird gegen notenbankfähige Wertpapiere als Sicherheit getauscht und bildet das Pendant zur Einlagenfazilität.

Alle drei Zinssätze sollen eine bestimmte Wirkung entfalten. Während die negative Einlagenfazilität Geschäftsbanken dazu motivieren soll, mehr Kredite zu vergeben, gilt der Satz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte als derjenige Zinssatz, der eine direkte Wirkung auf die Bankzinsen hat und demnach das Sparerverhalten beeinflussen und die Kreditaufnahme für Investitionen stimuliert. Aktuell liegt der Zins bei 0,05%. Der zweite Refinanzierungszins liegt bei 0,30 %. Dieser soll die kurzfristige Aufnahme von Kapital stimulieren.

Welche Wirkung haben die Zinsanpassungen bisher erreicht?

Hat der negative Satz der Einlagenfazilität seine Wirkung erreicht? Geben Banken mehr Kredite oder parken sie das Kapital stattdessen woanders? Eine weit verbreitete Annahme ist: Geschäftsbanken vertrauen einander nicht mehr, daher haben sie keine andere Wahl, als das Kapital entweder von der EZB negativ verzinsen zu lassen oder es in Form von Krediten weiter zu geben. Doch was passiert wenn keine Kreditnachfrage da ist?

In diesem Fall parken die Banken das Kapital bei der EZB, geben den negativen Zins aber an die Kunden weiter. Im Großen und Ganzen betrifft das zur Zeit überwiegend die Geschäftskunden. Der Grund dafür ist einfach. Aufgrund regulatorischer Bestimmungen dürfen Banken Einlagen der Privatkunden, wie etwa Spareinlagen, als langfristige Kredite vergeben und können dabei eine höhere Zinsmarge erzielen. Bei institutionellen Kunden und Großunternehmen gestaltet sich das schon etwas schwieriger.

Dennoch, negative Zinsen bei Tagesgeldkonten und privaten Guthaben ab einer höheren Summe sind vereinzelt von Banken bereits eingeführt worden. Die privaten Big Player der Branche sind aktuell zwar noch vorsichtig und vermehrt gegen die Einführung von Negativzinsen auf breiter Basis, weil sie in der aufgeheizten Debatte zum Thema Sparerenteignung keinen Vertrauensbruch riskieren wollen. Dennoch haben sowohl die Deutsche Bank als auch einige Depotbanken negative Zinsen für große Summen auf Tagesgeld- und Girokonten sowie auf Cashbestände in Depots festgelegt.

Als Gegenargument könnte vereinzelt noch der Wettbewerb der Banken untereinander herhalten. Daniel Franke, der Betreiber von Tagesgeldvergleich.net, sagt:
„Wir sehen keinen Trend zu Negativzinsen für Normalsparer. Selbst sinkende Zinsen einzelner Banken werden seit Monaten durch Neukundenangebote anderer Banken
kompensiert, so dass unsere Zinsstatistik einen relativ konstanten Wert ausweist.“

Fakt ist allerdings, dass zwar keine Negativzinsen auf breiter Front für private Anleger eingeführt werden, aber nun vermehrt höhere Kontoführungsgebühren im Gespräch sind. Solche Refinanzierungsmethoden wurden indes bereits in Japan eingesetzt.

Ist ein negativer Zins rechtlich zulässig?

Folgende Frage bleibt bestehen: Ist ein Negativzins überhaupt rechtlich zulässig? Dabei muss man zwischen normalen Bankeinlagen, Festgeldern und Anlagen unterscheiden, die an Referenz- oder festgeschriebene Zinssätze gekoppelt sind.

Während Bankeinlagen gem. § 488 BGB als Darlehen gelten und ein Negativzins daher zumeist ausgeschlossen ist, können für Anlagen, die an Referenzzinssätze gekoppelt sind, durchaus negative Zinsen eingeführt werden.

Und genau hier setzt die Argumentation der Kritiker einer Niedrigzins-Politik an. Ein Referenzzinssatz, wie etwa der Leitzinssatz der EZB, bildet den Zins an dem sich Anlagen wie Renten- oder Lebensversicherungen orientieren. Durch die Niedrigzins-Politik, wird in die Rentenkasse ein Loch gerissen, und das kommt bei den Sparern nicht gut an.

Auch Sparbücher und ?konten könnten von einem Negativzins betroffen sein. Zwar hat der Sparer in diesem Fall oft ein Sonderkündigungsrecht, doch seine Motivation weiterhin Geld anzulegen schwindet dahin. Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank gehen davon aus, dass Strafzinsen bald zur Normalität gehören werden.

Fazit

Es hat also den Anschein, als sollte vordergründig weniger die Kreditvergabe der Geschäftsbanken angekurbelt werden, sondern der Sparer dazu bewegt werden mehr zu konsumieren anstatt das Geld auf die hohe Kante zu legen. Und in Zeiten, in denen die fehlende Kreditnachfrage der Unternehmen vom  Staat kompensiert wird, könnte der Konsum der Privaten am Ende mehr zur wirtschaftlichen Stabilität beitragen als Investitionen der Unternehmen.

Der Anleger könnte natürlich auch in risikoreiche Anlagen wie Aktien investieren, doch dazu fehlen ihm die Kenntnisse und das nötige Risikobewusstsein. Immobilien bleiben die letzte denkbare Alternative. Dass sich am Ende Blasen bilden ist daher wenig verwunderlich.


Bild: Die Inflation sinkt und viele Experten befürchten bereits eine Deflation. Bildquelle: Aktiencheck.

Dem Sparer bleibt also nur zu hoffen, dass die Negativzins-Politik nur ein vorübergehendes Dilemma ist und seine Ersparnisse in ferner Zukunft dennoch gesichert bleiben dürften. Dieses Dilemma sollte den Sparer allerdings in den nächsten Jahren weiterhin begleiten, denn selbst wenn die Zinsen irgendwann im Jahr 2017 wieder steigen, wird dieser Anstieg zunächst einmal von der steigenden Inflation aufgezehrt.
(13.01.2015/ac/n/m)

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