DAX: Atempause oder Trendwende?

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Dass sich der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) nach den rasanten Kursgewinnen von Juni bis Mitte September zuletzt eher schwächer präsentiert hat, wird von technisch orientierten Analysten ganz unterschiedlich interpretiert: Einige sehen eine Trendwende gekommen, für andere handelt es sich nur um eine kurzfristige Korrektur im intakten Aufwärtstrend, so die Deutsche Börse AG.

Die noch vor einer Woche erwarteten neuen Jahreshochs würden aber erst einmal vom Tisch zu sein scheinen. Christoph Geyer von der Commerzbank befürchte eine Kater-Stimmung: Eine weiter anhaltende Schwächephase könne den DAX bis in den Bereich um 7.000 Punkte drücken, was dann zunächst aber nur einer Konsolidierungsbewegung im Aufwärtstrend entspräche. „Erst ein Anziehen der Umsätze und ein Unterschreiten der nächsten Unterstützungslinie und damit auch der seit Juni bestehenden Aufwärtstrendlinie bei derzeit rund 7.000 Zählern würde ein Ende der Party bedeuten.“ Tendenziell werde es im Oktober aber weiter seitwärts laufen, resümiere der Charttechniker.

Für einen technischen Analysten der BHF-Bank spreche hingegen einiges dafür, dass es sich bei den jüngsten Kursrückgängen nicht nur um ein kurzfristiges Phänomen handle. „Die Zyklenanalyse für den amerikanischen Markt zeigt, dass in der Vergangenheit 7 von insgesamt 14 langfristigen Trendwechseln in der ersten Oktoberhälfte stattgefunden haben“, erkläre der technische Analyst. „Besonders beim NASDAQ (ISIN US6311011026/ WKN A0AE1X), aber auch beim S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0), ist es am 5. Oktober wahrscheinlich nun abermals zu solch einer langfristigen Trendwende gekommen.“ Die vergangenen Tage hätten die Einschätzung bestätigt.

Für das deutsche Aktienbarometer sei die charttechnische Situation zwar noch etwas besser, doch auch hier sei laut eines technischen Analysten der BHF-Bank nicht viel optimistischer. „Sollte der DAX unter 7.000 Punkte fallen, haben wir auch hier die Trendwende gesehen.“ Zusätzlich hätten zahlreiche technische Indikatoren, etwa der RSI, negative Divergenzen aufgewiesen. Die Stimmungsindikatoren böten hingegen kein klares Bild, da die Ergebnisse, je nach Umfrage, derzeit sehr unterschiedlich ausgefallen seien.

Der Analyst weise allerdings darauf hin, dass aufgrund der massiven Liquidität an den Aktienmärkten das Funktionieren technischer Indikatormodelle zunehmend infrage gestellt werden müsse. Die Liquidität schalte konjunkturelle und technische Indikatoren immer mehr aus. „Angesichts der massiven Interventionen der Notenbanken in Europa, Japan und den USA fragt man sich, ob die Aktienkurse überhaupt noch fallen können, beziehungsweise fallen dürfen.“

Stefan Salomon erwarte aus längerfristiger Sicht unterdessen eine anhaltende Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten. Die Monats- und Quartalskerzen hätten eine positive Grundstimmung gezeigt, erkläre der freie Analyst, der vor allem auf die Candlestick-, also Kerzenchart-Analyse setze. „Dass der S&P 500 zuletzt ein Doppeltopp gebildet hat, stellt zwar ein gewisses Risiko dar. Sollte der Index unter 1.426 Punkte fallen, könnte es noch weiter nach unten auf 1.400 oder 1.380 Zähler gehen.“ Dadurch könne auch der DAX in Mitleidenschaft geraten. Für das deutsche Aktienbarometer stünden bei einem Fall auf 6.800/6.900 Punkte aber „starke Hände“ bereit, die für eine Erholung sorgen sollten.

Kurzfristig halte sich der DAX ohnehin stabil, Ende September und Anfang Oktober habe es zwar viele schwarze Kerzen gegeben, aber auch immer wieder weiße. „Lange schwarze Kerzen fehlten allerdings, von einem klaren Angebotsüberhang kann also nicht die Rede sein.“ Von einer weißen Kerze spreche man, wenn der Schlusskurs höher liege als der Eröffnungskurs, im umgekehrten Fall seien es schwarze Kerzen.

Darüber hinaus gehe Salomon davon aus, dass sich die großen Anleger in den kommenden Wochen noch zurückhalten würden und verweise auf die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen, das eventuelle Auslaufen von Steuergesetzen in den USA Ende des Jahres und die gerade begonnene Berichtssaison. „Erfahrungsgemäß müssen die Hälfte oder zwei Drittel der Berichte vorliegen, bevor sich Investoren in die eine oder andere Richtung entscheiden.“

Die Anleger würden sich im Übrigen wieder viel skeptischer als in der Vorwoche zeigen, wie die Umfrage der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren ergeben habe. Der Bull/Bear-Index sinke deutlich von 57,2 auf 48,3 Punkte und liege damit wieder unterhalb der Optimisten von Pessimisten trennenden 50 Punkte-Marke. 11 Prozent der Befragten seien ins Bärenlager gewechselt, insgesamt seien die bearish eingestellten Investoren mit 42 Prozent somit wieder die stärkste Fraktion. Nur noch 39 Prozent würden steigende Kurse erwarten, 19 Prozent seien neutral eingestellt.

Der Bull/Bear-Index messe den absoluten Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (10.10.2012/ac/a/m)

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