DAX Ausbruch oder Fehlausbruch?

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Es geht steil bergauf. So hat der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) in nur zwei Wochen rund 500 Punkte gutgemacht und notiert jetzt im Bereich von 7.500 Punkten, so die Deutsche Börse AG.

Das Allzeithoch mit 8.153 Punkten aus dem Jahr 2007 rücke wieder in greifbare Nähe. Aus Sicht von technischen Analysten stünden die jüngsten Kursgewinne aber auf tönernen Füßen: Es könne sich um einen Fehlausbruch handeln, so die Befürchtung.

Nach Ansicht von Christoph Geyer, technischer Analyst der Commerzbank (ISIN DE0008032004/ WKN 803200), sehe die Lage am deutschen Aktienmarkt auf den ersten Blick zwar makellos aus. Bei näherem Hinsehen seien aber einige Stolpersteine zu erkennen, die den DAX wieder ausbremsen könnten. „Bedenklich ist die fehlende Marktbreite, die sich in den geringen Umsätzen widerspiegelt. Hinzu kommt der aktuell steile Aufwärtstrend, der so kaum durchzuhalten sein wird“, argumentiere Geyer.

Daneben hätten auch saisonale Effekte eine Rolle gespielt: Zwar sei die Regel „Sell in may and go away“ kein Dogma, aus Sicht des Experten sollten die Investoren aber zumindest zum Monatsanfang einen psychologischen Faktor in die Anlageentscheidung mit einbeziehen. „Der Wochenstart mit den am Montag abgegebenen Tagesgewinnen zeigt jedenfalls, dass den Bullen bereits kurz nach dem Ausbruch schon wieder die Luft auszugehen scheint. Es würde nicht verwundern, wenn eine Korrekturbewegung beginnt“, füge Geyer hinzu und gehe davon aus, dass die Abwärtsbewegung bis in den Bereich der Aufwärtstrendlinie reichen könnte, die aktuell bei rund 7.250 Punkten verlaufe.

Auch ein technischer Analyst von der BHF-BANK halte einen nachhaltigen Ausbruch am Aktienmarkt aktuell für unwahrscheinlich. Der jüngste Anstieg weise einige deutliche Schwächen auf, mahne der Charttechniker und verweise vor allem auf die unterdurchschnittliche Entwicklung einiger wichtiger Sektoren: „Weder in Europa noch in den USA konnte der Bankensektor auch nur annähernd mit dem Anstieg der Standard-Indizes mithalten. Das gleiche gilt auch für die Rohstoffwerte gemessen am Stoxx Basic Resources Index (ISIN EU0009658632/ WKN 965863).“ Zudem habe sich beim US-Brokerindex in den vergangenen Wochen eine Divergenz aufgebaut, ähnlich wie in den Jahren 2007 und 2010. Der US-Brokerindex sei einer der zuverlässigsten Signalgeber für den S&P 500, so der Analyst.

In Europa würden nach Ansicht des Analysten neben den Sektor-Indices auch einige Länder-Indices Konditionsprobleme auf dem Weg nach oben aufweisen. Das gelte insbesondere für einige Aktienmärkte in Südeuropa. Daneben sprächen aktuell die Umsatz-Indikatoren gegen einen nachhaltigen Ausbruch.

Auch die Stimmungs-Indikatoren würden, wie der technische Analyst erkläre, derzeit ein Verkaufssignal aufweisen. „Das gilt auch für die europäischen Aktienmärkte. Hier ist vor allem die hohe Neutralitätsquote bei der jüngsten Sentix-Umfrage hervorzuheben. Eine solche Konstellation spricht eher für einen Fehlausbruch nach oben als eine nachhaltige Aufwärtsbewegung.“

Auch die Anleger seien skeptisch. Zu diesem Ergebnis komme die aktuelle Sentimenterhebung der Börse Frankfurt. Das Bärenlager der befragten 300 aktiven Investoren lege in dieser Woche um satte 14 Prozent zu. Immerhin 10 Prozent von ihnen seien in der Vorwoche noch long positioniert gewesen, die übrigen 4 Prozent seien nicht im Markt gewesen. Für den Bull/Bear-Index für DAX-Werte bedeute das einen Einbruch um 13,4 auf 42,2 Prozent. Beim TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327) sehe es ähnlich aus: 5 Prozent mehr Bären würden den Bull/Bear-Index von 62,1 Prozent in der Vorwoche auf 57,1 Prozent drücken.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (04.05.2011/ac/a/m)

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