DAX hin und wieder etwas Licht

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Charttechnisch wenig Grund zur Freude hatte der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) seit Monatsbeginn, so die Deutsche Börse AG.

Mit Durchbrechen der Marke um die 6.200 Punkte, darin seien sich viele technische Analysten einig, sei eine vorläufige Entscheidung zugunsten der Bären gefallen. „Ein Ausverkauf ist am vergangenen Freitag trotz hoher Kursverluste aber ausgeblieben“, berichte ein technischer Analyst von der BHF-Bank. Ob eine mittel- bis langfristige Baisse abgewendet werden könne, erscheine dennoch fraglich.

„Immerhin ist mit den deutlichen Verlusten von rund 16 Prozent seit dem Hoch im März viel Porzellan zerschlagen worden“, beschreibe etwa die Baader Bank. Die am gestrigen Dienstag ausgelöste Gegenbewegung sei vermutlich lediglich eine Marktberuhigung. Dies erkenne man zudem an den vergleichsweise geringen DAX-Handelsumsätzen der vergangenen Tage.

Gleich reihenweise hätten die führenden Aktienindices jüngst wichtige Unterstützungen unterschritten oder charttechnisch bemerkenswerte Konstellationen ausgebildet, wie Christian Schmidt von der Helaba beschreibe. „Der DAX, der Dow Jones (ISIN US2605661048/ WKN 969420), der Dow Jones Transport (ISIN XC0009694214/ WKN 969421), die NASDAQ (ISIN XC0009694271/ WKN 969427) und der Russel 2000-Index sind allesamt unter die wichtige und richtungsweisende 200-Tage-Durchschnittslinie gefallen“, untermauere der technische Analyst. In der Konsequenz seien übergeordnete Abwärtstrends ausgebildet worden. „Entsprechend sind kurzfristige Aufwärtsbewegungen lediglich eine Korrektur und keineswegs eine mögliche Wende.“

So habe etwa beim EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145/ WKN 965814) die 50-Tage-Linie die 200-Tage-Linie von oben nach unten geschnitten. „Dieses markante Signal ist auch unter der Bezeichnung „Todeskreuz“ bekannt.“ Auf eine solche Konstellation bei einer gleichzeitig fallenden 200-Tage-Linie seien in der Vergangenheit häufig ausgeprägte Kursbewegungen gefolgt.

Auf kurze Sicht bestehe dennoch die Chance auf eine kleine Erholung. Eine erste Hürde stelle die Marke von 6.084 Zählern im DAX dar. Bei 6.101 und 6.160 Punkten mache Schmidt weitere, beachtenswerte Widerstände aus. „Der maximal vorstellbare Impuls könnte bis in den Bereich der 200-Tage-Linie führen, die aktuell bei 6.215 Zählern verläuft.“

„Anschließend muss man mit einer weiteren Abwärtswelle zu neuen Verlaufstiefs rechnen, im DAX unter die Marke von 5.914 Zählern“, sage Schmidt voraus. Unterstützungen darunter mache der technische Analyst bei 5.850, 5.821, 5.775 und 5.761 Punkten aus.

Auf kurze Sicht erkenne auch Sophia Wurm in den Charts Raum für Konsolidierungstage im deutschen Aktienbarometer. „Vor dem Hintergrund der vorliegenden überverkauften technischen Lage könnte der DAX im Umfeld von 6.000 Punkten zumindest eine kurzfristige Stabilisierungschance haben“, präzisiere die technische Analystin der Commerzbank.

Die defensive technische Haltung gegenüber dem DAX würde sie indes erst bei einer technischen Verbesserung aufgeben, beispielsweise wenn dieser die Korrekturtrends verlassen sollte. Denn übergeordnet durchlaufe der DAX seit März 2012 eine intakte technische Korrektur. In der Regel könne man in dem Fall von einem Kursverlust zwischen 10 und 20 Prozent vom vorherigen Kurshoch bei 7.194 Zählern ausgehen. „Dieser wird durch einen Abwärtstrend bei rund. 6.550 Punkten begrenzt.“ Mit der zuletzt nach unten beschleunigten Korrektur unter die 200-Tage-Linie bei aktuell 6.215 Punkten habe der DAX zudem seine relative Stärke der vergangenen Monate im Vergleich mit anderen europäischen Aktienindices beendet.

Bei den 300 wöchentlich von der Börse Frankfurt befragten aktiven Investoren steige die Stimmung mit Blick auf die deutschen Standardwerte unterdessen sprunghaft an. Mit 70,0 gegenüber 57,8 Punkten aus der Vorwoche erhalte der Bull/Bear-Index für den DAX einen spürbaren Schub. 62 Prozent seien auf Vierwochensicht nun long. Hinzugewonnen hätten die Bullen insgesamt 14 Prozent der Befragten aus den Lagern der Bären und Unentschlossenen.

Pessimistischer würden Anleger die Aussichten für die Technologiewerte sehen. Mit 44,3 Punkten von zuvor 55 Punkten rutsche der Bull/Bear-Index für den TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327) deutlich unter die Marke von 50, die Optimisten und Pessimisten voneinander trenne. 41 Prozent der Befragten seien nun Short. Insgesamt 6 Prozent würden von den Bullen zu den Bären wechseln, 3 Prozent würden das Lager der Unentschiedenen zugunsten der Pessimisten verlassen.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (06.06.2012/ac/a/m)

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