DAX Marschrichtung geradeaus

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Der Aktienmarkt gleicht in diesen Tagen einer Achterbahnfahrt, so die Deutsche Börse AG.

Auf eine kurze Korrektur in der vergangenen Woche sei eine noch kürzere Erholung gefolgt und zur Wochenmitte nehme der deutsche Aktienindex DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) bereits wieder kräftig Fahrt nach unten auf. Den Grund dafür würden Börsianer vor allem in der angespannten Lage in Nordafrika und im Nahen Osten und der damit verbundenen Angst vor weiter steigenden Ölpreisen sehen. Charttechniker würden die jüngsten Kursentwicklungen als Start in eine volatile Seitwärtsbewegung einschätzen, die sich über einige Monate halten könnte. Beim Ölpreis würden sich die Techniker bislang zwar weiter optimistisch zeigen und für die kommenden Wochen mit weiteren Preissteigerungen rechnen. Dennoch seien auch hier erste Anzeichen für ein Ende der Rallye zu erkennen, heiße es.

Stefan Salomon, freier technischer Analyst (www.candlestick.de), sehe den DAX auf kurze Sicht in einer volatilen Seitwärtsbewegung zwischen rund 7.090 und maximal 7.400 Punkten. Der Index sei zwar besser in die Woche gestartet als erwartet und die Bullen hätten sich mit einer kräftigen Gegenbewegung auf die Verluste der Vorwoche zurück gemeldet. Zur Wochenmitte habe sich das Bild aber bereits wieder gedreht: „Wie gewonnen, so zerronnen“, kommentiere der Analyst.

Angesichts der Vielzahl der in dieser Woche zu erwartenden Wirtschaftsdaten sei mit weiteren schnellen Richtungsänderungen innerhalb einer großen Spannweite zu rechnen. Widerstände für den DAX sehe der Techniker aktuell bei 7.300 und 7.364 Zählern. Begrenzungen nach unten lägen unterdessen bei rund 7.240 Punkten und im Bereich des Hochpunktes zwischen 7.183 bis 7.156 Punkte. „Ein Fall unter 7.140 Zähler wider Erwarten würde den DAX jedoch an die Marke von 7.100 Punkten führen“, füge Salomon hinzu.

Nach Ansicht des technischen Analysten der BHF-Bank sei der DAX aktuell zwar noch immer im Aufwärtstrend. Für die kommenden Monate rechne aber auch der technische Analyst der BHF-Bank mit einer seitwärts gerichteten Bewegung am deutschen Aktienmarkt. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass wir in den kommenden sechs Monaten eine volatile Seitwärtsbewegung beim DAX sehen werden. Der extrem hohe Optimismus am Markt sowie die starke Aktiengewichtung in den Portfolios der Fondsmanager sprechen gegen eine weitere Erholung. Auf der anderen Seite geben die Notenbanken weiter Kraft, was die Bären in Schach halten sollte.“

Dieses Szenario werde nach Ansicht des Analysten von technischer Seite gestützt: „Einerseits befindet sich der DAX seit Monaten in einem stabilen Aufwärtstrend, der nicht ganz plötzlich abreißen wird. Dem gegenüber stehen aber erhebliche Divergenzen, die in der vergangenen Woche bereits für einen ersten Dämpfer gesorgt haben.“

Weniger volatil sei aktuell hingegen die Entwicklung beim Öl – seit Wochen würden die Preise für den Rohstoff munter ansteigen. Nun scheine aber ein mögliches Ende in Sicht, meine zumindest Jochen Stanzl, Rohstoffexperte beim Finanzportalbetreiber BörseGo. „Aus charttechnischer Sicht ist mit einem Anstieg des Preises auf 128,44 Dollar für ein Fass der amerikanischen Ölsorte WTI zu rechnen. Dieses Ziel könnte in wenigen Wochen erreicht werden und es könnte bereits das Hoch sein“, prognostiziere der Analyst. Es gelte jedoch, die Preisbewegungen an dieser Marke zu beobachten: „Wenn sich hier bullische Kursmuster ergeben, kann es sogar bis zum Hoch aus dem Jahr 2008 bei 147,27 Dollar gehen.“

Mit Blick auf die Lagerbestandssituation am Markt schätze Stanzl aktuell zudem eine direkte Investition in Öl attraktiver ein als ein Engagement in Mineralölprodukten. „Wir sehen sehr hohe Lagerbestände bei WTI, und niedrige Lagerbestände bei den Mineralölprodukten Benzin und Heizöl/Diesel. Jetzt kommen wieder viele Raffinerien in den USA nach Wartungsarbeiten online, was dazu führen sollte, dass die Rohölvorräte sinken, während die Vorräte der Mineralölprodukte steigen“, so die Erklärung.

Aus Sicht von Stefan Salomon deute sich beim Öl eine Verschnaufpause an. Ein Verkaufssignal sehe der Charttechniker derzeit jedoch nicht. „Nach einem Test des Kreuzwiderstands in der vergangenen Woche ist nun eine Verschnaufpause zu erwarten. Solange der Ölpreis allerdings nicht unter das Tief der letzten Wochenkerze bei 89,77 US-Dollar zurückfällt, ist mit steigenden Kursen zu rechnen. Denn die Aufwärtstrends sind intakt und die Phase der Unsicherheit der vergangenen Wochen wurde mit einer langen weißen Wochenkerze nach oben verlassen“, argumentiere Salomon. Letztlich könne dieses Kursverhalten als ein übergeordnetes Kaufsignal aufgefasst werden. Ein Verkaufssignal aus Sicht der Kerzencharts liege hingegen erst bei einem Fall unter 89,77 US-Dollar für die Rohölsorte WTI per Wochenschlusskurs vor.

Auch die Anleger scheinen aktuell keine größeren Änderungen am Aktienmarkt zu erwarten, so die Deutsche Börse AG. Nach dem Ergebnis der aktuellen Sentimenterhebung der Börse Frankfurt bei 300 aktiven Investoren sei die Anlegerstimmung beim DAX im Vergleich zur Vorwoche unverändert.

Lediglich beim TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327) zeige sich ein leichter Optimismus. 2 Prozent der bisher neutral eingestellten Investoren seien wieder in Technologiewerte eingestiegen. Der Bull/Bear-Index für den TecDAX steige von 54,3 auf 55,7 Prozent.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (02.03.2011/ac/a/m)

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