DAX neue Unruhe durch S&P-Ratingherabstufung

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Es war nur ein kurzes Aufatmen: Nach der Herabstufung Frankreichs und acht anderer Euroländer durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s am Freitagabend schien die Entspannung, die sich in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres an den Kapitalmärkten abgezeichnet hatte, rasch vorbei, so die Deutsche Börse AG.

Für den Wochenauftakt hätten Analysten mit weiteren Einbußen gerechnet, die zunächst aber ausgeblieben seien. Montagvormittag liege der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900), der in der vergangenen Woche trotz der Verluste am Freitagnachmittag noch um 1,4 Prozent nach oben geklettert sei, bei 6.175 Punkten etwa ein halbes Prozent im Plus. Die asiatischen Börsen hätten dagegen deutlich nachgegeben, während die US-Börsen wegen eines Feiertags heute geschlossen bleiben würden.

Frankreich und Österreich hätten durch die S&P-Herabstufung die Bestnote AAA verloren, schlechtere Ratings hätten auch Italien, Spanien, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern erhalten. „Nun rückt in den Fokus, ob der vorläufige Rettungsschirm EFSF die Topbeurteilung halten kann, nachdem nur noch vier der Bürgen ein AAA-Rating aufweisen“, erläutere die HSBC.

Zuvor seien die ersten Emissionen Spaniens und Italiens in diesem Jahr erfolgreich über die Bühne gegangen: Die Renditen hätten nochmals nachgegeben, die Nachfrage sei zum Teil überraschend hoch gewesen. Griechenland bereite hingegen weiter Sorgen: Die Verhandlungen zwischen den privaten Gläubigern und Athen würden derzeit stocken.

Unterdessen setze sich die Flucht in Bundesanleihen fort: Der Euro-Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264) habe am Freitag ein neues Rekordhoch bei 140,23 Punkten markiert, aktuell notiere er leicht darunter. Und der Euro zeige sich gegenüber dem US-Dollar so schwach wie seit Sommer 2010 nicht mehr, heute Morgen werde die Gemeinschaftswährung bei 1,2646 US-Dollar gehandelt.

Die DekaBank bleibe, was die kurzfristige Entwicklung auf dem Aktienmarkt angehe, eher skeptisch. „Vorsicht bleibt geboten, denn die Rezession in Euroland könnte noch manche schlechten Unternehmensnachrichten mit sich bringen“, würden die Analysten erklären. Sofern jedoch der freiwillige Forderungsverzicht des privaten Sektors gegenüber Griechenland gelinge, gebe es Potenzial für positive Überraschungen. In drei und auch in zwölf Monaten würden die Analysten den DAX bei 6.500 Punkten sehen.

Laut Markus Reinwand von der Helaba sei trotz positiver Aussichten für das Gesamtjahr vorerst nicht mit einem Durchstarten an den Aktienmärkten zu rechnen. „Zwar ist mit der erfolgreichen Auktion spanischer und italienischer Staatspapiere ein erster Belastungstest des neuen Jahres überstanden. Weitere Emissionen werden aber folgen und könnten ähnlich wie der noch ausstehende freiwillige Forderungsverzicht gegenüber Griechenland für Störfeuer sorgen.“ Von der Quartalsberichtserstattung erwarte Reinwand keine großartigen Impulse: „Seit dem Ende der Berichterstattung über das dritte Quartal konnte der S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) rund 7 Prozent zulegen. Damit sollten bereits relativ ordentliche Ergebnisse für das vierte Quartal 2011 vorweggenommen worden sein.“

Nach Ansicht eines technischen Analysten von der BHF-Bank stehe die Seitwärtsphase der Aktienmärkte kurz vor ihrem Ende. „Die nächste dynamische Bewegung wird vermutlich nach unten gerichtet sein“, erkläre der Charttechniker und verweise auf die Formation des aufsteigenden Dreiecks beim DAX, die häufig an oberen Trendwenden zu beobachten sei. Sollte das Aktienbarometer unter 5.980 Punkte fallen, würde das Eintreten des negativen Szenarios sogar noch wesentlich wahrscheinlicher. Über den Tag hinaus sei dieser aber durchaus positiv: „Für den Spätsommer erwarten wir eine erstklassige langfristige Kaufgelegenheit für Aktien.“ (16.01.2012/ac/a/m)

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