Deutscher Aktienmarkt die Perspektive hat sich verdunkelt

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Die erneute Verschärfung der Schuldenkrise in der Eurozone hat die Aktienmärkte am Dienstag ins Schwanken gebracht, berichtet die Deutsche Börse AG.

Als eine Aneinanderreihung von Snap-backs – Zurückschnapper in beide Richtungen – würden Analysten die Bewegungen interpretieren und den Markt zudem auf wackligem Boden sehen. Am Mittwochmittag liege der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) bei 7.223 Punkten nahezu 1 Prozent im Plus.

Das Marktgeschehen am gestrigen Dienstag klassifiziere Christoph Schmidt, Analyst bei N. M. F., als panikartig, was man sowohl an den impliziten Volatilitäten, als auch den Credit-Spreads gesehen hätte. Die Volatilität sei gemessen am VDAX-New (ISIN DE000A0DMX99/ WKN A0DMX9) zwischenzeitlich auf 25 Prozent geschnellt, derzeit bei gut 21 Prozent sei sie immer noch leicht erhöht. Die Credit Spreads – Prämien für höhere Risiken im Anleihemarkt – wären für italienische Papiere im Tagesverlauf auf 370 Stellen gestiegen, der BTB-Future, das italienische Pendant zum Bund-Future (ISIN DE0009652644/ WKN 965264), sei zwischenzeitlich auf 98 Prozent gefallen. „Flucht in die Sicherheit“, diagnostiziere Schmidt. Der Markt spiele die Pleiten.

Credit-Spreads würden in Basispunkten ausgedrückt. Trotz der Heftigkeit: „Die Bewegungen spielen sich immer noch im Bereich der Nachkommastellen ab“, erkläre Schmidt. Erst ab 2.000 Basispunkten sei eine Entwicklung nachhaltig.

Der Markt schnappe zurück und übertreibe dabei zu beiden Seiten, fasse Schmidt zusammen. „Wenn alle durch eine Tür wollen, kommt nichts mehr nach und relativ schnell schleichen die ersten wieder zurück.“ Im Verlaufe des Tages habe sich die Situation wieder beruhigt, es seien auch Gerüchte aufgekommen, die EZB habe unterstützend eingegriffen. Der BTB-Future habe am Abend bei 102,70 Prozent geschlossen. „Das hat man heute auch an der geringen Reaktion auf die Herabstufung Irlands gesehen.“ Es gebe jedoch insgesamt keinerlei Basis für Normalität.

Die Analysten von Metzler würden im Wechselkurs des Euro zum Schweizer Franken das sensibelste Barometer für die Schuldenkrise sehen. In diesem Sinne unterstütze das Währungspaar das von Schmidt skizzierte Szenario, denn der Euro sei auf ein Allzeittief bei 1,1553 Schweizer Franken gefallen.

Rocco Graefe von „godmode-trader.de“ sehe den DAX zur Wochenmitte in einer Erholung, ausgehend von 7.000 Punkten, gebe dem Index aber wenig Chancen, deutlich über 7.250 Punkte zu steigen. Vielmehr erwarte er, dass die deutschen Blue-Chips zum Wochenschluss bis 6.900 fallen könnten. Nur ein Tagesschluss oberhalb von 7.275/7.300 signalisiere Positiveres.

Der technische Analyst der BHF-BANK komme angesichts einer „sehr negativen Charttechnik an den europäischen Aktienmärkten und der zyklischen Indikatoren“ zu einem „klar negativen“ Votum für die europäischen Aktienmärkte. Für den DAX würde sich die Lage erst deutlich verbessern, wenn der Index die Hochs vom 7. Juli bzw. 8. Juli bei 7.523 Punkten knacken könnte.

Der Analyst interpretiere die jüngste Kursentwicklung als Abwärtsimpuls im Anschluss an eine monatelange Topbildungsphase. Das Verlaufsmuster der vergangenen Wochen ähnele dabei sehr dem der letzten Monate in 2007.

Insbesondere auch die zyklischen Indikatoren sprächen bereits seit einiger Zeit für eine längere Schwächeperiode bis ins vierte Quartal 2011, wobei die erste Abwärtswelle jedoch bereits Ende Juli beendet sein könne.

Im Hinblick auf die Marktstimmung sehe der Analyst Widersprüche. Einerseits seien die von der Eurex berechneten Put/Call-Ratios bemerkenswert hoch ausgefallen, was auf einen hohen Absicherungsbedarf hindeute. Die Meinungsumfragen der Börse Frankfurt und von Sentix hätten andererseits auf einen erstaunlich beständigen Optimismus für die nächsten Wochen hingedeutet. Der technische Analyst leite „aus diesem seltenen „Gemisch“ von Sentimentindikatoren nach wie vor keine Zuversicht für die Aktienmärkte ab“.

Passend zu der Einschätzung des Analysten erweise sich auch heute der Anlegeroptimismus als auffallend stabil angesichts der Kursschwankungen im DAX. Von den an diesem Vormittag durch die Börse Frankfurt befragten Anlegern hätten 4 Prozent ihre Long-Engagements in deutschen Blue-Chips verkauft, ebenfalls 4 Prozent seien „short“ gegangen. Das bringe den Bull/Bear-Index auf optimistische 61,1 Prozent.

Heftiger sei die Reaktion im TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327 ausgefallen. Hier hätten sich 10 Prozent der Befragten von ihren Aktien getrennt und 7 Prozent Leerverkäufe getätigt. Der TecDAX-Bull/Bear-Index sei mit 55 Prozent aber ebenfalls noch im bullishen Bereich.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (13.07.2011/ac/a/m)

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