Devisenbericht: Reservierte Haltung Deutschlands im Vorfeld des EU-Gipfels schwächt den EUR

Hamburg (www.aktiencheck.de) – Die Erwartungen an den EU-Gipfel, der heute beginnt, sind offensichtlich nicht hoch gesteckt, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die Impulse des Gipfels für den EUR dürften eher negativ sein, da nicht mit umfassenden Lösungen zu rechnen sei. Schon heute title das Handelsblatt mit “Nein! No! Non!” und meine damit die ablehnende Haltung von Bundeskanzlerin Merkel gegenüber den Vorschlägen des Euro-Quartetts. Ein Einbruch bei den Baugenehmigungen in Spanien um 20,7% gegenüber dem Vormonat sowie eine höher als erwartete Arbeitslosenrate in Deutschland hätten heute Morgen für eine ausgeprägte Schwäche des EUR gesorgt, der gegenüber dem USD zeitweise auf unter 1,24 gesunken sei. Aus Europa würden vermutlich keine stützenden Meldungen für den Euro kommen.

Dagegen könnten die Arbeitsmarktdaten aus den USA grundsätzlich den USD schwächen, wenn die Arbeitslosenrate erneut steigen sollte. Allerdings rechne man nicht mit einer Verschlechterung der Lage, weil die Konjunkturdaten in ihrer Gesamtheit ein relativ robustes Bild zeichnen würden. Das sollte vor allem durch die ISM-Indices, die sich zuletzt beide über 53 Punkte und damit im expansiven Bereich bewegt hätten, in der kommenden Woche bestätigt werden. Gleichzeitig erscheine es nicht abwegig, dass die Auftragseingänge für die deutsche Industrie erneut sinken würden. Auch vor diesem Hintergrund seien die Analysten dabei, ihre Wachstumsprognose für die Eurozone zu überprüfen.

Die Schweiz leide weiter auf einem hohen Niveau. Trotz des starken CHF wachse die Volkswirtschaft weiterhin (Q1: 0,7% Q/Q). Spuren hinterlasse die Krisen-Bewertung der Währung beim Export (-0,4%) und bei den Investitionen (-1,5%), während die Inlandsnachfrage robust bleibe. Die SNB fürchte, dass es schlimmer kommen könnte und verteidige den CHF-Kurs eisern. Die offizielle Sprachregelung sei, dass man die Marke von 1,20 EUR/CHF ohne Wenn und Aber halten werde – notfalls mit Kapitalverkehrsbeschränkungen. Abwertungspotenzial könne man im derzeitigen Umfeld für den CHF nicht ausmachen.

Der JPY profitiere von den zunehmenden Spannungen in der Eurozone. Möglicherweise habe es dem JPY auch geholfen, dass die Regierung ein Gesetz zur schrittweisen Erhöhung der Mehrwertsteuer von 5% auf 10% durch das Parlament gebracht habe – ein Projekt, dass jahrelang diskutiert worden sei und stets auf heftigsten Widerstand gestoßen sei. Der IWF empfehle sogar noch eine größere Erhöhung, um den Schuldenberg von über 200% des BIP nachhaltig abbauen zu können. Die Exportindustrie freue der starke Yen nicht, aber bei 79 USD/JPY sei noch kein Interventionsniveau erreicht. Das dürfte eher bei 75 bis 76 liegen. (28.06.2012/ac/a/m)

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