Die Fronten für den EU-Gipfel sind geklärt – weiterhin Abwärtsrisiken für den Euro

München (www.aktiencheck.de) – Der Euro hatte gestern einen schweren Stand, so die Analysten von UniCredit Research.

Die Fronten für den heute beginnenden EU-Gipfel seien so gut wie geklärt, da Deutschland in allen wichtigen Fragen zur EWU-Schuldenkrise und zu den angedachten EU-Reformen eindeutig Stellung bezogen habe. Bundeskanzlerin Merkel erteile der Vergemeinschaftung von Schulden eine Absage und habe den im EU-Ratsbericht nicht ausreichend berücksichtigten Aspekt notwendiger Haushaltskontrollen kritisiert. Für den Gipfel selbst habe sie eine Reihe kontroverser Diskussionen erwartet. Finanzminister Schäuble habe Stellung zum Thema Griechenland genommen. Er habe gesagt, das Land wisse um die Vereinbarungen im Rahmen des Hilfspakets. Griechenland müsse seine Verpflichtungen erfüllen und es gäbe keinen Spielraum beim Ziel eines Schuldenstandes von 120% des BIP bis 2020. Im Übrigen, so Schäuble sei zunächst einmal der nächste Troika-Bericht abzuwarten.

Selbstverständlich habe diese Art der Abgrenzung Deutschlands den Märkten nicht gefallen. Am besten jede Menge Geld auf den Tisch, alles natürlich sofort und einige wenige würden für alle anderen haften. Das wär’s. In Nullkommanix würde EUR/USD wieder über 1,30 steigen und man hätte endlich Ruhe – für die nächsten paar Jahre. Aber danach käme es umso dicker, weil der Karren, wie schon vor knapp 20 Jahren, erneut vor das Pferd gespannt würde anstatt umgekehrt. Deutschland wolle auch Europa, aber eben nicht im Zuge einer Flickschusterei, sondern im Rahmen geordneter Strukturen. Aber Märkte seien ungeduldig. Das wissen wir und deshalb steht zu befürchten, dass der EU-Gipfel dem Euro keinerlei nachhaltigen Auftrieb vermitteln wird, so die Analysten von UniCredit Research.

Möglicherweise gehe es mit den Kursen vorerst sogar weiter abwärts, nachdem sich auch die Spekulationen um einen EZB-Zinssenkung verdichtet hätten. Den letzten entscheidenden Aspekt habe gestern EZB-Chefvolkswirt Peter Praet mit der Bemerkung geliefert, es gäbe keine Doktrin, dass der Leitzins nicht auch unter 1% sinken dürfe. In diesem Zusammenhang hätten die Märkte sehr aufmerksam die für Deutschland rückläufige Inflationsrate im Juni registriert.

Deutsche Arbeitslosenrate, Wirtschaftsvertrauen in der Eurozone und US-BIP würden heute niemanden interessieren. Das für die Devisenmärkte einzig wichtige sei der EU-Gipfel, wie die Euro-Kursentwicklung für den restlichen Wochenverlauf ohnehin politisch motiviert sein werde, obwohl normalerweise jedermann jetzt schon wisse, dass ein Übertreffen der extrem niedrigen Erwartungshaltung mehr als unwahrscheinlich sei. Ein weiteres sukzessives Abgleiten in EUR/USD und anderen relevanten Euro-Paritäten schließen die Analysten von UniCredit Research für heute nicht aus. (28.06.2012/ac/a/m)

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