Hannover (www.aktiencheck.de) – Heute hat die Europäische Kommission aktuelle Zahlen zu ihrer monatlichen Verbraucher- und Unternehmensumfrage in der Eurozone veröffentlicht, so die Analysten der Nord LB.
Demnach habe sich der Stimmungseinbruch auch im abgelaufenen Monat fortgesetzt. Im Juni sei der Economic Sentiment Indikator in der Eurozone auf 89,9 Punkte abgerutscht. Mit Ausnahme der beiden Rezessionsphasen 1992/1993 sowie 2008/2009 habe der Gesamtindex noch nie so niedrig notiert. Zumindest habe sich der Rückgang des Gesamtindex im Vergleich zu den beiden Vormonaten etwas verlangsamt. Die heute veröffentlichten Daten lägen weitgehend im Rahmen der Erwartungen der von Bloomberg im Vorfeld befragten Analysten. Vor dem Hintergrund der nochmals schwächeren Zahlen sei für das zu Ende gehende 2. Quartal sowie die kommenden Sommermonate mit einer erneuten Schrumpfung des Bruttoinlandsprodukts zu rechnen.
Sowohl das Industrie- als auch das Dienstleistervertrauen sowie das Verbrauchervertrauen hätten sich weiter verschlechtert. Im Verarbeitenden Gewerbe habe sich der Vertrauensindikator um -1,3 auf -12,7 Saldenpunkte abwärts bewegt. Erneut seien der aktuelle Auftragsbestand und die Produktionserwartungen schlechter beurteilt worden. Im Bausektor habe sich der Indikator leicht verbessert, verharre aber weiter klar im negativen Bereich (-28,1 Saldenpunkte). Auch die Dienstleister bekämen die Konjunkturschwäche immer mehr zu spüren, das Geschäftsklima habe wegen schwächerer Geschäftsentwicklung und rückläufiger Nachfrage den Sinkflug fortgesetzt (-2,2 auf nun -7,4 Saldenpunkte).
Das Einzelhandelsvertrauen habe aber gegen den Trend auf -14,9 Saldenpunkte zulegen können. Im Juni hätten vor allem die Länder mit bisher recht robuster Konjunkturentwicklung (Deutschland und Frankreich) stärkere Rückgänge verzeichnet – im Gegensatz zu Italien (+0,9) und Spanien (+1,0). Die Beschäftigungspläne seien erneut in fast allen Bereichen heruntergeschraubt worden.
Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften sich vor dem Hintergrund des Konjunktureinbruchs die Stimmen für eine weitere Zinssenkung mehren. Das Inflationsumfeld habe sich zuletzt beruhigt. In Deutschland sei die Inflationsrate (HVPI) im Juni auf 2,0% Y/Y gesunken. Zudem hätten sich gemäß der heute veröffentlichten Umfrage die Erwartungen bezüglich der Verkaufspreisentwicklung in fast allen Geschäftsbereichen rezessionsbedingt deutlich verringert. Insofern würden die Analysten erwarten, dass die EZB bereits auf der Ratssitzung in der kommenden Woche den Tendersatz um weitere 25 Basispunkte auf ein neues Rekordtief von 0,75% absenke. Im Jahr 2012 werde das BIP der Eurozone voraussichtlich um 0,3% schrumpfen.
Im Juni habe sich der Stimmungseinbruch in der Eurozone wie erwartet fortgesetzt, die Fallgeschwindigkeit habe aber etwas abgenommen. Der Economic Sentiment Indikator sei auf 89,9 Punkte – dies sei mit Ausnahme der beiden Rezessionsphasen 1992/93 sowie 2008/09 der tiefste Stand gerutscht. In den wichtigsten Geschäftsbereichen sei das Geschäftsklima zurückgegangen und auch das Konsumentenvertrauen habe sich wieder eingetrübt. Vor diesem Hintergrund erwarte man eine weitere Leitzinssenkung der EZB – die deutliche Beruhigung des Inflationsumfelds eröffne den Notenbankern jedenfalls den nötigen den Spielraum für eine zusätzliche Stimulierung. (28.06.2012/ac/a/m)


