EU-Gipfel mit unerwartetem Ausgang: Teures Durchatmen

Stuttgart (www.aktiencheck.de) – Ein EU-Gipfel mit unerwartetem Ausgang: Es wurde tatsächlich etwas entschieden, so die Analysten vom Bankhaus Ellwanger & Geiger.

Auch wenn es nur die Entscheidung gewesen sei, dass krisengeschüttelte Staaten einfacher beim neuen ESM-Rettungsschirm Stützungsgelder erhalten würden. Neben einer neu zu gründenden europäischen Bankenaufsicht habe Investoren die Aussicht begeistert, dass Krisenbanken ebenfalls direkt vom ESM-Rettungsfonds gestützt werden könnten. Zudem könnten Italien und Spanien vereinfachte Verfahren durchlaufen und Hilfen weitgehend ohne Gegenleistung in Anspruch nehmen.

Es scheine so, dass Italien bzw. Spanien nicht nur die Euro 2012 gewonnen hätten, sondern auch den EU-Gipfel der letzten Woche. Für Deutschland bedeute dies, dass der Weg in eine teure Gemeinschaftshaftung europäischer Schulden eingeschlagen worden sei. Die Aktienmärkte hätten daraufhin euphorisiert zugelegt, der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) sei sogar die 6.500-Punkte-Marke geknackt. Der Euro sei um 2 US-Cent gesprungen und habe seine Talfahrt der letzten Wochen unterbrochen. Aber sei diese Entwicklung auch nachhaltig? Die Analysten würden meinen nicht, denn im Grunde sei nur beschlossen worden, dass sich jeder an den Euro-Töpfen bedienen könne, ohne Gegenleistungen zu erbringen. Eine grundlegende Wende zum Besseren erfordere schmerzhafte Maßnahmen, zu denen viele Staaten (noch) nicht bereit seien.

Die positiven Aktienmarktbewegungen würden derzeit wohl nur auf der nach wie vor extrem lockeren Geldpolitik der internationalen Zentralbanken fußen. Die nun für Donnerstag erwartete Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank EZB habe die Kurse zu Beginn der Woche weiter gestützt. Zudem hätten sich die Renditen langlaufender südeuropäischer Anleihen um mehr als ein halbes Prozent ermäßigt. Die Hoffnung auf eine dauerhafte Eindämmung der hohen Renditeanstiege in den südlichen Euro-Peripheriestaaten dürfte jedoch bald wieder enttäuscht werden. Es sei denn, die europäische Politik gehe auf ihrem Weg der Fiskal- und Bankenunion schnell und unbeirrt weiter. Sollte dieser Prozess wieder ins Stocken geraten oder auslaufen, dürfte das Enttäuschungspotenzial erheblich sein.

Die Aktien- und Bondmärkte würden sich dem wechselhaften Wetter anpassen und sich zwischen Hoffen und Bangen bewegen. Sollte der DAX im Zuge einer möglichen EZB-Leitzinssenkung Potenzial in Richtung 6.800 Punkte aufweisen, dürften ab diesem Niveau bereits wieder Gewinnmitnahmen einsetzen. Nachhaltig steigende Renditen an den Rentenmärkten seien nur bei einer weiteren Aufhellung der düsteren Krisenszenarien zu erwarten, denn die Zentralbanken würden die langfristigen Zinsen mit ihren Maßnahmen (z.B. Anleihenkäufe) künstlich niedrig halten. Das Konjunkturprogramm für europäische Unternehmen durch einen relativ niedrigen EUR/USD-Kurs dürfte daher weiterhin Bestand haben. (04.07.2012/ac/a/m)

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