Markttechnik Bodenbildung ungewiss

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Innerhalb weniger Wochen hat der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) einen Sprung von fast 800 Punkten gewagt und kratzt wieder an der Marke von 6.000 Zählern, so die Deutsche Börse AG.

Technische Analysten würden die Chancen auf eine nachhaltige Genesung für den DAX dennoch eher gering einschätzen. Anders würden dies die von der Börse Frankfurt befragten Investoren beurteilen, die sowohl für die Technologie- als auch die Standardwerte eine positive Entwicklung auf Vierwochensicht erwarten würden.

Die Hürden für weitere Korrektursprünge nach oben bezeichne Christian Schmidt von der Helaba als hoch. Angesichts der jüngsten Korrekturbewegung im DAX von 4.965 Zählern zurück in den Bereich von 5.800 bzw. 5.900 Punkten hätten sich zwar die optimistischen Stimmen zu den weiteren Aussichten der Aktienmärkte gemehrt. „Ein Blick auf den längerfristigen DAX-Chart mahnt aber zur Vorsicht“, glaube der technische Analyst. Es seien immer dann sehr nachhaltige Bewegungen entstanden, wenn sich 21-Wochen-Durchschnitt und 55-Wochen-Durchschnitt im Chart gekreuzt und gleichzeitig die AD-Linie die Signallinie in die gleiche Richtung geschnitten hätten.

„Diese Idealkonstellation war im Juli diesen Jahres zu Beginn der Verkaufswelle gegeben“, beobachte Schmidt. Zudem verdeutliche die Richtung von AD-Linie und gleitender Durchschnitte den übergeordneten Trend. AD-Linie stehe für Advance-Decline-Linie, ein quantitativer Trendindikator, der als Zeitreihe der kumulierten, wöchentlichen Differenzen zwischen der Anzahl gestiegener und der Anzahl gefallener Aktien berechnet werde. „Sowohl die genannten gleitenden Durchschnitte als auch die AD-Linie zeigen derzeit nach unten, wodurch ein übergeordneter Abwärtstrend zu definieren ist und perspektivisch ein negatives Chance-Risikoprofil vorliegt“, glaube Schmidt.

Es werde sich Schmidt zufolge in Kürze herausstellen, ob die Aufwärtsimpulsbewegung hier ende oder ob Kursziele jenseits der 6.000 Punkte im DAX angepeilt werden könnten. Die nun relevante Widerstands-Marke von 5,871 Zählern im deutschen Aktienbarometer decke sich nahezu mit dem 50-Prozent-Retracement bei 5.889 Punkten aus der Bewegung zum Hoch bei 8.151 Punkten vom 2009er Tief bei 3.590 Zählern. „Da sehr viele Erholungsbewegungen im Bereich des 50-Prozent-Retracements enden, ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dies auch aktuell der Fall sein wird“, gebe Schmidt zu bedenken.

In der Erholung im DAX seit dem 12. September erkenne auch ein technischer Analyst von der BHF Bank eine eher kurzfristige Erscheinung. „Technisch steht die Bewegung nach oben auf schwachen Beinen“, meine der Analyst, der innerhalb der kommenden Wochen neue Jahrestiefstände in Aussicht stelle. Denn an der langfristigen Baisse im deutschen Barometer bestehe kein Zweifel. „Wichtige Indices in Europa und USA notieren nach einer mehrmonatigen Topbildungsphase deutlich unterhalb ihrer fallenden 200-Tage-Linien“, unterstreiche der Analyst.

Nur wenn kurz- und mittelfristige Indikatoren eine sehr eindeutig positive Bewertung erfahren würden, könne ein Engagement gegen den fallenden Primär- und den langfristigen Abwärtstrend gerechtfertigt werden. „Zudem findet in den ersten Monaten einer Baisse selten eine nachhaltige Gegenbewegung statt“ gebe dem Analysten zu bedenken. Im Bärenmarkt von März 2000 bis März 2003 habe es beispielsweise erst im April 2001 eine nennenswerte Kehrtwende gegeben. „Der Anstieg hat dann nur wenige Wochen angedauert“, vergleiche er die beiden Krisenverläufe.

Optimistisch gestimmte Investoren hätten zwar gehofft, dass sich die Seitwärtsbewegung der vergangenen zwei Monate als erfolgreiche Bodenbildung herauskristallisiere. „Diese Variante ist aber eher unwahrscheinlich“, vermute der technische Analyst. Nach der mehrmonatigen Topbildungsphase und dem massiven Abwärtsimpuls Ende Juli und Anfang August sei eine Seitwärtsphase, wie man sie derzeit erlebe, eine typische Entwicklung. „Das hektische Hin und Her interpretieren wir als Konsolidierungsphase im Abwärtstrend“, meine der Analyst.

Den Investoren scheinen jedenfalls deutsche Standardtitel schon teuer genug zu sein, so die Deutsche Börse AG. Der Bull/Bear-Index für die deutschen Bluechips halte sich mit 57,2 im Vergleich zu 60,6 Punkte in der Vorwoche zwar im positiven Bereich, wie aktuelle Befragung von 300 professionellen Anlegern ergebe. Aber immerhin 7 Prozent der Anleger seien gegenüber der Vorwoche jetzt short, die zuvor nicht im Markt gewesen seien. 1 Prozent sei zu den Bullen gewechselt.

Ganz anders sehe das beim TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327) aus, denn hier hätten die Bullen 10 Prozent der Befragten zu sich gezogen. 5 Prozent seien zuvor short und 5 Prozent nicht engagiert gewesen. Der Bull/Bear-Index für Technologiewerte steige auf 66,4 Punkte von zuvor 55,7 Punkten.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (12.10.2011/ac/a/m)

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