Markttechnik nicht zu früh freuen

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Jahresanfangs- statt Jahresendrally: Über 7 Prozent hat der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) seit Ende Dezember zulegen können, so die Deutsche Börse AG.

Viele technisch orientierte Analysten würden aber zur Vorsicht mahnen, ihrer Einschätzung nach werde die Erholung nicht von Dauer sein. „Aus zyklischer Sicht ist es für den Anstieg noch zu früh“, meine etwa Christoph Geyer von der Commerzbank. Kurzfristig sei der Ausbruch über die Widerstandszone zwischen 6.200 und 6.400 Punkten zwar möglich, nachhaltig werde dieser aber nicht sein. Der Stochastik-Indikator mahne zur Vorsicht, dazu komme der Widerstand bei rund 6.500 Punkten. Auch ein technischer Analyst der BHF-BANK und Martin Siegert von der Landesbank Baden-Württemberg seien skeptisch.

Eines technischen Analysten der BHF-Bank zufolge spreche einiges für wieder sinkende Kurse, und verweise auf die Formation des aufsteigenden Dreiecks beim DAX. „Dieses gilt in der Chartliteratur als bullish. Unsere eigenen Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass der Ausbruch zwar zunächst häufig nach oben stattfindet, dieser aber wenig später von einem Ausbruch nach unten abgelöst wird.“ An wichtigen oberen Trendwenden trete das aufsteigende Dreieck beim DAX besonders häufig auf.

„Sehr eindeutig war das beim langfristigen Hoch im Jahr 2007.“ Nicht ganz so lehrbuchhaft, aber doch deutlich erkennbar, seien die aufsteigenden Dreiecke im Sommer 2000 und im Sommer 2011. Alle drei Zeiträume hätten langfristige obere Trendwenden beim DAX markiert. Den jüngsten Anstieg über die obere Begrenzungslinie bei 6.180 Punkten interpretiere der technische Analyst als Fehlausbruch.

Daneben hätten auch die mittel- und langfristigen Zyklen pessimistisch in die nähere Zukunft blicken lassen. „Dazu zählt der Vergleich mit der Entwicklung von 2007“, erkläre der Analyst. Aber auch auf Basis des Zehnjahreszyklus könne man davon ausgehen, dass sich die Aktienkurse noch bis mindestens Mitte dieses Jahres nach unten bewegen würden. „Auffällig ist die Häufung der Wendepunkte im August und im Oktober.“ Der Analyst rechne in diesem Jahr wieder mit dem tiefsten Punkt im August.

Auch Martin Siegert halte es für wahrscheinlich, dass die Erholungsphase nach den Tiefstkursen im Spätsommer zu Ende gehe. „Der DAX befindet sich seit Ausbildung eines Doppeltiefs knapp unter der 5.000er Marke im September in einer Korrekturbewegung“, erläutere der Charttechniker. Diese verlaufe derzeit in einem intakten Trendkanal mit Begrenzungslinien bei etwa 5.670 Punkten auf der Unter- sowie knapp über 6.600 Punkten auf der Oberseite. „Aus Sicht der aktuellen Verlaufsstruktur und der Lage der Indikatoren im Tages- und im Wochenchart lässt sich die Erwartung ableiten, dass diese Korrekturbewegung bereits in eine Spätphase eingetreten ist.“

Zu Beginn dieser Woche sei der DAX nochmals in eine dynamische Bewegung übergegangen. „Das minimale Kursziel wurde mit einem Preissprint über der 6.320er Marke bereits erreicht, das alternative rechnerische Preisziel sollte im Bereich der 6.442er Zone zu finden sein.“ Knapp unter dieser Marke verlaufe aktuell die 200-Tagelinie. Die Ausbildung eines Tops, das idealtypisch in den nächsten Tagen durch das Signal einer Tagesumkehr bestätigt werden sollte, stelle den Abschluss der mehrmonatigen Korrektur dar.

„Aus Sicht der klassischen Chartanalyse könnte dann von einem Pullback zur 200-Tagelinie gesprochen werden.“ Das Unterschreiten der kurzfristigen Trendgeraden im Bereich der 6.070er Zone und nachfolgend der Preisunterstützungsmarke bei 5.988 Punkten hätten diese Betrachtung bestätigt. „Das führt den DAX in den kommenden Wochen und vermutlich Monaten vor eine neuerliche Bewährungsprobe.“

Auch die Anleger würde dem Braten offenbar nicht trauen: Besonders bezüglich des DAX habe sich die Stimmung deutlich eingetrübt, wie die aktuelle Befragung der Börse Frankfurt unter 300 aktiven Investoren ergeben habe. Im Vergleich zur Vorwoche hätten satte 10 Prozent der Anleger das Bullenlager verlassen, 14 Prozent seien nund bearish. Insgesamt sei mit 46 Prozent nun fast die Hälfte der Interviewten in Sachen Bluechips negativ gestimmt. Der Bull/Bear-Index sei mit 45 Punkten eindeutig im pessimistischen Bereich. Bei den Technologiewerten gebe es hingegen kaum Veränderung: Hier komme es nur zu kleinen Verschiebungen zwischen den Lagern, der Bull/Bear-Index gehe hier von 58,6 auf 56,4 Punkte zurück.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (18.01.2012/ac/a/m)

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