OSRAM Licht AG geht als Spin-Off an die Börse

In unserem heutigen Artikel möchten wir gerne die Aktie der OSRAM Licht AG analysieren. Ja, Sie lesen richtig! Die Aktie der OSRAM Licht AG. Nein, die Aktie gibt es bisher noch nicht, aber das wird sich am kommenden Montag, dem 8. Juli 2013, ändern. Denn an diesem Tag wird die Lichttechnik-Tochter der Siemens AG durch eine Abspaltung, einen sogenannten Spin-Off, an die Börse gebracht. Siemens Aktionäre werden dabei je 10 gehaltener Siemens Aktien eine Aktie der OSRAM Licht AG in ihr Depot eingebucht bekommen. Doch was sollte man mit diesen Aktien tun?

Bevor wir jedoch zu unserer Analyse der Aktie der OSRAM Licht AG kommen, möchten wir zunächst einmal unser kleines Aktienjournal.de „Musterdepot“ aktualisieren. Insgesamt zeigt sich unser Musterdepot weiterhin robust, allerdings gab es für eine unserer Musterdepotaktien zuletzt schlechte Nachrichten. Doch der Reihe nach, lassen Sie uns zunächst unser kleines „Musterdepot“ aktualisieren, ehe wir zu diesen „Bad News“ kommen!

Aktienjournal.de – „Musterdepot“-Vorschlag (für wachstumsorientierte, leicht spekulative Anleger)

 

Kaufdatum

Anzahl

Aktie

Startkurs

Aktueller Kurs

Veränderung

05.12.2012

45 Stück

Aareal Bank AG

16,80 €

17,79 €

+5,89%

05.12.2012

3 Stück

Amazon.com Inc.

193,85 €

218,60 €

+12,77%

05.12.2012

6 Stück

DaVita Healthcare Partners Inc.

81,36 €

87,55 €

+7,61%

05.12.2012

16 Stück

Gilead Sciences Inc.

28,50 €

40,18 €

+40,98%

05.12.2012

2 Stück

KWS Saat AG

238,15 €

274,55 €

+15,28%

05.12.2012

18 Stück

MorphoSys AG

27,00 €

45,39 €

+68,11%

05.12.2012

175 Stück

Nokia Corp.

2,78 €

3,03 €

+8,99%

25.04.2013

20 Stück

Qualcomm Inc.

47,70 €

47,18 €

-1,09%

 

Startkapital:   5.000,00 Euro

Aktien:            5.464,50 Euro

Cash:                  130,85 Euro (inkl. Dividenden)

Dividenden:          5,60 Euro

Gesamt:          5.595,35 Euro

Performance:    +11,91%

Letzte ausgeführte Transaktionen:

 

Verkauf 12 Stück SAP AG zu 60,00 Euro

Kauf 20 Stück Qualcomm Inc. zu 47,70 Euro

Unser kleines Aktienjournal.de „Musterdepot“ konnte im Berichtszeitraum weiter leicht zulegen. Somit beläuft sich das Kursplus nun auf +11,91% (nach +11,65% letzte Woche). Was zunächst mickrig wirkt, ist jedoch absolut positiv zu beurteilen. Denn zeitgleich fiel unser Vergleichsindex, der DAX – der übrigens diese Woche, genauer am Montag, dem 1. Juli 2013, seinen 25. Geburtstag feierte – weiter zurück. So beträgt das Kursplus des DAX seit Start unseres kleinen „Musterdepots“ am 5. Dezember 2012 inzwischen „nur“ noch bei ca. +5,03% (Vorwoche: ca. +7,19%). Obwohl wir also mit der Aktie der Centrosolar Group AG einen echten Fehlgriff hatten, liegen wir inzwischen sage und schreibe +6,88% besser als der DAX, was sich wirklich sehen lassen kann. Dennoch war und ist auch in unserem „Musterdepot“ noch längst nicht alles eitel Sonnenschein, wie wir jetzt sehen werden.

 

Denn zwar gab es zuletzt durchaus auch einige positive Nachrichten für Aktien aus unserem „Musterdepot“, eine Aktie litt jedoch unter schlechten Nachrichten. Dabei handelt es sich um die Aktie der DaVita Healthcare Partners Inc. (NYSE: DVA), ohne deren deutlichen Kursrückgang von -6,61% im Wochenverlauf die Performance unseres Musterdepots noch deutlich besser aussehen würde. Grund für diesen Kursrückgang waren dabei Meldungen aus den USA, wonach die dortigen Krankenkassen zukünftig deutlich weniger für Dialysebehandlungen („Blutwäsche“) zahlen werden. Insofern kann man die Reaktion des Marktes auf diese Nachrichten auch nicht als irrational bezeichnen und wir haben ernsthaft überlegt, ob wir die Aktie der DaVita Healthcare Inc. nicht aus unserem Musterdepot verkaufen sollten. Letztendlich haben wir uns aber dann doch dagegen entschieden, denn alles in allem wird die Gesellschaft zwar in Zukunft etwas weniger Gewinn machen als ursprünglich geplant, Gewinn ist und bleibt aber Gewinn. Daher machen wir es wie Warren Buffett und bleiben investiert, zumal der langfristige Aufwärtstrend der Aktie ungebrochen ist.

 

Neben dieser schlechten Nachricht für die Aktie der DaVita Healthcare Partners Inc. gab es zuletzt aber auch einige gute Nachrichten für mehrere unserer Musterdepotaktien. Ohne konkrete Nachrichten auf dem Weg zu neuen Allzeithochs ist aktuell die Aktie der Amazon.com Inc. (NASDAQ: AMZN). Hier spekulieren die Investoren anscheinend darauf, dass das für Amazon.com so wichtige US-Weihnachtsgeschäft, das ja in einigen Wochen (ab Oktober 2013) anläuft, sehr positiv laufen wird. Angesichts der zahlreichen neuen Angebote, die Amazon.com beständig ausrollt, keine allzu abwegige Spekulation, weshalb auch wir an der Aktie unverändert festhalten!

 

Doch die Aktie der Amazon.com Inc. ist nicht die einzige Aktie, deren Chartbild zur Zeit hervorragend aussieht. Ähnlich gut sieht auch – ebenfalls nachrichtenlos – das Chartbild der Aktie der Gilead Sciences Inc. (NASDAQ: GILD) aus. Damit bestätigt sich im Nachhinein unsere Einschätzung, dass der zuletzt gesehene kleine Kursrücksetzer nur eine Korrektur im weiterhin intakten Aufwärtstrend war, was uns sehr freut. Unser Kursziel bleibt daher auch weiterhin bei (umgerechnet) 50,00 Euro auf Sicht der nächsten sechs bis zwölf Monate.

 

Über die beiden im Juni abgeschlossenen Deals – mit GlaxoSmithKline (GSK) bzgl. MOR103 (gegen rheumatoide Arthritis) sowie mit der amerikanischen Celgene Corp. (NASDAQ: CELG) bzgl. MOR202 (gegen das multiple Myelom) – hatten wir ja bereits vor einer Woche ausführlich berichtet. Insofern war und ist es wenig verwunderlich, das die Aktie im Wochenverlauf weitere deutliche Zugewinne verzeichnen konnte. Mit einem Kursplus von über +68% war, ist und bleibt die Aktie der MorphoSys AG der absolute Star unseres kleinen „Musterdepots“. Wir halten jedoch weiterhin an unserem längerfristigen Kursziel in Höhe von 100,00 Euro für die Aktie fest. Kaufen, besonders bei jeglichem – noch so kleinen – Rücksetzer!

 

Womit wir zur letzten Aktie aus unserem Musterdepot kommen, die zuletzt deutliche Zugewinne verzeichnen konnte, nämlich die Aktie der finnischen Nokia Corp. Nachdem die Aktie in der Vorwoche noch von den Nachrichten profitierte, dass die amerikanische Microsoft Corp. wohl beinahe die Mobilfunksparte von Nokia übernommen hätte, gab es in der Berichtswoche konkrete News aus dem Hause Nokia. So übernahm Nokia im Wochenverlauf nämlich die, bisher gemeinsam mit Siemens betriebene, Netzwerksparte Nokia Siemens Networks (NSN) komplett. Für die, bis dato noch von Siemens gehaltenen, rund 50% an diesem Joint-Venture zahlt Nokia 1,7 Mrd. Euro, wobei Siemens 500 Mio. Euro des Kaufpreises als Darlehen gewährt. Doch wie ist der Deal nun eigentlich zu bewerten? Nun, wenn Nokia für 50% der Anteile 1,7 Mrd. Euro bezahlt, dann bedeutet das nichts anderes, als dass das Gesamtunternehmen mit 3,4 Mrd. Euro bewertet wird. Analysten schätzten und schätzen den Wert von Nokia Siemens Networks jedoch eigentlich auf mindestens 5 Mrd. Euro, so dass der Kaufpreis recht günstig erscheint. Dennoch kann auch Siemens mit diesem Deal sehr gut leben, denn Siemens hat die Beteiligung an Nokia Siemens Networks zuletzt sehr vorsichtig mit nur 1,5 Mrd. Euro in den Büchern stehen gehabt. Insofern scheint dieser Deal eine klassische Win-Win-Situation gewesen zu sein. Zumal Nokia dank der Komplettübernahme von Nokia Siemens Networks nun Zugriff auf die Cashbestände der Netzwerktochter erhält, was für den angeschlagenen finnischen Konzern nicht unbedeutend erscheint. Darüber hinaus rechnen wir früher oder später mit einem Börsengang von Nokia Siemens Networks, was dann zusätzliches Geld in die Kassen der Finnen spülen würde. Nokia war, ist und bleibt daher eine der spannendsten Turn-Around Stories überhaupt, weshalb die Aktie unverändert kaufenswert bleibt.

 

Doch damit genug zu unserem kleinen Aktienjournal.de „Musterdepot“. Lassen Sie uns daher nun zu unserem eigentlich Hauptthema für heute kommen, nämlich unserer Analyse der Aktie der OSRAM Licht AG!

 

 

OSRAM Licht AG – ein deutsches Traditions-Unternehmen

 

Woran denken Sie, wenn Sie OSRAM hören? Richtig, die meisten von Ihnen, ganz besonders vielleicht sogar die etwas älteren Semester, denken bei OSRAM sofort an Glühlampen und Licht. Das ist auch richtig, denn die OSRAM Licht AG, die Obergesellschaft der OSRAM GmbH, ist die Lichttechnik-Tochter der deutschen Siemens AG. Genau diese OSRAM Licht AG geht nun am kommenden Montag, dem 8. Juli 2013, in Form eines sogenannten Spin-Offs, an die Börse. Angesichts einer derart gut eingeführten Marke sowie des zukunftsträchtigen Beleuchtungsmarktes dürfte die Aktie eine gute Investition sein, werden Sie sich nun denken. Doch ist das auch wirklich so? Schauen wir es uns an dieser Stelle gemeinsam an!

 

Unternehmensgeschichte

 

Bereits in den 1840er Jahren wurden die ersten Glühbirnen erfunden, die zu dieser Zeit jedoch noch alles andere als einsatztauglich waren. Erst mit den Verbesserungen, die ein gewisser Thomas Alva Edison 1879/1880 vornahm, wurden die Glühbirnen – und damit das elektrische Licht – dann langsam aber sicher einsatztauglich und somit auch massen- bzw. markttauglich. Insofern ist es zwar falsch, wenn man Thomas Alva Edison als „Erfinder“ der Glühbirne bezeichnet, andererseits verhalf erst Thomas Alva Edison der Glühbirne zum Durchbruch.

 

Aufgrund dieses Durchbruchs, gehörte die Glühlampemherstellung vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs dann zu den wachstumsstärksten Bereichen der Elektroindustrie. Zu dieser Entwicklung trug sicherlich auch die seit dem Jahr 1905 produzierte Wolframlampe bei, bei welcher man einen Glühdraht aus Wolfram verwendete, weil dessen Schmelzpunkt bei über 3.400 Grad Celsius lag. Zum besseren Vertrieb dieser Wolframlampe erfand Carl Auer von Welsbach den Phantasienamen OSRAM, welcher ein Kofferwort aus Osmium (OS) und Wolfram (RAM) ist. Dank des großen Erfolgs meldete die Deutsche Gasglühlicht-Anstalt dann am 10. März 1906 ein sogenanntes Warenzeichen für die Waren „Elektrische Glüh- und Bogenlichtlampen“ auf den Namen OSRAM beim damals noch Kaiserlichen Patentamt in Berlin an, welches schließlich am 17. April 1906 unter der Nummer 86.924 in die Warenzeichenrolle aufgenommen wurde. Aufgrund des Ersten Weltkriegs verlor die deutsche Industrie jedoch ihre Auslandsmärkte weitestgehend, weshalb sich die drei damals führenden deutschen Glühlampenhersteller AEG, Deutsche Gasglühlicht AG sowie Siemens & Halske beschlossen ihre Interessen zu bündeln. Ziel war dabei eine Stärkung gegenüber der immer stärker aufkommenden ausländischen Konkurrenz durch Unternehmen wie die amerikanische General Electric oder die niederländische Philips, um so verlorengegangene Marktanteile zurückzugewinnen.

 

Im November 1919 lagerte die Deutsche Gasglühlicht AG dann ihr Glühlampengeschäft in die extra dazu gegründete OSRAM G.m.b.H. KG aus. Am 5. Februar 1920 traten dann AEG und Siemens & Halske dieser Kommanditgesellschaft bei. In der Folge wurde dann die Gründung der Gesellschaft und damit der Beginn des ersten Geschäftsjahres rückwirkend auf den 1. Juli 1919 festgesetzt. Im Jahr 1924 gründete OSRAM dann das „Phoebuskartell“, welches die Lebensdauer der Glühbirnen künstlich sowie unter Strafandrohung auf maximal 1.000 Stunden begrenzte. Dank dieses Kartells gelang es OSRAM seine Umsätze und Gewinne stark zu steigern. Ferner erhöhte sich der Marktanteil des Unternehmens in Deutschland auf nahezu 70%. Diese extrem starke Marktposition nutzte OSRAM daher zu einer sehr erfolgreichen Expansion ins Ausland, so dass OSRAM eines der ersten deutschen Unternehmen war, das schon über Verkaufsniederlassungen in Rio de Janeiro (Brasilien) sowie Shanghai (China) verfügte. Noch während des Zweiten Weltkriegs, im Jahr 1941, wurde das „Phoebuskartell“ jedoch zerschlagen und ab 1942 Gerichtsverfahren wegen illegaler Preisabsprachen sowie unlauterem Wettbewerb gegen zahlreiche Mitglieder des Kartells eingeleitet.

 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden dann die beiden Fabriken in Ost-Berlin und Weißwasser/Oberlausitz enteignet und demontiert, weshalb die Gesellschaft ihren Hauptsitz dann ab 1954 auch nach München verlegte. Im Jahr 1956 wurde OSRAM dann aus steuerlichen Gründen in eine GmbH umgewandelt. Zu diesem Zeitpunkt hielt die Siemens AG noch 43%, die AEG 36% sowie die International General Electric Company 21% der Anteile an OSRAM. 1976 verkaufte dann jedoch zunächst AEG und 1978 schließlich auch die International General Electric Company ihre Anteile an Siemens, womit OSRAM vollständig in den Besitz der Siemens AG überging. Ab dem Jahr 1989 führte die Siemens AG die Tochter OSRAM dann als rechtlich eigenständige Tochtergesellschaft. Dadurch wurde ebenfalls noch im Jahr 1989 die Gründung eines Joint-Venture mit der japanischen Mitsubishi möglich, was OSRAM seinerzeit den Einstieg in den japanischen Markt ermöglichte. Nach der Restrukturierung der Siemens AG wurde OSRAM dann schließlich eine Division im Sektor „Industry“ der Siemens AG und es entstanden erste Pläne sich von OSRAM im Zuge eines Börsengangs zu trennen. Aufgrund der damaligen Finanzkrise gelang eine solche Trennung, welche man ursprünglich in Form eines klassischen Börsengangs (IPO) durchführen wollte, nicht. Daher folgt dieser Börsengang nun in Form eines sogenannten Spin-Offs.

 

Wissenswerte Kuriositäten

 

Aufgrund einer Enteignung der Marke OSRAM im Jahr 1945 konnte OSRAM in Großbritannien nie unter dem eigentlichen Markennamen auftreten. Daher wurden die Glühlampen von OSRAM in Großbritannien unter dem Markennamen Wotan vertrieben. Eine ähnliche Situation gab es auch in der damaligen DDR. Daher wurden die Glühlampen in der damaligen DDR zunächst in Verpackungen mit dem bekannten weiß-orangen OSRAM-Design unter dem Namen Berliner Glühlampenwerk vertrieben, ehe man im Jahr 1963 die Marke NARVA einführte.

 

Infolge des Spin-Offs aus der Siemens AG wird die OSRAM Licht AG am kommenden Montag, dem 8. Juli 2013, in den Deutschen Aktienindex DAX aufgenommen. Dadurch sind für diesen einen Tag, erst zum zweiten Mal in der Geschichte des deutschen Leitindex, 31 Aktien im DAX enthalten. Dies war bisher erst einmal für einen Tag der Fall, nämlich im Jahre 2005 im Zuge des damaligen Spin-Offs der Lanxess AG (dem Chemiebereich der Bayer AG) aus der Bayer AG.

 

OSRAM Licht AG – heutige Aufstellung des Unternehmens

 

Wie bereits erwähnt, überlegt die Siemens AG schon lange sich aus dem Lichttechnikgeschäft zurückzuziehen und sich von OSRAM zu trennen. Daher übernahm Wolfgang Dehen zum 1. April 2011 den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft von seinem Vorgänger Martin Goetzeler und die damalige OSRAM GmbH wurde im Juli 2011 in eine Aktiengesellschaft, die OSRAM AG, ins Handelsregister eingetragen. Das Grundkapital des damals potenziellen Börsenkandidaten belief sich seinerzeit auf 563 Mio. Euro. Nachdem der angepeilte Börsengang mehrfach scheiterte, wurde die OSRAM AG jedoch am 25. Oktober 2012 in eine GmbH zurückverwandelt. In der Folge wurde dann die OSRAM Licht AG als Obergesellschaft gegründet, die nun im Zuge eines Spin-Offs im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse an die Börse gebracht werden soll.

 

Die OSRAM Gruppe erzielte im Geschäftsjahr 2010 mit ihren damals ca. 40.000 Mitarbeitern einen Betriebsgewinn in Höhe von 569 Mio. Euro, was einer Ergebnismarge von 12,2% entsprach. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (zum 30. September 2012) erzielte die Unternehmensgruppe dann einen Umsatz in Höhe von 5,4 Mrd. Euro bei einem Verlust in Höhe von -378 Mio. Euro. In der Folge reagierte das Management von OSRAM und initiierte das Sparprogramm „OSRAM Push“, im Zuge dessen die Gesellschaft zunächst weltweit 2.000 Stellen abbaute und bis zum Jahr 2014 weitere knapp 5.000 Stellen abbauen möchte. Somit werden in Zukunft weniger als 35.000 Mitarbeiter für die OSRAM Gruppe arbeiten. Doch so richtig dieser Stellenabbau aus betriebswirtschaftlicher Sicht auch sein mag, wir glauben nicht das dies ausreichend ist.

 

Denn die Produktpalette der heutigen OSRAM Gruppe, zu der neben der OSRAM GmbH auch die OSRAM Opto Semiconductors gehört, umfasst heutzutage  elektronische Betriebsgeräte, Energiesparlampen, Gasentladungslampen, Halogenlampen,  LEDs für zahlreiche Anwendungsbereiche, Leuchten, Leuchtmittel für Spezialanwendungen wie Bühnen-, Effekt- und Studiobeleuchtung, Leuchtstofflampen, Licht-Management-Systeme sowie OLEDs (organische Leuchtdioden). Darüber hinaus bietet die Unternehmensgruppe komplette Lichtlösungen an und ist weltweiter Marktführer im Bereich Automobilbeleuchtung. So gut sich das alles auf den ersten Blick auch lesen mag; das Hauptgeschäft des Unternehmens war, ist und bleibt das Geschäft mit Energiesparlampen als Nachfolger der ehemaligen Glühbirnen sowie mit LED-Leuchten. Das Problem dabei ist jedoch, dass es aktuell – ähnlich wie zuletzt in der Solarbranche – ein massives Überangebot an LED-Leuchten gibt. Denn in diesem Markt tummeln sich heute nicht mehr nur die traditionellen OSRAM-Konkurrenten wie General Electric oder Philips, sondern zunehmend auch asiatische Technologiekonzerne wie LG Electronics oder Samsung Electronics. Diese haben bisher LEDs oder OLEDs in erster Linie zur Herstellung von Flachbildfernsehern und ähnlichen Produkten hergestellt und haben nun zusätzlich den Markt für Lichttechnik als interessanten Zukunftsmarkt für sich entdeckt. Durch diese Überangebot am Markt sinken die Preise für LED-Lampen beständig, Analysten schätzen den Preisrückgang aktuell auf durchschnittlich -12% pro Jahr. Zuletzt sanken die Preise für LED-Lampen jedoch nicht nur um -12%, sondern sogar um -20%. Zwar wird sich dieser Preisrückgang irgendwann abschwächen, aber es steht zu befürchten, dass die Analystenschätzungen noch deutlich zu optimistisch sind.

 

Unsere Umsatz- und Gewinnschätzungen für 2012/2013e, 2013/2014e und 2014/2015e

 

Während die Analysten daher für das laufende Geschäftsjahr 2012/2013e mit einem relativ stabilen Jahresumsatz von 5,4 Mrd. Euro und einem in etwa ausgeglichenen Ergebnis rechnen, kalkulieren wir mit einem Jahresumsatz in Höhe von 5,2 Mrd. Euro (ca. -4%) sowie leichten Verlusten. Im kommenden Geschäftsjahr 2013/2014e kalkulieren wir dann mit einem erneuten Umsatzrückgang um ca. -4% auf dann 5,0 Mrd. Euro sowie einem erneuten in etwa ausgeglichenen Ergebnis. Erst in 2014/2015e dürften sich die Geschäfte dann stabilisieren, so dass wir für 2014/2015e mit einem Jahresumsatz in Höhe von erneut 5,0 Mrd. Euro sowie einem Betriebsgewinn in Höhe von 250 Mio. Euro kalkulieren. Somit läge die Ergebnismarge bei ziemlich genau 5%, was wir angesichts des hohen Wettbewerbsdruck auch für das „Höchste der Gefühle“ halten. Die von OSRAM selbst angepeilte Ergebnismarge von 8%, die ein Betriebsergebnis in Höhe von 400 Mio. Euro bedeuten würde, erachten wir dagegen als ebenso unrealistisch wie den von den Analysten der Commerzbank erwarteten Betriebsgewinn in Höhe von 438 Mio. Euro.

 

Fundamental fairer Wert der Aktie

 

Wo liegt nun der fundamental faire Wert der Aktie? Analysten kalkulieren hier mit einem KUV von etwa 0,8 sowie einem KGV von 20 und mehr, da Mitbewerber wie Philips ähnlich hoch bewertet werden. Wir dagegen erachten, angesichts der Probleme mit denen das Unternehmen zu kämpfen hat, hier ein KUV von 0,5 sowie ein KGV von 11 für ausreichend. Basierend auf unseren Umsatz- und Gewinnschätzungen dürfte der fundamental faire Wert der Aktie unseres Erachtens eher im Bereich von 2,5 Mrd. Euro bis 2,75 Mrd. Euro liegen.

 

Basierend auf den knapp 105 Mio. Aktien der OSRAM Licht AG, liegt der faire Wert der Aktie der OSRAM Licht AG somit zwischen 23,88 Euro und 26,27 Euro. Wir nehmen hier in etwa die goldene Mitte dieser Kursziel-Range und sehen den fundamental fairen Wert der Aktie bei 25,00 Euro. Doch was sollte man nun mit der Aktie der OSRAM Licht AG tun?

 

Fazit: Machen Sie es wie Siemens – und verkaufen Sie die Aktie der OSRAM Licht AG!

 

Nun, die OSRAM Gruppe steht aktuell noch mit einem Wert in Höhe von 3,23 Mrd. Euro in den Büchern der Siemens AG. Sollte die Aktie daher auf Basis dieser Bewertung durch die Siemens AG an die Börse kommen, so läge der erste Kurs der Aktie wohl leicht über 30,00 Euro (3,23 Mrd. Euro geteilt durch knapp 105 Mio. Aktien = 30,85 Euro).

 

In der Folge dürfte dann jedoch Verkaufsdruck bei der Aktie der OSRAM Licht AG aufkommen, zumal viele institutionelle Anleger sich umgehend von diesen Papieren trennen werden. Denn Fonds (auch passive Indexfonds wie ETFs), welche den DAX nachbilden, können die Aktie der OSRAM Licht AG gar nicht in ihrem Portfolio gebrauchen und werden die Aktie daher wohl umgehend abstoßen, was zu einem kurzfristigen Verkaufsdruck führen sollte.

 

Auf Sicht der nächsten Wochen könnte dann zwar noch einmal ein wenig Kursphantasie aufkommen, da die Gesellschaft ein klarer Kandidat für eine Aufnahme in den MDAX (im September) ist. Allerdings halten wir die Aktie zu Kursen von 30,00 Euro und mehr für zu teuer. Zudem sollten Sie nicht vergessen, dass Siemens die Tochtergesellschaft schon länger – wohl nicht umsonst! – unbedingt loswerden möchte. Schon in der Vergangenheit waren daher Unternehmen, welche aus der Siemens AG hervorgingen, zumeist kein gutes Geschäft für die Anleger. So konnten weder die Epcos AG noch die Infineon Technologies AG die einst hohen Erwartungen der Investoren erfüllen. Insofern spricht neben der möglichen MDAX-Aufnahme eigentlich nur ein Fakt für die Aktie der OSRAM Licht AG, nämlich das Siemens seine Erwartungen an den fairen Wert der Tochter in den letzten Jahren schon deutlich reduzieren musste. Im Zuge des einst geplanten IPOs wollte Siemens nämlich noch eine Bewertung von ca. 10x EBIT, was bei einem damaligen EBIT von über 800 Mio. Euro einem Börsenwert von über 8 Mrd. Euro entsprochen hätte, durchsetzen. Dies war jedoch – Gott sei Dank – nicht möglich und so kommt OSRAM nun zu einer deutlich günstigeren Bewertung an die Börse. Damit droht OSRAM wenigstens keine zweite Infineon zu werden, ein gutes Geschäft für Anleger dürfte OSRAM jedoch trotzdem nicht sein…

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