Vor einigen Monaten schrieb der ehemalige Internet-Staranalyst von Merrill Lynch, der inzwischen mit einem Berufsverbot belegte Henry Blodget, in seinem Blog sinngemäß: „Ich würde die Aktie der Apple Inc. nicht mehr kaufen, denn Apple scheint derzeit die Fehler der 1980er Jahre zu wiederholen!“. Und in der Tat gleicht die Situation von Apple heute der Situation von Apple in den 1980er Jahren. Denn auch damals gelang es Apple unter der Führung des – inzwischen bekanntermaßen leider verstorbenen – legendären Steve Jobs, einen Markt zu revolutionieren, nämlich den PC-Markt. So „erfand“ Apple damals sowohl die Computer-Maus als auch die grafische Benutzeroberfläche.
Die Situation von Apple in den 1980er Jahren
Allerdings gelang es dem Unternehmen nicht, diese großartigen Erfindungen auch langfristig entsprechend erfolgreich zu vermarkten. Und das hatte in erster Linie zwei Gründe:
1.) Apple hielt sein – damals technisch eigentlich führendes – Computersystem Macintosh geschlossen, so dass man nahezu sämtliche Hardware (Zubehör) und Software nur bei Apple selbst kaufen konnte/musste. Im Gegensatz dazu kopierte der Konkurrent Microsoft zwar eigentlich nur die sehr erfolgreichen Apple Produkte, hielt sein System anders als Apple jedoch offen. Dadurch hatten die Kunden eine deutlich größere Auswahl an Hard- und Software und so konnte sich Microsoft mit seinem offenen Windows-System relativ problemlos gegen Apple durchsetzen.
2.) Apple erkannte seinerzeit natürlich den großen Erfolg des Konkurrenten Microsoft und seines offenen Windows-Systems und versuchte daher auch etwas gegen die unliebsame Konkurrenz zu tun. Das Mittel der Wahl war seinerzeit dabei jedoch nicht etwa das eigene, geschlossene System, zu öffnen oder neue Innovationen zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, sondern – im Jahr 1988 – eine Patentklage gegen Microsoft und deren Betriebssystem Windows einzureichen. Microsoft ließ sich da natürlich nicht lange bitten und klagte daraufhin seinerseits gegen Apple. Am Ende verstrickte sich die Apple dadurch jedoch so in diese Patentstreitigkeiten, dass man seinen einstigen technologischen Vorsprung innerhalb relativ kurzer Zeit verspielte. So stieg Microsoft mit seinem Windows-System letztendlich zum größten Softwarekonzern der Welt (und deren Gründer und CEO „Bill“ Gates gleichzeitig zum reichsten Menschen der Welt) auf, wohingegen Apple zunächst in die Bedeutungslosigkeit und später fast in die Insolvenz schlitterte.
Die Situation von Apple heute
Vergleichen wir die Situation von Apple in den 1980er Jahren jetzt einmal mit der Situation von Apple heute. Wieder hat Apple – noch unter der Führung von Steve Jobs – gleich mehrere Märkte revolutioniert. Der erste Erfolg, mit dem Steve Jobs den angeschlagenen Konzern seinerzeit rettete, war dabei der neue All-in-One Computer iMac. Nur kurze Zeit später folgte dann die Revolution des Musikmarktes durch den MP3-Player iPod (inkl. der Software iTunes). Auf Basis des iPod revolutionierte Apple dann auch noch den Markt für Smartphones mit dem allseits bekannten und beliebten iPhone. Und als wäre das noch nicht genug, gelang Apple dann mit dem iPad sogar die – einige Jahre zuvor von Microsoft noch erfolglos versuchte – Etablierung von Tablet-PCs. Allerdings war, ist und bleibt die Apple Welt – damals wie heute – eine geschlossene Welt. Zwar gibt es durchaus – vereinzelt – Zubehör von anderen Herstellern als Apple, der Vertrieb von Anwendungen (den sogenannten Apps) ist jedoch ausschließlich nach einer Überprüfung durch Apple und zu den Bedingungen von Apple über die sogenannten App Stores möglich.
Bisher war bzw. ist allerdings insbesondere das iPhone ein absoluter Verkaufsrenner, so dass viele Entwickler Anwendungen (Apps) für das „Ökosystem“ von Apple entwickelt haben und über die App Stores verkaufen. Allerdings gab es zuletzt erste Kritik von Entwicklern an den Bedingungen von Apple, so dass zumindest erste Anwendungen aus dem Mac App Store zurückgezogen worden sind. Erneut scheinen sich daher offene Systeme, nämlich in erster Linie Google Android sowie bald vielleicht auch Microsoft Windows Phone 8, über kurz oder lang gegen Apple und sein Betriebssystem iOS durchzusetzen.
Doch damit nicht genug! Denn nicht nur auf der Software-Seite wird Apple zur Zeit heftig attackiert, sondern auch auf der Hardwareseite. Der „Übeltäter“ hier ist dabei in erster Linie der südkoreanische Technologiekonzern Samsung Electronics Co. Ltd. Daher hat Apple seinen Konkurrenten Samsung – ebenso wie vor einigen Jahren Microsoft – vor Gericht gezerrt. Darüber hinaus hat der, mittlerweile ja leider verstorbene, Apple Gründer Steve Jobs, in der von ihm autorisierten Biographie von Walter Isaacson, bereits angekündigt, dass er auch „gegen Google und deren dreistes Plagiat Android mit allen Mitteln vorgehen“ wolle und werde. Allerdings konnte der amerikanische Suchmaschinengigant Google Inc. sich bisher noch – auch dank der 12,5 Mrd. US-Dollar teuren Übernahme der Motorola Mobility Inc. (sowie insbesondere natürlich deren Patente) – erfolgreich vor einer Patentklage durch Apple schützen. Darüber hinaus arbeitet die Google hinter den Kulissen jedoch eng mit Samsung zusammen – gegen den gemeinsamen Gegner Apple.
Apple kämpft bereits gegen Samsung, auch Google mischt dabei mit, aber Microsoft hält sich heraus!
Während sich daher derzeit Apple und Samsung vor Gericht bekriegen und auch Google bereits hinter den Kulissen mitmischt, fährt Microsoft diesmal eine ganz andere, sehr clevere Strategie. Denn Microsoft hat kürzlich Lizenzen von Apple erworben, so dass zur Zeit kein Patentstreit mit Apple mehr droht. Somit kann sich Microsoft jetzt voll auf die Entwicklung neuer, innovativer Produkte, wie z.B. den Tablet-PC Microsoft Surface konzentrieren. Doch auch das ist noch längst nicht alles! Denn zugleich arbeitet Microsoft ja bekanntlich auch noch an der Entwicklung des neuen Betriebssystems für mobile Geräte, Windows Phone 8. Und hier kommt nun die finnische Nokia Corp. ins Spiel!
Wenn Apple und Samsung sich streiten, freuen sich am Ende Microsoft und Nokia!
Denn wenn Apple sich wieder einmal, wie schon in den 1980er Jahren, lieber in Patentstreitigkeiten verwickelt anstatt neue, innovative Produkte zu entwickeln und auf den Markt zu bringen, so wird das Unternehmen voraussichtlich bald wieder von der Konkurrenz überholt werden. Und dank einer sehr cleveren Unternehmensstrategie, könnte am Ende sogar erneut Microsoft einer der Gewinner, wenn nicht sogar der Gewinner, des möglichen Niedergang von Apple werden. Insofern ist die Microsoft Aktie, wie ja auch schon zuletzt des öfteren von uns erwähnt, auf jeden Fall kaufenswert. Doch der größte Gewinner eines Comebacks von Microsoft ist wahrscheinlich ein anderer, zuletzt tief in der Krise steckender Konzern, nämlich die finnische Nokia Corp. Denn die Finnen haben sich ja – was auch viele Analysten in den letzten Monaten kritisierten – in eine nahezu sklavische Abhängigkeit von Microsoft begeben. So werden alle neuen Smartphones aus dem Hause Nokia mit Microsofts mobilen Betriebssystem Windows Phone laufen. Wer daher etwas mutiger ist, der sollte sich zu den aktuellen Kursen unbedingt auch die Nokia Aktie mal etwas näher ansehen. Denn während die Apple Aktie zur Zeit kurz unter ihrem Allzeithoch notiert und von fast allen Analysten zum Kauf empfohlen wird, haben die meisten Analysten und Anleger Nokia bereits abgeschrieben. Daher überrascht es uns auch nicht wirklich, dass die Apple Aktie zur Zeit – allen Kaufempfehlungen zum trotz – nicht mehr richtig in Schwung kommt, wohingegen die Nokia Aktie zuletzt wieder zumindest erste Lebenszeichen zeigte. Alleine auf Basis der Cashreserven sowie der Patente, ist die finnische Nokia Corp. nämlich aus unserer Sicht mindestens 15 Mrd. Euro wert, was einem Aktienkurs von ca. 4,00 Euro entsprechen würde…




