Aktienmarkt Rally macht Mut

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Trotz Rücksetzer am gestrigen Dienstag: Mit dem EU-Gipfel im Blick haben die Bullen am Markt im Moment Oberhand, so die Deutsche Börse AG.

Auch das technische Bild habe sich nach Ansicht vieler Analysten aufgehellt. „Die Chance nach oben wird in dieser Woche weiterhin favorisiert“, kommentiere etwa der freie technische Analyst Stefan Salomon. Laut Christoph Geyer von der Commerzbank hätten die gestrigen Verluste zwar deutlich gemacht, dass der Marke von 6.100 Punkten eine hohe Bedeutung beigemessen werde. „Trotzdem ist unser Szenario eines freundlichen Marktes und damit einer vorgezogenen Jahresendrally noch nicht beendet.“

Extrem optimistisch zeige sich Wieland Staud von Staud Research. „Die Perspektiven für den DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) sind mittel- und langfristig, aber auch auf Sicht bis zum Jahresende gut“, meine der Analyst. Ende Dezember könne er sich durchaus 6.800, im kommenden Jahr dann sogar 8.000 Punkte vorstellen.

„Wir befinden uns wieder im Aufwärtstrend“, konstatiere Staud. Zudem spräche die rabenschwarze Stimmung an den Märkten für Kursgewinne. Staud verweise etwa auf die Umfragen des Forschungsinstituts ZEW. „Schneller haben sich die Optimisten noch nie vom DAX verabschiedet – zumindest mental. Von rund 70 Prozent im Frühling auf nur noch rund 25 Prozent im Herbst – das ist heftig.“ Das ZEW-Sentiment notiere damit auf dem Niveau der Monate nach Lehman und dürfe als „trendwendefähig“ klassifiziert werden. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, genauso wie ein bearisches Sentiment noch lange keine Hausse macht. Aber die Entwicklung ist auf jeden Fall ziemlich beachtenswert und ermutigend.“

Auch die Entwicklung des DAX in der Vergangenheit sorge für Optimismus: „Sieben negative Tage in Folge traten seit 1994 insgesamt sechs Mal auf“, bemerke Staud vor dem Hintergrund der am 11. November begonnenen neuntätigen Verlustreihe beim DAX. „Samt und sonders entstanden solche Serien entweder in den Tagen beziehungsweise etwa sechs bis zehn Wochen vor einem absoluten längerfristigen Tiefpunkt.“

Ein technischer Analyst von der BHF-Bank sei hingegen davon überzeugt, dass die Erholung beim DAX nicht von Dauer sein werde. „Wir befinden uns seit Juli in einer Baisse, die noch nicht beendet ist“, erkläre der Charttechniker. Kurzfristig könne es durch die Hoffnung auf den EU-Gipfel zwar noch aufwärts gehen. „Dann wird aber Ernüchterung eintreten.“

Sowohl zyklische Indikatoren als auch das Sentiment hätten auf Gefahren hingedeutet. „Etwa treffen bei den Sentix-Stimmungsindikatoren im Moment kurzfristiger Optimismus mit mittelfristigem Pessimismus zusammen. Das ist eine ungünstige Mischung, die in der Vergangenheit gewaltige Schwierigkeiten zur Folge hatte.“ Auch die Tatsache, dass die Erholung am Aktienmarkt vom Euro bislang nicht nachvollzogen werde, sei kein gutes Zeichen.

Im besten Fall könnten sich die Kurse des Analysten zufolge bis zum Ende des Jahres noch seitwärts bewegen, spätestens im Januar sei damit aber Schluss. „Im ersten Halbjahr 2012 werden wir schwächere Kurse sehen, der DAX wird wahrscheinlich sogar das Tief vom September bei unter 5.000 Punkten testen.“

Die Medien würden zwar Weltuntergangsstimmung verbreiten, die Stimmung der Anleger sei so schlecht aber nicht, wie die aktuelle Befragung der Börse Frankfurt bei 300 professionellen Investoren zeige. Nach dem Sprung in der Vorwoche sei der Bull/Bear-Index für deutsche Bluechips nochmals gestiegen, und zwar von 63,9 auf 65 Punkte. 2 Prozent der Befragten seien vom Bärenlager zu den neutral Gestimmten übergelaufen. Insgesamt zeige sich nun nur noch ein Viertel der Interviewten pessimistisch. Der Bull/Bear-Index für die Technologiewerte sei ebenfalls weiter nach oben geklettert, konkret von 62,9 auf 64,3 Punkte.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (07.12.2011/ac/a/m)