Aktienmärkte blicken gen Athen

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Nach wie vor hängen die Börsen an der Entwicklung der Griechenland-Krise, so die Deutsche Börse AG.

Die Euro-Finanzminister, Griechenland und der IWF hätten bis Anfang Juli Zeit, um einen Zahlungsausfall abzuwenden. „Aus dieser Umklammerung können sich die Investoren nur schwerlich befreien“, kommentiere Claudia Windt von der Helaba. Der Euro habe sich zwar zuletzt gegenüber dem US-Dollar erholt, „gleichwohl signalisieren sowohl der Schweizer Franken als auch der Ölpreis, dass die europäische Schuldenkrise ebenso wie die US-Konjunkturrisiken präsent sind.“ Die Schweizer Währung schwinge sich derzeit zu immer neuen Höhen gegenüber dem Euro auf, der Ölpreis habe zuletzt deutlich nachgegeben.

Spätestens am 30. Juni, also am Donnerstag, müsse das Parlament in Athen das Sparprogramm absegnen. Dass die amerikanische Notenbank in der vergangenen Woche ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft in diesem Jahr zurückgenommen habe, habe die Anleger auch nicht gerade optimistischer gestimmt. Bislang sei die FED von einem Plus von 3,2 Prozent ausgegangen, jetzt erwarte sie nur noch 2,8 Prozent. Nach einem Minus von 0,6 Prozent in der Vorwoche liege das deutsche Aktienbarometer heute Morgen bei 7.117 Punkten nahezu unverändert.

„Die Euro-Krise klebt weiter wie Kaugummi am Schuh der internationalen Finanzmärkte“, meine Robert Halver von der Baader Bank. Die konjunkturellen Aussichten hierzulande seien seiner Ansicht nach aber nicht schlecht: „In Deutschland geben die ifo-Geschäftserwartungen zwar nach, halten sich aber dennoch äußerst stabil.“ Die nachhaltige Robustheit der deutschen Wirtschaft bleibe erhalten. Allerdings werde sich der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) angesichts der weltweiten Konjunkturdelle und der vorhandenen Risiken mit neuen Kurshochs über der Marke von 7.600 Punkten schwer tun. Für den Sommer prognostiziere Halver daher eine volatile Seitwärtsbewegung zwischen 7.000 und 7.600 Punkten, per Jahresende aber weiter 8.000 Zähler.

Aus technischer Sicht mahne der Analyst von der BHF-Bank zur Vorsicht: „Die Seitwärtsbewegung des DAX ist unseres Erachtens nur die Ruhe vor dem Sturm, der unmittelbar vor dem Ausbruch stehen könnte.“ Nach oben werde der Ausbruch aber wohl nicht gehen, das sei aufgrund der gegenwärtigen Konstellation eher unwahrscheinlich. Der technische Analyst verweise unter anderem auf die Stimmungsindikatoren sowie die extreme Schwäche der Finanz- und Rohstoffwerte. „Wir würden spätestens unter 7.000 Punkten zu Absicherungen schreiten.“ Ein Schlusskurs über 7.400 Zählern sei hingegen als positives Signal zu werten.

Die Deutsche Börse habe heute Morgen im Übrigen außerplanmäßige Anpassungen für den MDAX (ISIN DE0008467416/ WKN 846741) und SDAX (ISIN DE0009653386/ WKN 965338) bekannt gegeben: Im MDAX ersetze der Modekonzern GERRY WEBER International (ISIN DE0003304101/ WKN 330410) Tognum (ISIN DE000A0N4P43/ WKN A0N4P4). Der Grund: Durch die Übernahme von Tognum durch Engine Holding sei der Streubesitz der Aktie unter die für die Indexmitgliedschaft notwendige Schwelle von zehn Prozent gefallen. Im SDAX werde GERRY WEBER durch den Internetversandhändler für Haustierbedarf zooplus (ISIN DE0005111702/ WKN 511170) ersetzt. Die Änderungen würden zum 29. Juni, also am Mittwoch, wirksam. (27.06.2011/ac/a/m)