Bank of England: Kings Nachfolger Carney gefühlt schon angekommen

Hannover (www.aktiencheck.de) – Gestern startete die zweite Zentralbanksitzung des noch jungen Jahres, heute wurde das Ergebnis in der Threadneedle Street verkündet: Die Bank Rate verharrt nunmehr seit März 2009 bei 0,50%, eine Anhebung oder gar Absenkung ist für 2013 unseres Erachtens nach nicht in Sicht, so die Analysten der Nord LB.

Interessanter werde es hingegen beim Asset Purchase-Program. Auch wenn die investierten GBP 375 Mrd. heute unangetastet geblieben seien, sei Anfang März der Zeitpunkt erreicht, wenn die ersten Anleihen in den Büchern der BoE endfällig würden. Das liege daran, dass seit 2009 anfänglich Anleihen ab fünfjähriger Restlaufzeit angekauft und im weiteren Zeitablauf ab drei Jahren Restlaufzeit erworben worden seien. Nun würden rund GBP 6,1 Mrd. am 07. März fällig – interessanterweise der Tag der nächsten Zinssitzung des Monetary Policy Committees. Mit Zinsen seien es sogar rund GBP 6,6 Mrd. Ein Re-Investment passe gut zur aktuell flankierend wirkenden Geldpolitik.

Werde sich die Bank of England auf andere Assets außer GILTs stürzen? Der richtige Zeitpunkt wäre es und genug Bedenkzeit bliebe auch. Erst Ende September würden weitere GBP 1,5 Mrd. fällig, bis dahin könne die Zentralbank auf eine gewisse Genesung der britischen Wirtschaft bauen (oder wenigstens hoffen).

Interessant werde die Pressekonferenz in der kommenden Woche, auf der Sir Mervyn King zum vorletzten Mal die Wachstums- und Inflationsprognosen der Bank of England vorstellen werde, die als Diskussionsgrundlage zur heutigen Entscheidungsfindung beigetragen habe. Die Analysten würden denken, dass die BoE ausnahmsweise keine Anpassung ihrer Wachstumsprognosen für 2013 und 2014 vorlegen werde. Dafür würden auch die heute veröffentlichten guten Daten aus dem produzierenden Sektor sprechen. Die Triple Dip-Rezession könnte ausfallen.

Kings Nachfolger sei am heutigen Tag ebenfalls in der Stadt. Er stelle sich einer Befragung durch Abgeordnete, deren Bedeutung die Zentralbanksitzung deutlich übertreffe. Immerhin werde Mark Carney bezüglich seiner geldpolitischen Ansichten befragt und es werde versucht, ihm gewisse Andeutungen bezüglich seiner Rolle im MPC zu entlocken, damit die Märkte sich frühzeitig auf ihn einstellen könnten. Er sehe offenbar Inflation Targeting weiter als überlegenes Instrument an und ergänze, dass GDP Targeting in der Theorie Vorteile habe.

Sorgen würden derzeit vor allem die Monat für Monat gemeldeten Inflationsdaten bereiten. Nicht nur, dass die Rate die letzten drei Berichtsmonate jeweils 2,7% Y/Y erreicht habe. Schwer wiege auch, dass in den letzten 37 Monaten die Zielinflationsrate in Höhe von 2% verfehlt worden sei. Eine Verlangsamung der Preisdynamik habe bisher keinen Einzug erhalten. Schlimmer noch: Mit dem derzeit schwachen Pfund Sterling könne es sogar zu importierter Inflation kommen, sodass eher die 3%-Marke in den Fokus rücke.

Mark Carneys Anwesenheit wegen einer zeitgleich stattfindenden Anhörung stelle die heutige Sitzung etwas in den Schatten, obwohl die erste Endfälligkeit aus den getätigten Bondankäufen am 07. März erreicht werde. Die freiwerdenden Mittel in Höhe von GBP 6,6 Mrd. (inkl. Zinsen) würden re-investiert. Die Frage werde sein, ob erneut in GILTs oder in andere Assets. Der Zeitpunkt für Letzteres wäre jedenfalls geeignet. Dass die Inflationsrate für weitere zwei Jahre oberhalb der 2%-Marke bleiben solle, sei bedenklich. (07.02.2013/ac/a/m)