Bank of Japan unter Druck – Naht das Ende der Deflation?

Zürich (www.anleihencheck.de) – Der massive politische Druck der neuen Regierung von Shinzo Abe zeigt Wirkung: Die Bank of Japan (BoJ) hat letzte Woche zwei gewichtige Änderungen in ihrer Geldpolitik beschlossen, so Dr. Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin & Cie AG.

Zum einen erhöhe die BoJ ihr Inflationsziel von 1% auf 2%. Zum anderen habe sie angekündigt, das Programm zum Ankauf von Wertpapieren ohne zeitliches Limit weiterzuführen. Japans Notenbank kaufe im Rahmen dieses Programm seit Oktober 2010 diverse Wertpapiere auf. Mit der neuen Inflationszielsetzung von 2% zeige die BoJ ihren Willen, dem sinkenden Preisniveau ein Ende zu bereiten. Das sei zwar eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung, um die Deflation hinter sich zu lassen.

Damit ein höheres Inflationsziel tatsächlich Erfolg habe, müsse die BoJ auch ihre geldpolitischen Anstrengungen intensivieren. Sie müsse das bestehende Programm ausbauen, aber auch neue geldpolitische Maßnahmen anschieben. Die BoJ werde deshalb in den nächsten Monaten wohl auch den Umfang des Programmes zum Ankauf von Wertpapieren ausbauen, nicht nur dessen Laufzeit.

Allerdings seien die Erfahrungen mit dem bisherigen Programm eher ernüchternd. Die Deflation habe auch nicht nur ansatzweise beendet werden können. Deshalb werde die BoJ im Verlaufe des Jahres wohl auch über neue Instrumente nachdenken müssen. Zur Diskussion stünden eine Senkung der Zinsen auf den nicht notwendigen Reserven von heute 0,1% auf 0% oder gar in den negativen Bereich. Eine zweite Maßnahme wäre der Ankauf von lang laufenden Anleihen, um damit das lange Ende der Zinskurve weiter unter Druck zu bringen.

Auch der Kauf von Anleihen in ausländischer Valuta mit dem Ziel, den Japanischen Yen weiter zu schwächen, werde zur Diskussion stehen. Aber hier müsse sich Japan vor ausländischer Kritik vorsehen, wie sie bereits heute von Korea vorgebracht werde. Aus diesem Grund seien eine Senkung der Zinsen auf nicht notwendigen Reserven und ein Ankauf von lang laufenden Anleihen die wahrscheinlicheren Optionen.

Geldpolitische Maßnahmen alleine würden aber nicht reichen, der Deflation zu entkommen, denn diese habe auch strukturelle Gründe. Die selbst im Vergleich zu anderen Industriestaaten stark voranschreitende Alterung der japanischen Bevölkerung habe dazu geführt, dass Japans reales Wachstumspotenzial nur noch zwischen 0% und 1% liege. In einer stagnierenden Wirtschaft werde es schwierig, die Deflationserwartungen zu brechen. Eine Steigerung des Wachstumspotenzials durch geeignete Maßnahmen (z.B. der Erleichterung der Immigration) würde einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Deflation leisten. Letztendlich werde die Bereitschaft der neuen Regierungsmannschaft neue Strukturreformen durchzuführen darüber entscheiden, ob sich Japan aus der Deflation befreien könne. Es sei allerdings zu bezweifeln, ob Regierung und Bevölkerung zu solchen einschneidenden Maßnahmen bereit seien. (29.01.2013/ac/a/m)