China: Wirtschaftswachstum steigt auf 7,9%

Frankfurt (www.fondscheck.de) – Nach sieben Rückgängen in Folge kam es in China im vierten Quartal 2012 erstmals wieder zu einem Anstieg der jährlichen Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts, so die Analysten der DekaBank.

Es sei um 7,9% yoy, nach zuvor 7,4% yoy gestiegen. Im Gesamtjahr 2012 habe die Wirtschaft um 7,8% zugelegt (2011: 9,3%). Die Konjunktur sei in den vergangenen Monaten durch verstärkte Infrastrukturinvestitionen und eine Stabilisierung am Wohnungsbau gestützt worden. Die Analysten würden für 2013 eine Beschleunigung des BIP-Wachstums auf 8,1% prognostizieren.

Aufgrund der extrem schlechten Luftverhältnisse im Norden Chinas, die durch die Wetterlage und hohen Schadstoffausstoß bedingt seien, könnte es allerdings zur vorübergehenden Stilllegung besonders schadstoffintensiver Betriebe kommen, wodurch die Industrieproduktion schwächer ausfallen könnte, als bislang von den Analysten unterstellt. Die Inflationsrate sei im Dezember vornehmlich durch die Nahrungsmittelpreise von 2,0% auf 2,5% nach oben getrieben worden, was die Analysten aber nicht als Besorgnis erregend ansehen würden.

Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den letzten zwei Jahren auf ein Niveau von 7 bis 8% sei nach Einschätzung der Analysten dauerhafter Natur. Sie würden mittelfristig keinen kräftigen Aufschwung in den Industrieländern erwarten, was die Aussichten für den chinesischen Exportsektor belaste. Der Wohnungsbau habe mit 10% des BIP mittlerweile ein Niveau erreicht, von dem aus nur noch sehr begrenzt Wachstum möglich sei. Ähnliches gelte für Infrastrukturinvestitionen.

Auch angebotsseitig gebe es Bremsfaktoren: So werde die Erwerbsbevölkerung schätzungsweise ab 2015 schrumpfen. Hohe Rohstoffpreise sowie zunehmender Widerstand in der Bevölkerung gegen schlechte Arbeitsbedingungen und Umweltzerstörung würden das Umfeld für Unternehmen erschweren. Dennoch dürfte China noch auf Jahre hinaus der wichtigste Treiber der Weltwirtschaft bleiben. Der Dienstleistungssektor sei unterentwickelt und biete großes Wachstumspotenzial. Teile der Industrie stünden erst am Anfang moderner Produktionsverfahren, so dass sich insbesondere Ausrüstungsinvestitionen gut entwickeln dürften. Zudem würden die Analysten ein anhaltend starkes Wachstum der privaten Konsumausgaben erwarten.

Die Schulden der Zentralregierung von rund 17% des BIP würden den Zustand der öffentlichen Haushalte nur unzureichend widerspiegeln, denn unter Berücksichtigung der Verbindlichkeiten der Lokalregierungen wäre eher ein Stand von 50 bis 60% anzusetzen. Auch damit sei die öffentliche Verschuldung jedoch noch nicht auf kritischem Niveau. Die geringe Transparenz der Verschuldung von Gebietskörperschaften und Staatsunternehmen sei allerdings eine Schwäche im Bonitätsprofil Chinas.

Mögliche Gefahren würden die Analysten im Immobiliensektor sehen. Bislang werde der Immobilienmarkt durch Kapitalausfuhrbeschränkungen gestützt, denn im Inland seien Anlagealternativen beschränkt. Doch im Zuge der angestrebten Finanzmarktliberalisierung könnten auch diese Beschränkungen gelockert werden. Wohlhabende Chinesen würden ihr Vermögen dann verstärkt im Ausland anlegen, was die Preise und die Bautätigkeit bei Wohnimmobilien unter Druck bringen könnte. Dies würde auch die Bankenbilanzen belasten. Angesichts des guten Wachstumsausblicks, der moderaten öffentlichen Verschuldung sowie der hohen Devisenreserven würden die Bonität Chinas dennoch als gut einstufen. Die Ratingagenturen würden dies genauso sehen und ein Aa3, AA-, A+ vergeben (Moody’s, S&P, Fitch). (22.01.2013/fc/a/m)