DAX Warten auf die zweite dicke Bertha

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Es wird mit Spannung erwartet: Das zweite Tendergeschäft der Europäischen Zentralbank mit dreijähriger Laufzeit, das die ohnehin bereits üppige Liquidität an den Kapitalmärkten nochmals beflügeln sollte, so die Deutsche Börse AG.

Es gelte als wahrscheinlich, dass das Volumen des ersten Tenders, auch „Dicke Bertha“ genannt, noch übertroffen werde. „An den Finanzmärkten dürfte eine hohe Nachfrage beim Tender für gute Stimmung sorgen“, meine Ulf Krauss von der Helaba. Mit dem Geschäft könnten sich Banken über einen längeren Zeitraum refinanzieren.

Die Griechenlandumschuldung Anfang vergangener Woche habe an den Börsen keine Begeisterungsstürme ausgelöst. Zu groß seien die Zweifel an der Sanierungsfähigkeit des Landes. So hätten die Kurse nach anfänglichen Gewinnen im Wochenverlauf nachgegeben, unter dem Strich sei der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) am Freitag nahezu unverändert aus dem Handel gegangen. „Es ist sicher anzunehmen, dass auch mit dem zweiten Rettungspaket inklusive Schuldenschnitt eine nachhaltige Schuldenlast, die Griechenland alleine tragen könnte, nicht erreicht werden kann“, kommentiere etwa Robert Halver von der Baader Bank.

Ob es dieses Thema sei oder ein anderes, dass die Anlegerlaune drücke – der DAX sei mit Kursverlusten in die Woche gestartet und notiere am Montag Vormittag bei 6.776 Punkten etwa 1,26 Prozent im Minus.

Neben dem Tendergeschäft der EZB stünden in dieser Woche noch weitere wichtige Termine auf der Agenda, etwa würden sich am Donnerstag und Freitag Staats- und Regierungschefs der Euroländer treffen, um über den Umfang des Stabilisierungsfonds EFSF zu beraten. Zudem rede US-Notenbankchef Bernanke vor dem Kongress. Unterdessen laufe die Berichtssaison aus: In den kommenden Tagen würden von den großen Unternehmen nur noch Bayer (SIN DE000BAY0017/ WKN BAY001) und Continental (ISIN DE0005439004/ WKN 543900) ihre Zahlen präsentieren.

So mancher Analyst habe mit den Gewinnmitnahmen der vergangenen Woche die vielfach erwartete Korrektur eingeläutet gesehen. Laut Markus Reinwand von der Helaba würden allerdings einige fundamentale und marktpsychologische Faktoren dagegen sprechen. Gerade hierzulande könne zum Beispiel von Euphorie keine Rede sein: „Das Bärenlager hat in den letzten Wochen deutlichen Zulauf bekommen und stellt derzeit die größte Gruppe dar.“

Damit bestehe weiterhin Nachholpotenzial bei Aktien, zumal die Liquiditätsversorgung des Finanzsystems nach wie vor sehr üppig sei. Zudem hätten sich die konjunkturellen Frühindikatoren erholt. „In der Vergangenheit konnte der DAX in dieser Phase überdurchschnittlich zulegen.“ Es gebe aber auch Risiken, etwa die Eskalation des Irankonflikts und damit verbunden ein weiterer sprunghafter Anstieg der Rohölnotierungen.

Charttechnisch sehe es für den DAX nach Ansicht eines Analysten von der BHF-Bank zwar eigentlich nicht schlecht aus. „Mit 7.000 Punkten rückt allerdings eine Marke näher, die in mehrfacher Hinsicht den deutschen Aktienmarkt ins Stocken bringen könnte.“ Neben der runden Marke befinde sich hier auch ein massiver Widerstand durch etliche Tiefpunkte im vergangenen Jahr. Zudem sprächen einige Kurszielberechnungen dafür, dass im Bereich 7.010 bis 7.080 Punkte für längere Zeit der Anstieg beendet sein könnte. (27.02.2012/ac/a/m)