DAX Zeichen deuten auf Korrektur

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Die Kursgewinne am Aktienmarkt gehen weiter, so die Deutsche Börse AG.

Während der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) mit einem Dreijahreshoch in die Wochenmitte starte, würden Charttechniker jedoch zumindest kurzfristig mit einer Auszeit rechnen. Die längerfristigen Prognosen würden unterdessen auseinander gehen.

Holger Struck, technischer Analyst von HS-Livetrading, zeige sich optimistisch für den DAX und rechne mit einer Fortsetzung des seit August bestehenden Aufwärtstrends. Auf kurze Sicht sprächen jedoch unter anderem eine ausgereizte, überkaufte Lage und ein saisonal-zyklisches Umfeld für eine vorübergehende Auszeit ab Mitte des Monats. „Der DAX hat sich zum Wochenauftakt mit einem klaren Ausbruch über das bisherige Jahreshoch von 7.222 Punkten und einem Anlauf an die 7.300er Marke präsentiert.“ Was im Januar bei dem Tief von 7.033 Zählern ebenso durchbruch- wie korrekturgefährdet ausgesehen hätte, erweise sich einmal mehr als lupenreine Kaufgelegenheit. „Der Aufwärtstrend vom August 2010 ist also um einen erfolgreichen Test reicher“, beobachte der Techniker und füge hinzu, dass verschiedene Preisparameter aktuell auf eine „goldgeränderte Börsenzukunft“ im Jahr 2011 hingedeutet hätten.

Die nächsten Kursziele sehe Struck bei 7.694 und 8.012 Punkten. Eine kurzfristige Pause sei aktuell aber dennoch möglich und aus Sicht des Analysten sogar wünschenswert: „Eine Auszeit gerade jetzt wäre markttechnisch ein Idealfall.“ Um den Aufwärtstrend nicht zu gefährden dürfe es dabei jedoch nicht unter die Unterstützungen von 7.180 oder darunter 7.051 Zähler gehen.

Nach Ansicht eines technischen Analysten der BHF-Bank, seien hingegen die Korrekturrisiken am Aktienmarkt in den vergangenen Wochen gewachsen. So habe es mit dem Jahreswechsel nicht nur einen Favoritenwechsel bei den Währungen gegeben, sondern auch am Aktienmarkt. „Die Branchen- und Länderindices, die im vergangenen Jahr noch stark vernachlässigt wurden, stehen plötzlich auf den Kauflisten der Anleger ganz oben.“

Dazu hätten in Europa vor allem der spanische Markt und hier besonders die Bankaktien gezählt. Einige Favoriten aus 2010 hätten in den vergangenen Wochen schon deutliche Einbußen hinnehmen müssen, wie einige Emerging Markets und die Goldminen, erkläre der Analyst. „Vor allem die Marktbreite hat sich dadurch insgesamt verschlechtert.“ So sei unter anderem das neue Zwölfmonatshoch des EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145/ WKN 965814) von Anfang Februar nur noch von wenigen Branchenindices in Europa bestätigt worden.

Aus Sicht der Markttechnik wäre das eine schlechte Nachricht, vor allem weil die verringerte Breite der Aufwärtsbewegung nicht nur auf Sektorebene beobachtet werden könne, sondern auch auf Länderebene: „Insbesondere die zunehmend an Bedeutung gewinnenden Märkte in Brasilien, China und Indien haben sich von der weltweiten Aufwärtstendenz abgekoppelt. Die Hochpunkte bei allen drei Länderindices liegen inzwischen schon fast drei Monate zurück“, wisse der Analyst.
Charttechnisch habe sich in den vergangenen Wochen jedoch auch einiges zum Positiven verändert, füge der technische Analyst hinzu und verweise dabei vor allem auf den EURO STOXX 50, den unter anderem starke Finanzwerte über die Marke von 2.900 Punkte getrieben hätten.

„Aktuell befindet sich der europäische Leitindex knapp oberhalb von 3.000 Punkten erneut in einer Widerstandszone, die sich aufgrund der beiden wichtigsten Hochs des vergangenen Jahres herleitet. Am 11. Januar wurden 3.044 und am 26. April 3.027 Punkte erreicht. Sollte auch diese Hürde genommen werden, so wäre der Weg frei bis ungefähr 3.430 Punkte“, prognostiziere der Analyst. Für die nächsten Wochen sei beim EURO STOXX 50 eine Seitwärtsphase mit mehreren Tests bei rund 3.030 Punkten bis Ende Februar, danach eine Korrektur bis Ende März wahrscheinlich.

Den charttechnisch besten Eindruck würden aus Sicht des technischen Analysten der BHF-Bank derzeit die großen US-Indices machen. Allerdings hätten die technischen Indikatoren hier auch die stärksten Verkaufssignale seit April 2010 geliefert. „Unser auf Basis von etwa fünfzig Indikatoren basierendes Indikatoren-Modell hat in den vergangenen Tagen eines der stärksten Verkaufssignale der vergangenen Jahre abgegeben. Ursache dafür sind unter anderem die Extremwerte die bei etlichen Stimmungsindikatoren erreicht wurden“, erkläre der Techniker. Da sich auch in den USA das technische Bild im Punkto Marktbreite in den vergangenen Wochen verschlechtert habe, seien die Korrekturrisiken wie in Europa angestiegen.

Die Stimmung bei den Investoren der aktuellen Sentimenterhebung habe sich im Vergleich zur Vorwoche deutlich verschlechtert. Das sei das Ergebnis der heutigen Sentimentumfrage bei 300 aktiven Investoren. Demzufolge hätten sich 9 Prozent von ihren Long-Positionen getrennt und 7 Prozent seien direkt short gegangen. Der Bull/Bear-Index für DAX-Werte falle damit von 61,7 Prozent in der Vorwoche auf 52,8 Prozent. Spannend sei, wie dies die verhaltensorientierten Analysten von Cognitrend interpretieren werden (nachzulesen ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment).
Bei den Technologiewerten habe sich die Stimmung unterdessen leicht verbessert, hier verliere das Bärenlager 3 Prozent. Der Bull/Bear-Index steige im Wochenvergleich um 2,1 auf 72,1 Prozent.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (10.02.2011/ac/a/m)