Deutsche Industrieproduktion: Zum Jahresende geht die Puste aus

Hannover (www.aktiencheck.de) – Vor wenigen Minuten haben das Bundeswirtschaftsministerium und die Deutsche Bundesbank Zahlen zur Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland veröffentlich, berichten die Analysten der Nord LB.

Im Dezember sei die Produktion demnach leicht um +0,3% gegenüber dem Vormonat angestiegen. Gleichzeitig seien die November-Zahlen allerdings ein Stück weit nach unten korrigiert worden und würden nun einen leichten Produktionsrückgang ausweisen. Insgesamt ergebe sich damit zum Jahresende das Bild einer nur sehr moderaten Produktionsentwicklung. Die Jahresrate habe sich dennoch verbessert und liege nun nur noch gut ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Die konjunkturelle Abkühlung zum Jahresschluss werde damit nun auch datenseitig weiter unterfüttert.

Ein Blick auf die einzelnen Komponenten zeige aber, dass die Entwicklung im Dezember sehr heterogen verlaufen sei. So habe vor allem die Produktion im Bereich der Konsumgüter spürbar zugelegt (+3,9% M/M). Zudem seien knapp 2% M/M mehr an Investitionsgütern hergestellt worden. In beiden Bereichen habe das Volumen damit über dem jeweiligen Vorjahresmonat gelegen. Sehr schwache Zahlen sehe man hingegen mit Blick auf das Bauhauptgewerbe. Hier sei der Produktionsrückgang mit knapp 9% M/M deutlich ausgefallen. Der heftige Wintereinbruch in der ersten Monatshälfte mache sich an dieser Stelle bemerkbar. Die Analysten würden jedoch von keiner generellen Abschwächung des Bausektors ausgehen. Das anhaltend niedrige Zinsniveau einerseits und die robuste Arbeitsmarktverfassung andererseits sollten stützende Elemente für die Bauwirtschaft bleiben.

Mit der Veröffentlichung der Dezember-Daten für die Auftragseingänge und die Industrieproduktion neige sich 2012 datenseitig allmählich dem Ende. In der kommenden Woche werde das Statistische Bundesamt die Wachstumszahlen für das 4. Quartal vorlegen. In dieser Meldung werde dann auch die gesamtwirtschaftliche Abkühlung, die sich beispielsweise an der Entwicklung der Industrieproduktionszahlen erkennen lasse, zum Ausdruck kommen. Die Analysten würden mit einem Rückgang des realen BIP in einer Größenordnung von -0,3% Q/Q rechnen. So wie die Stimmungsindikatoren sollten sich dann aber auch die harten Fakten im Verlauf des 1. Quartals stabilisieren und verbessern können. Eine Rezession sehe man daher für Deutschland auch weiterhin nicht.

Allerdings stimme auch, dass die Normalisierungstendenzen an den Kapitalmärkten nur allmählich in eine verbesserte realwirtschaftliche Lage münden würden. Folglich werde die EZB an ihrem expansiven Kurs festhalten. Die jüngsten Rückflüsse von Liquidität an die Notenbank würden zwar den Erholungsprozess an den Märkten unterstreichen, sollten aber noch nicht als Rückführung der expansiven geldpolitischen Instrumente fehlinterpretiert werden. Auch wenn die EZB wohl keine weiteren Zinssenkungen oder ultra-langfristigen Refinanzierungsoperationen plane, bleibe ihr Kurs vorerst überaus expansiv.

Die Industrieproduktion habe im Dezember leicht angezogen. Aufgrund der Abwärtsrevision der Vormonatszahlen bleibe allerdings ein fader Beigeschmack. Ähnlich einem überspielten Fußballstar merkt man der deutschen Volkswirtschaft an, dass ihr zum Jahresende hin die Puste ein wenig auszugehen drohte, so die Analysten der Nord LB. Nun winke zwar keine Winterpause, allerdings würden die vorliegenden Stimmungsindikatoren darauf hindeuten, dass mit einem Comeback im Frühjahr zu rechnen sei. Die Analysten würden das Bruttoinlandsprodukt für das 4. Quartal folglich negativ erwarten, aber auch weiterhin keine Rezession sehen. (07.02.2013/ac/a/m)