Devisenmärkte: Abwertungswettlauf ist gestartet

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Verblüfft reiben sich Devisenhändler in diesen Tagen die Augen, so Dr. Eberhardt Unger von „faiersearch“.

So starke Kursveränderungen in so kurzer Zeit habe es selten gegeben. 1 EUR = USD 1,34 (nach 1,27 Mitte November). Der Japanische Yen gegenüber dem US-Dollar auf dem tiefsten Stand seit Juni 2010. Der Chinesische Yuan (CNY) mit 6,21 pro USD seit zehn Jahren nicht mehr so hoch. Der kanadische Loonie (CAD) unter der Parität zum Greenback, der Aussie (AUD) knapp darüber. Und der TWEX (handelsgewichteter Dollar-Index gegenüber den wichtigsten Währungen) nähere sich seinem historischen Tiefstand.

Die internationalen Ungleichgewichte würden sich in neuen Turbulenzen an den Devisenmärkten austoben. Im Zentrum stünden die riesigen Defizite der US Handels- und Leistungsbilanz sowie die Überschüsse in Fernost. Washington dränge Peking schon seit Jahren zu einer stärkeren Aufwertung des Yuan. Die chinesischen Überschüsse im Handel besonders mit den USA (Handelsbilanzüberschuss im Dezember bei 31,62 Mrd. USD nach 19,6 Mrd. USD im November) hätten zu Währungsreserven der Volksrepublik von USD 3,312 Billionen geführt, davon etwa die Hälfte in der US-Valuta. Doch die People’s Bank of China lasse aus Sorge vor hohen Verlusten nur eine langsame Aufwertung zu.

Über die weltweit zweithöchsten Währungsreserven verfüge Japan. Der neue Premierminister Shinzo Abe plane ein Konjunkturstimulierungspaket von 13,1 Billionen Yen (111 Mrd. EUR), eine umfangreiche Neuverschuldung und eine Abwertung des Yen. An den Devisenmärkten habe sich die Meinung gebildet, es könnte eine massive Abwertung werden. Nippon stecke in großen Schwierigkeiten hinsichtlich seiner Demographie und der internationalen Handelsposition.

Die Eurozone weise im Gegensatz zu den USA solide Zahlen vor. Im November sei der Handelsbilanzüberschuss der Euro-Länder saisonbereinigt auf 11 Mrd. Euro gestiegen, ein Plus von 3,5 Mrd. Euro ggü. Oktober. Nach den ersten elf Monaten 2012 liege der Überschuss bei 65,4 Mrd. Euro nach -20,5 Mrd. Euro im gleichen Zeitraum 2011. Die Krisenländer hätten ihre Handelsbilanz teilweise deutlich verbessern und damit die Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion weiter abbauen können. Dieser Trend sollte infolge der schwachen Binnennachfrage anhalten. Die Überschüsse in der Handelsbilanz würden dem Euro eine Stütze geben. Deutschland weise mit 142,1 Mrd. Euro den mit Abstand höchsten Überschuss auf.

Die kräftigen Ausschläge an den Devisenmärkten in der jüngsten Zeit seien erst der Anfang der Turbulenzen. Der Yen-Rückgang vermindere die Schwächen des TWEX. Ohne Yen wäre der TWEX schon auf historischem Tiefstand. Die Edelmetalle seien eine Alternative. (Ausgabe vom 20.01.2013) (21.01.2013/ac/a/m)