Euro unter Druck

London (www.aktiencheck.de) – Der Euro zeigte am Donnerstag Schwäche gegenüber wichtigen Währungen und markierte im Tagesverlauf gegenüber dem US-Dollar sein Kurstief bei 1,3315 USD, so Oliver Bossmann, Analyst bei ETX Capital.

Allerdings habe sich die Einheitswährung mittlerweile wieder etwas stabilisieren können und sich während der Asien-Sitzung deutliche erholt. Die Erholung habe den EUR/USD-Kurs zu Beginn der europäischen Sitzung wieder zurück bis zu der Marke bei 1,34 USD geführt. Der Euro sei aufgrund schlechter europäischer BIP-Daten stärker unter Druck gekommen. Das Wachstum der Eurozone sei im 4. Quartal mit -0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal schlechter als erwartet ausgefallen. Die Konsensschätzungen hätten hier bei einem Rückgang von nur -0,4 Prozent gelegen. Damit befinde sich das BIP der Eurozone zum dritten Mal in Folge im Rückwärtsgang.

In den drei größten Volkswirtschaften der Eurozone sei das BIP ebenfalls stärker geschrumpft als erwartet. Deutschland sehe sich im 4. Quartal einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von -0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gegenüber. Das französische BIP sei im gleichen Zeitraum um -0,3 Prozent gesunken und in Italien sei ein Rückgang des BIPs um -0,9 Prozent verzeichnet worden. Dazu sei dann noch gekommen, dass auf der anderen Seite des Atlantiks die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung nicht sehr gut ausgefallen seien, auch wenn die Lesung etwas besser als erwartet gewesen sei. In der vergangenen Woche hätten in den USA 341.000 Arbeitnehmer Arbeitslosenunterstützung beantragt. Erwartet worden seien hier 360.000 Anträge.

In Reaktion auf die schlechten makroökonomischen Daten seien vor allem die europäischen Aktienmärkte stärker gefallen. Der DAX 30 (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) habe zeitweise die 7.600-Punkte-Marke unterschritten und sich bislang nicht nachhaltig erholen können.

Am Freitag stünden sowohl die Zahlen zur US-Industrieproduktion als auch der Index zum Konsumentenvertrauen der Universität Michigan auf der Agenda. Ebenfalls im Fokus der Märkte stehe das G20 Treffen in Moskau. Hier würden sich auch die Zentralbank-Gouverneure der G20-Staaten treffen. Top Thema könnte der internationale Abwertungswettlauf sein. Man könne gespannt sein, welche Stellungnahmen zu diesem Thema verlautbart würden.

Trotz der jüngsten Abwertung gegenüber wichtigen Währungen, wie z. B. dem US-Dollar oder dem Japanischen Yen, könnte der Euro nach dem Treffen wieder an Stärke gewinnen, wenn keine klaren Stellungnahmen vom G20-Treffen zum Abwertungswettlauf kämen. Das könnte vor allem auf das primäre Mandat der EZB zurückgeführt werden, die vornehmlich für Preisstabilität zu sorgen habe. Demgegenüber stünden entschlossene Notenbanken, wie etwa die FED oder auch die Bank of Japan, die bewusst mehr Inflation in Kauf nehmen würden, um die eigene Volkswirtschaft zu unterstützen.

Auch wenn Mario Draghi mit verbalen Interventionen in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht habe, so könnte es dieses Mal anders gelagert sein aufgrund der Entschlossenheit anderer wichtiger Notenbanken Geld zu drucken. Die Devisenmarktteilnehmer könnten die Entschlossenheit der EZB in diesem Punkt aufgrund der heterogenen Gemengelage innerhalb Europas anzweifeln. Das könnte eventuell für einen weiter starken Euro sprechen. Solange das weltwirtschaftliche Umfeld von niedrigen Wachstumsraten und niedriger Inflation gekennzeichnet sei, solange könnte der Euro keine nachhaltige Schwäche gegenüber US-Dollar und Japanischem Yen entwickeln. Diese wäre vor allem für die südeuropäischen Länder so wichtig, um in der momentanen Misere wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Auch von der charttechnischen Seite habe der EUR/USD-Kurs, aber auch der EUR/JPY, noch nicht den mittelfristigen Aufwärtstrendkanal verlassen. (15.02.2013/ac/a/m)