EUR/USD kein Grund zur Schwarzmalerei

Hannover (aktiencheck.de AG) – Der am morgigen Donnerstag in Brüssel stattfindende Gipfel der 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wird von den Marktteilnehmern kritisch beäugt, so die Analysten der Nord LB.

Die EU suche weiterhin nach Lösungen für die Finanzmarktkrise. Ziel sei es, die Finanzmarktstabilität der Eurozone dauerhaft zu gewährleisten, so dass konsequenterweise auf der Tagesordnung die Ausgestaltung eines langfristigen Krisenmechanismus stehe. Zuletzt hätten sich die Unstimmigkeiten zwischen den EU-Ländern deutlich verstärkt. Hintergrund sei vor allem die Ablehnung der von Luxemburgs Premierminister Juncker ins Spiel gebrachten Euroanleihe durch Deutschland und Frankreich. Die Verunsicherung der Marktteilnehmer sei in erster Linie darauf zurückzuführen, dass es an verbindlichen Abmachungen fehle. Die jüngste Vergangenheit habe bereits gezeigt, dass allgemeine Absichtserklärungen nicht ausreichen würden, um die Ausweitung der Schuldenkrise einzudämmen.

Nachdem der Euro im gestrigen Handel noch kurzzeitig das Niveau von 1,35 US-Dollar getestet habe, habe das Währungspaar heute Morgen bereits bis auf unter 1,33 US-Dollar korrigiert. Gestern seien es vor allem die Erwartungen der Marktteilnehmer gewesen, dass die US-Konjunkturdaten enttäuschen würden und die US-Notenbank als Konsequenz ihre quantitative Lockerung ausweite. Beide Annahmen seien jedoch enttäuscht worden.

Die gestern veröffentlichten US-Einzelhandelsumsätze hätten positiv überrascht. Somit bleibe der Konsum allen Unkenrufen zum Trotz eine robuste Stütze der US-Konjunktur. Die FED halte das Tempo der Konjunkturerholung zwar weiterhin für zu niedrig, was letztlich jedoch nur dazu führen sollte, dass das niedrige Leitzinsniveau auf absehbare Zeit Bestand haben werde. Für den US-Dollar seien diese Meldungen unterstützend.

Der Jahresdurchschnittskurs des Euro liege derzeit bei rund 1,3270 US-Dollar. Vor diesem Hintergrund erscheine es völlig fehl am Platze, den Euro bereits vorzeitig zu Grabe zu tragen. Seit der ersten Zuspitzung der europäischen Finanzmarktkrise im Mai/Juni diesen Jahres habe sich der Euro von seinen Jahrestiefstständen sogar recht deutlich erholen können, obwohl sich die Schuldenkrise insbesondere im 4. Quartal eher verschlimmert als verbessert habe. Die Frage sei also, wie stark der Euro zukünftig gegenüber dem US-Dollar korrigieren werde und nicht, wie lange die Eurozone noch auf eine gemeinsame Währung blicken dürfe.

Für das kommende Jahr würden die Analysten zunächst einen etwas festeren Euro erwarten. Hintergrund dieser Einschätzung sei vor allem die Erwartung konstruktiver Lösungsansätze beim kommenden EU-Gipfeltreffen und nachfolgenden Treffen zur Bewältigung der Schuldenkrise in Kombination mit erfreulichen Konjunkturmeldungen aus der Eurozone. Dies sollte dazu führen, dass der Euro in Richtung der 1,40 US-Dollar-Marke tendiere.

Zum Jahresbeginn 2011 rechnen die Analysten der Nord LB zudem mit einer vorerst skeptischen Einschätzung der US-Konjunktur seitens der Marktteilnehmer, gepaart mit Signalen der FED, dass diese gewillt ist, die unorthodoxen Maßnahmen der Geldpolitik so lange fortzuführen, wie es nötig erscheint. Im Jahresverlauf werde die US-Konjunktur jedoch mit positiven Meldungen überzeugen, so dass der US-Dollar aufwerten werde. Dies sollte zu einer Euro-Korrektur in Richtung 1,20 US-Dollar führen. Mit dieser zugrunde liegenden Einschätzung werde der Eurotrend im kommenden Jahr also in eine seitwärts Konsolidierung übergehen, der sich grob gesprochen in der Bandbreite von 1,20 bis 1,40 US-Dollar etablieren werde. (15.12.2010/ac/a/m)