EZB: Festhalten am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs

Hannover (www.aktiencheck.de) – Erwartungsgemäß hat die EZB im Rahmen ihrer Ratssitzung die Leitzinsen für die Eurozone unverändert gelassen, so die Analysten der Nord LB.

Der Tendersatz bleibe bei 0,75%. Auch die Zinssätze für die Einlagefazilität (0,00%) und die Spitzenrefinanzierungsfazilität (1,50%) seien nicht verändert worden. Diese Entscheidung habe keine Überraschung dargestellt und sei nach Angaben der EZB einstimmig gefallen. Nachdem EZB-Präsident Draghi im vergangenen Monat die optimistischen Aspekte in den Mittelpunkt seiner Ausführungen gerückt habe, hätte alles andere als ein Festhalten am derzeitigen Leitzinsniveau aber auch eine gehörige Überraschung dargestellt.

Auf der anschließenden Pressekonferenz habe er die aktuelle Einschätzung der Notenbank vorgestellt. Dabei habe er zum einen auf die anhaltenden Abwärtsrisiken für die konjunkturelle Entwicklung verwiesen. Zum anderen habe er die Risiken für die Preisniveaustabilität als ausgewogen bezeichnet. Insofern habe sich an der generellen Haltung der Notenbank nichts geändert. Damit dürfte die EZB auch in den kommenden Monaten nicht an der Zinsschraube drehen.

Mit Blick auf die vorzeitigen Rückzahlungen von Liquidität aus dem ersten Dreijahrestender habe sich der EZB-Präsident wenig überrascht gezeigt. Für Draghi seien die bisherigen Rückflüsse in Höhe von etwa 140 Milliarden Euro Ausdruck des Normalisierungsprozesses an den Finanzmärkten. Er habe zu Protokoll gegeben, dass die EZB zudem mit Rückflüssen in einer Größenordnung von etwa 200 Milliarden Euro aus dem zweiten Dreijahrestender rechne. Banken hätten Ende Februar erstmals die Möglichkeit, im Rahmen der zweiten ultra-langfristigen Refinanzierungsoperation erworbene Liquidität vorzeitig zurückzugeben.

Unabhängig hiervon bleibe es aber bei der Vollzuteilung von Liquidität durch die Notenbank. Insofern sollte man auch nicht von einem Kurswechsel in der geldpolitischen Ausrichtung der EZB sprechen. Von einer Rückführung der unkonventionellen Maßnahmen sei die Notenbank noch einige Schritte entfernt.

Wenig überraschend hätten die Fragen der Journalisten auch auf die derzeitige Euro-Stärke gezielt. Die Gemeinschaftswährung habe gegenüber dem US-Dollar innerhalb der vergangenen sechs Monate mehr als 5% an Wert zugelegt und zuletzt erstmals seit dem Herbst 2011 über die Marke von 1,36 USD geschaut. Draghi habe davon gesprochen, dass die Aufwertung des Euro zunächst als Rückkehr von Vertrauen in den Euro zu werten sei. Der Wechselkurs selbst sei allerdings kein politisches Ziel der EZB, wenngleich er Einfluss auf das Wachstum innerhalb des Währungsraumes nehmen könne.

Draghi habe aber auch betont, dass ein starker Euro inflationshemmende Wirkung entfalten könne. Diese Anmerkung habe eine erhebliche Marktreaktion ausgelöst, deute sie doch – wenn überhaupt – auf eine geldpolitische Lockerung hin. Die Gemeinschaftswährung habe deutlich an Wert verloren und im Verlauf der Pressekonferenz mehr als einen Eurocent abgegeben. Der Euro notiere aktuell bei 1,3450 USD.

Die EZB habe die Leitzinsen heute nicht verändert. Die Entscheidung sei einstimmig gefallen und stelle keine Überraschung dar. Auch in den kommenden Monaten sollte sich am eingeschlagenen geldpolitischen Kurs nichts Wesentliches ändern. Die Leitzinsen bleiben aus Sicht der Analysten der Nord LB unverändert, flankiert von einer unbegrenzten Liquiditätsversorgung. Eine echte Rückführung der unkonventionellen Maßnahmen würde anders aussehen. Dafür aber sei vor allem die konjunkturelle Verfassung im Währungsraum nach wie vor zu fragil. (07.02.2013/ac/a/m)