Großbritannien BIP: Das Triple Dip-Gespenst wandelt über die verschneite Insel

Hannover (www.aktiencheck.de) – Das olympische Strohfeuer ist erloschen, Großbritannien ist auf den harten Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Vor wenigen Minuten hat das Office for National Statistics (ONS) für das Schlussquartal 2012 eine Kontraktion der Wirtschaftsleistung in Höhe von -0,3% Q/Q vermeldet, so die Analysten der Nord LB.

Kaum sei die Double Dip-Rezession mit dem hervorragend gelaufenen Vorquartal ad acta gelegt worden, schwebe das Damoklesschwert der „Triple Dip-Rezession“ noch bedrohlicher über der Insel. Der negative Datenreigen sei damit eröffnet: Erneut zwei aufeinander folgende negative Quartale (Q4/2012 und Q1/2013) würden rein technisch betrachtet das dritte Konjunkturtief binnen vier Jahren bedeuten.

Aber der Reihe nach: Neben dem schwachen Vorquartalsvergleich habe die Wirtschaftsleistung gegenüber der Vorjahresperiode abermals stagniert (+0,0% Y/Y). Für das Gesamtjahr scheine nach der ersten Schätzung eine schwarze Null zu stehen. Die Analysten würden sich nicht wundern, wenn diese noch zu einer roten Null revidiert werden würde.

Einer der Hauptgründe für die Kontraktion in Q4 lasse sich in der Vorweihnachtszeit identifizieren: Das Weihnachtsgeschäft sei bescheiden ausgefallen. Das verwundere kaum in Zeiten beständig sinkender Realeinkommen und mangelnden Konsumentenvertrauens (ermittelt von der GfK). Jedoch seien die Weihnachtsumsätze der High Street auch nicht mehr der Gradmesser, die sie einmal gewesen seien: 2011 seien bereits 9,4% aller Umsätze im Internet erzielt worden (durchschnittlich GBP 719 Mio. pro Woche), 2012 seien es bereits 10,6% gewesen (GBP 830 Mio. pro Woche).

Doch damit nicht genug – auch der aktuelle Schlussverkauf sei schleppend angelaufen. Zudem würden aktuell Schnee und Eis in ganz Großbritannien die Aussicht auf Besserung dämpfen. Neben den fehlenden Konsumenten in den Warenhäusern leide die Baubranche unter dem Frost sowie die Gesamtwirtschaft unter gestrichenen Flügen.

In ihrer letzten Kommentierung der BIP-Zahlen hätten die Analysten bereits darauf verwiesen, dass es noch mindestens bis 2015 dauern dürfte, bis das Vorkrisenniveau erreicht werden könne. Dann allerdings sei Wahljahr. Nachdem die Analysten aus wirtschaftlicher Sicht bereits in der gebotenen Kürze frühzeitig auf diese Problematik hingewiesen hätten, verknüpfe David Cameron nun seine Wiederwahl mit einem Referendum über den möglichen Austritt der Briten aus der Europäischen Union („Brexit“). Die „Should I stay or should I go“-Frage spaltet Europa.

Ein Spiegelbild der aktuellen Wirtschaftsschwäche sei das Pfund Sterling. Mit 85 Pence notiere es so schwach zum Euro wie seit Ende Februar 2012 nicht mehr. Egal, ob Sir Mervyn King die Währung schwach geredet habe oder nicht – wie es derzeit auch die Japaner tun würden – für den Export und den Tourismus sei eine gewisse Abwertung kurzfristig förderlich.

Das olympische Strohfeuer sei erloschen, Großbritannien sei auf den harten Boden der Tatsachen zurückgekehrt. Mit einer BIP-Kontraktion in Höhe von 0,3% Q/Q wandle das Triple Dip-Gespenst über die verschneite Insel. Genau diese Wetterlage sorge im Einzelhandel sowie im Bausektor auch im 1. Quartal 2013 für einen schleppenden Jahresauftakt, so dass die Analysten wenig positive Worte finden könnten. Einzig das schwache Pfund Sterling könnte dem Export und der Tourismusindustrie kurzfristig erhöhte Nachfrage bescheren. Wäre da nicht die befremdliche „Should I stay or should I go“-Frage des Premiers Cameron über einen möglichen EU-Austritt der Briten („Brexit“). Großbritannien werde 2013 ganz sicher im Fokus bleiben – nicht nur wegen des royalen Nachwuchses. (25.01.2013/ac/a/m)