Hypoport: Unisex-Jahresendrally überlastet Versicherungen

Hamburg (www.aktiencheck.de) – Die Analysten von Montega AG, Alexander Braun und Alexander Drews, raten die Aktie von Hypoport (ISIN DE0005493365/ WKN 549336) nach wie vor zu halten.

Hypoport habe am Freitag Transaktionszahlen für das Privatkundengeschäft gemeldet. Während das Geschäft mit Finanzierungen im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter dynamisch gewachsen sei (+19% auf 4,59 Mrd. Euro), habe sich das Volumen im Versicherungsgeschäft auf Jahresbasis um 13,5% reduziert. Verantwortlich für das insgesamt schwache Jahr im Versicherungsgeschäft seien regulatorische Änderungen bei den Provisionen für Krankenversicherungen sowie ein niedriges Zinsniveau gewesen, das Altersvorsorgeprodukte weniger attraktiv mache. Die Einführung von Unisex-Tarifen zum 21. Dezember habe jedoch zu einem starken Jahresendgeschäft geführt. Im Vergleich zum Vorquartal habe sich das Transaktionsvolumen bei den Versicherungsprodukten von 5,35 Mio. Euro auf 10,20 Mio. Euro verdoppelt.

Damit dürfte der Umsatz im Privatkundengeschäft theoretisch über den Prognosen der Analysten von 51,3 Mio. Euro gelegen haben. Allerdings sei ihres Erachtens nicht damit zu rechnen, dass der Großteil der abgeschlossenen Versicherungsverträge noch zu einer Umsatzrealisation in Q4 geführt habe. Der erwartete Vorzieheffekt durch die Umstellung auf Unisex-Tarife sei erst sehr spät eingetreten (ab Mitte November), sodass Versicherungen mit der Bearbeitung der Anträge überlastet gewesen seien und bedingte Annahmebestätigungen ausgestellt hätten. Eine Policierung (notwendig für Umsatzrealisation bei Hypoport) habe teilweise nicht stattgefunden. Die Q4-Umsätze sollten sich folglich ins Q1 2013 verschieben. Dies werde nach Erachten der Analysten dazu führen, dass Hypoport aufgrund des fehlenden Umsatzes einen hohen Verlust in Q4 2012 ausweisen müsse. Allerdings dürfte Q1 2013 positiv durch diesen Effekt beeinflusst werden.

Bereits Anfang Januar habe Hypoport Transaktionszahlen für Europace bekannt gegeben. Im hochskalierbaren Plattformgeschäft sei das Unternehmen aufgrund von Marktanteilsgewinnen (Montega-Prognose: Zugewinn von 5 PP auf 15%) um 36% gewachsen. Das Transaktionsvolumen von 28,9 Mrd. Euro dürfte zu einem Umsatz von 24,9 Mio. Euro geführt haben (2011: 21,4 Mio. Euro) und damit den Prognosen der Analysten entsprechen. Sie würden davon ausgehen, dass Hypoport auch im laufenden Jahr durch den Anschluss neuer Partner das Transaktionsvolumen weiter steigern werde (Montega-Prognose: 32 Mrd. Euro).

Derzeit sei nicht bekannt, wie groß das Ausmaß der Umsatzverschiebung sei. Entsprechend würden die Analysten ihre Prognosen zunächst unverändert lassen, würden jedoch darauf hinweisen, dass sich ein wesentlicher Teil des Q4-Umsatzes ins nächste Quartal verschieben dürfte und womöglich im Schlussquartal ein deutlich negatives Ergebnis ausgewiesen werde. Trotz dieses buchhalterischen Effektes zeige der hohe Beraterzuwachs (+18% yoy) und das steigende Transaktionsvolumen, dass Hypoport weiterhin auf Expansionskurs sei und Marktanteile gewinne. Mittelfristig dürfte das Unternehmen sowohl im Privatkundengeschäft als auch im FDL-Bereich (Europace) einer der Hauptprofiteure der gegenwärtigen Strukturveränderungen im Versicherungsgeschäft sein.

Die Analysten von Montega AG belassen das Rating für die Hypoport-Aktie auf „halten“ bei einem unveränderten Kursziel von 9,80 Euro. (Analyse vom 28.01.2013) (28.01.2013/ac/a/nw)

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