JPY/USD schwach

Hannover (aktiencheck.de AG) – Das Vertrauen unter den befragten Großproduzenten hat sich nach einem rasanten Anstieg seit dem Tiefststand im März 2009 erstmals gegenüber dem Vorquartal eingetrübt, so die Analysten der Nord LB.

Habe der mit dem deutschen ifo-Index vergleichbare Index im letzten Quartal noch bei +8 Punkten notiert – und damit so positiv wie seit Anfang 2008 nicht mehr – würden sich die Hersteller im Produzierenden Gewerbe bei der heutigen Veröffentlichung etwas pessimistischer geben. Ein Indexstand von +5 Punkten sei kein Beinbruch, signalisiere allerdings die Risiken der aus dem starken Japanischen Yen resultierenden geschmälerten Exportgewinne sowie die langsam abklingenden positiven Wirkungen aus den staatlichen Stimuli. Der vierteljährliche Report der Bank of Japan sei einer der wichtigsten Indikatoren im Land der aufgehenden Sonne – die ökonomische Relevanz spiegele sich direkt im Einfluss auf die Kursentwicklung des Yen wider. Die japanische Währung habe sich nach der Veröffentlichung umgehend auf 84 Yen pro US-Dollar verbilligt. Warum sei der Rückgang dennoch kein Beinbruch?

Die Analysten hätten mit 4 Punkten ebenfalls eine Abschwächung erwartet, der Median der von Bloomberg befragten Analysten sei sogar noch etwas pessimistischer gewesen und habe den Indexwert bei +3 Punkten erwartet. Nichtsdestotrotz deute der Rückgang auf eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums im 4. Quartal hin. Nicht einmal das Weihnachtsgeschäft scheine die Japaner im Deflationsumfeld zum Shoppen anzuregen.

Um das Jahr 2011 nicht so beginnen zu lassen, wie es zu enden scheine – nämlich mit einer BIP-Kontraktion – könnten sich die Analysten gut vorstellen, dass die in der kommenden Woche anstehende letzte Sitzung der Bank of Japan im ausklingenden Jahr ein neues staatliches Stützungspaket zur Folge haben könnte. Dabei würden die Augen und Ohren abermals nicht auf die Bekanntgabe des BoJ-Zielsatzes (aus)gerichtet sein, den die Analysten mit 0,1% unverändert erwarten würden, sondern auf die flankierenden Maßnahmen.

Angesichts des pessimistischen Grundtenors der Tankan-Umfrage und trotz der aufwärts revidierten BIP-Zahlen für das 3. Quartal würden sich die Vorzeichen für erneute Stimuli auch an anderen Stellen mehren: Die Industrieproduktion sei im Oktober um 2% M/M zurückgegangen, die Arbeitslosenquote auf 5,1% gestiegen und auch die Maschinenaufträge seien für den Berichtsmonat Oktober mit -1,4% M/M unerwartet schwach daher gekommen. Dabei habe es sich um den zweiten Rückgang in Folge gehandelt. Keine Frage: Der exportgetriebene Aufschwung im Jahr 2010 sei in der Endabrechnung als erfreulich zu bezeichnen, doch stecke Fernost noch immer tief im Tal der Tränen.

Alle ökonomischen Theorien und Gesetzmäßigkeiten aus dem Lehrbuch scheinen in Nippon zu versagen, so die Analysten der Nord LB. Immerhin habe der Yen seit Jahresbeginn gegenüber dem Greenback von 93 JPY bis dato auf 84 JPY aufwerten können – dies seien rund 10% Wertzuwachs. Die Kehrseite der Medaille belaste allerdings die Exporte.

Details zum voraussichtlich negativen BIP-Wachstum werde es Mitte Februar mit der ersten Schätzung geben. Bis dahin gehe noch viel Zeit ins Land, so dass die Analysten ihren Blick wie immer auf die Termine in der kommenden Woche richten wollten: Wie bereits erwähnt, komme die Bank of Japan in der kommenden Woche ein letztes Mal für dieses Jahr zusammen. Zinsseitig sollte alles beim Alten bleiben, interessant werde hingegen, wie die Wirtschaft abermals stimuliert werden könne, nachdem z.B. die Kaufanreizprogramme für sparsame PKW oder auch für Elektronikartikel ausgelaufen seien. Stets interessant sei die Meldung zur Handelsbilanz, da das Wachstum mangels inländischem Konsum von außen kommen müsse – sprich: Die eigene Batterie sei leer, es werde externe Starthilfe benötigt. Dies sei ohne Frage bei 84 Yen pro US-Dollar einfacher als bei 80 JPY.

In den USA dürfte die erwartete Aufwärtsrevision beim BIP für das 3. Quartal für Bewegung an den Devisenmärkten sorgen. Nach 2% Q/Q würden mittlerweile sogar 2,8% Q/Q erwartet. Double-Dip-Szenarien seien nach den gestrigen Einzelhandelsumsätzen ohnehin vom Tisch. Nur Japan komme nicht so recht vom Fleck und müsse sich langsam aber sicher damit abfinden, in der Jahresendabrechnung nicht mehr die Wirtschaftsmacht Nr. 2 hinter den USA zu sein, sondern die Nr. 3 hinter China. Das Wachstum der Handelspartner sei Balsam auf die Seele der Japaner, in deren Windschatten es sich durchaus gut fahren lassen dürfte. (15.12.2010/ac/a/m)