Markttechnik: Aktienmarkt vor Trendwende?

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Die technische Lage für den DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) hat sich durch den Kurssturz vom gestrigen Dienstag verschlechtert, so die Deutsche Börse AG.

„Die kräftigen Verluste sorgen für einen echten Schlag ins Kontor“, kommentiere Jörg Scherer von der HSBC. Nach dem Schließen der Kurslücke vom 7. September stehe aktuell auch die Schlüsselhaltezone aus den jüngsten Verlaufstiefs bei 7.216/7.182 Punkten und dem ehemaligen Jahreshoch vom März bei 7.194 Punkten heftig unter Beschuss. „Ein nachhaltiger Rutsch unter diese Bastion würde gleichzeitig ein kleines Doppeltop vervollständigen, aus dem sich immerhin ein rechnerisches Abschlagspotenzial von knapp 200 Punkten ableiten ließe“, wisse der Techniker.

Wenig Gutes verheiße auch der Blick auf die quantitativen Indikatoren. „Während der Aroon auf Tagesbasis jüngst wieder auf „verkaufen“ gedreht hat, weist der MACD aktuell eine Bullenfalle auf, da die MACD-Linie vor Generierung eines neuen Einstiegssignals wieder nach unten abgekippt ist. Dieses Phänomen war in der Vergangenheit regelmäßig ein Indiz dafür, dass ein weiterer Abwärtsimpuls folgt.“ Die nächste Unterstützung liege laut Scherer auf dem Niveau des Erholungstrends seit Anfang Juni bei aktuell 7.085 Punkten. „Aus Bullensicht hilft dagegen nur eine schnelle Rückeroberung der ehemaligen Schlüsselunterstützungen.“

Am Mittwochmittag lege der DAX um 0,1 Prozent auf 7.183 Punkte zu.

Nach Einschätzung eines technischen Analysten der BHF-Bank, sprächen die meisten technischen Indikatoren derzeit für eine bedeutende obere Trendwende. Zwar sei daraus nicht die Erwartung eines kurz bevorstehenden Kurssturzes abzuleiten. Die Indikatorenlage weise aber auf den „Abschluss einer langfristigen Topbildungsphase mit einem bedeutenden oberen Wendepunkt in diesen Tagen hin“, erkläre der Techniker. Ein weiter Crash erscheine zwar unwahrscheinlich, realistisch sei aber eine Baisse bis 2014. „Unter anderem aufgrund saisonaler Einflüsse ist mit stärkeren Kursrückgängen aber erst ab Januar 2013 zu rechnen“, merke der technische Analyst der BHF-Bank allerdings an.

Zur Begründung verweise der BHF-Bank-Analyst unter anderem auf langfristige Börsenzyklen. So sprächen laut des Analysten etwa der Vier- und der Zehnjahreszyklus für einen bedeutenden Wendepunkt in den kommenden Monaten. „Die Kombination beider Zyklen führt zu einem 40-Jahres-Abstand. Vor 40 Jahren begann für etliche Aktienmärkte die größte Baisse der Nachkriegszeit. Vor 80 Jahren im Juli 1932 endete die größte Baisse aller Zeiten am US-Aktienmarkt. Rein zyklisch betrachtet könnte es also brenzlig werden in den kommenden Monaten bzw. in den kommenden beiden Jahren“, erläutere der Techniker.

Ein weiterer Baustein der negativen Erwartungshaltung vor allem zum US-Aktienmarkt seien laut des Analysten die Elliott-Wellen: „Hier lässt sich anhand des S&P 500 (ISIN US78378X1072/ WKN A0AET0) eine komplette Fünf-Wellen-Struktur seit dem Tief von März 2009 erkennen. Danach wäre jetzt ein Rückfall auf das Tief der Welle Vier bei rund 1.100 Punkten zu erwarten.“

Etwas optimistischer zeige sich Christoph Geyer von der Commerzbank, der beim deutschen Leitindex DAX zwar kurzfristiges Abwärtsrisiko sehe, zum Jahresende aber mit einer Rally rechne. „Das Verkaufssignal beim Stochastik-Indikator zeigt seine Wirkung. Der MACD-Indikator ist zunächst an seiner Trigger-Linie abgeprallt. Dies ist ein negatives Zeichen, das in den kommenden Tagen noch wirken könnte“, erkläre Geyer. Ein Test der Aufwärtstrendlinie sei vor diesem Hintergrund durchaus noch möglich. „Der November dürfte von zyklischer Seite her dann wieder etwas freundlicher starten. Doch auch in diesem Monat ist in der zweiten Hälfte mit einer Kursdelle zu rechnen, von der aus dann eine Jahresendrally gestartet werden sollte.“

Die Stimmung der 300 von der Börse Frankfurt befragten aktiven Investoren habe sich in dieser Woche weiter verbessert. Mit 66,7 von zuvor 65 Punkten liege der Bull/Bear-Index für die deutschen Bluechips weiter deutlich über die Marke von 50 Punkten, die Optimisten und Pessimisten voneinander trenne. Von den in der Vorwoche noch neutral eingestellten Anlegern hätten 4 Prozent ins Bullenlager gewechselt, die Bären hätten lediglich um 1 Prozent zugelegt. Mit insgesamt 56 Prozent würden die meisten der befragten Anleger steigende Notierungen im DAX erwarten, 26 Prozent seien short, 18 Prozent nicht investiert.

Der Bull/Bear-Index messe den absoluten Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (24.10.2012/ac/a/m)