Markttechnik: Anlegerstimmung steigt in neue Höhen

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Die seit Juni bestehende Aufwärtstrendlinie ist gebrochen, konstatieren technische Analysten und rechnen daher zumindest auf kurze Sicht mit weiteren Rückschlägen an den Aktienmärkten, so die Deutsche Börse AG.

„Die Indikatorenlage hat sich weiter verschlechtert und weist nun deutliche Divergenzen zur Kursentwicklung auf. Die aktuelle Marktschwäche ist von zyklischer Seite her nicht verwunderlich und war für November zu erwarten“, erkläre Christoph Geyer von der Commerzbank.

Aus Sicht des Technikers dürfte sich die Abwärtsbewegung nun noch etwas ausweiten – allerdings nur etwas: „Die nächste wichtige und auch signifikante Unterstützung im DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) verläuft im Bereich von 6.880 Punkten. Ein Abarbeiten der Indikatorenlage kann in den kommenden Tagen recht schnell gehen, sodass in der zweiten Novemberhälfte – vorausgesetzt die 6.880-Punkte-Marke hält – mit einer Jahresendrallye gerechnet werden kann“, prognostiziere Geyer.

Ganz ähnlich sehe das der freie technische Analyst Stefan Salomon: Da positive Impulse gefehlt hätten, um die kurzfristig ausgerichteten Investoren zu Käufen zu animieren, steige das kurzfristige Abwärtsrisiko für den deutschen Leitindex an.

„Absicherungsgeschäfte könnten den DAX kurzzeitig bis in den Bereich von 6.800 Punkten drücken. Aus Sicht der übergeordneten Zeitebenen wäre ein solches Szenario jedoch eher eine Kaufgelegenheit. Denn trotz des aktuell kurzfristigen Rücksetzers zeigen die übergeordneten, langfristigen Zeitebenen die Chance an, dass der DAX in den kommenden Monaten auch weiter ansteigen wird“, erläutere der Charttechniker.

So überwiege etwa in den Quartalskerzen der japanischen Chartanalyse – den so genannten „Candlesticks“ – die positive Grundstimmung. „Diese wäre aus Sicht der Quartalskerzen erst vernichtet, sofern der DAX unter das Tief des vergangenen Quartals bei 6.324 Punkten per Quartalsschlusskurs fällt.“

Als erstes Kursziel für das positive Szenario mache Salomon das Allzeithoch aus dem Jahr 2007 bei 8.151 Punkten aus. „Dieses Kursziel muss jedoch nicht das Ende der Fahnenstange sein, da aus Sicht der Trendanalyse die obere Begrenzung des Aufwärtstrend-Kanals das maximale Kursziel darstellt“, zeige sich der Techniker zuversichtlich und ergänzt, dass für das kommende Jahr – je nach Dynamik der Bewegung – ein Anstieg bis 9.000 bzw. 9.500 Punkte möglich sei.

Deutlich pessimistischer schätze hingegen ein Mitarbeiter von der BHF Bank die technische Verfassung der Aktienmärkte ein. „Wir werten die Kursverluste der vergangenen Woche als Auftakt für eine längere Abwärtsbewegung. Das positivste Szenario, dass wir uns im Moment aus technischer Sicht vorstellen können, wäre eine Seitwärtsbewegung bis Januar, der sich erst dann eine Baisse anschließen würde“, fasse der Analyst zusammen.

Charttechnisch sehe der DAX zwar noch etwas besser aus als die US-Indices; vor allem die 200-Tage-Linie, die die meisten wichtigen US-Indices bereits deutlich unterschritten hätten, sei mit aktuell 6.850 Punkten für das deutsche Börsenbarometer noch in weiter Ferne. „Der erste Trendbruch ist jedoch auch beim DAX erfolgt. Ende vergangener Woche wurde der Aufwärtstrend seit Juni nach unten verlassen. Die nächste Unterstützung befindet sich bei rund 6.900 Punkten, was gleichzeitig mein Mindestkursziel bis Anfang Dezember ist“, erkläre der Analyst der BHF-Bank.

Die ohnehin schon optimistische Anlegerstimmung habe sich unterdessen weiter verbessert. Der Bull/Bear-Index sei auf 70,6 Punkte gestiegen, nachdem das Stimmungsbarometer in den vergangenen drei Wochen stabil bei 66,7 Punkten gelegen habe. 6 Prozent der Befragten hätten ihre Short-Positionen verkauft.

Damit bleibe der Index deutlich oberhalb der 50 Punkte, die Optimisten und Pessimisten voneinander trenne. 59 Prozent der 300 von der Börse Frankfurt befragten aktiven Investoren würden mit steigenden Notierungen im DAX rechnen. Das 1 Prozent mehr als in der Vorwoche. Das Bärenlager sei mit 22 Prozent nun 6 Punkte kleiner als noch vor einer Woche. Nicht investiert seien 19 Prozent der befragten Anleger.

Der Bull/Bear-Index messe den absoluten Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (14.11.2012/ac/a/m)