Markttechnik: DAX schnuppert an 7.000-Punkte-Marke

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – Nach der Rally der vergangenen Handelstage steht der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) vor neuen Hürden, so die Deutsche Börse AG.

Das Ziel 7.000 sei nah – die Luft aber schon sehr dünn, würden Analysten der BNP Paribas die technische Lage des deutschen Börsenbarometers zusammenfassen. Zur Wochenmitte notiere der Index knapp behauptet bei 6.950 Zählern.

Insgesamt habe sich das Chartbild zuletzt etwas aufgehellt, so ein technischer Analyst von der BHF-Bank. „Dank einiger Verbal-Interventionen unter anderem von der EZB konnten sich die europäischen Aktienmärkte in den vergangenen beiden Wochen deutlich erholen. Die technische Lage hat sich dadurch zum Teil gebessert.“ So hätten wichtige Indices, wie etwa der EURO STOXX 50 (ISIN EU0009658145/ WKN 965814), ihre 200-Tage-Linie inzwischen deutlich überschritten. „Auch die Dynamik der letzten Bewegung spricht dafür, dass die Aufwärtsbewegung an den europäischen Aktienmärkten noch etwas weiter geht“, ergänze der Techniker.

Christoph Geyer von der Commerzbank betrachte die jüngste Aufwärtsbewegung indes mit Skepsis: „Im Laufe der Anstiegsbewegung der vergangenen Wochen sind Umsatzspitzen immer nur an den Tagen zu beobachten gewesen, die tendenziell im Tagesverlauf schwach oder zumindest von Abgaben geprägt waren. Sobald die Notierungen wieder anzogen, waren die Umsätze rückläufig“, erkläre der technische Analyst. Zwar könne ein Aufwärtstrend so aussehen, die Frage sei aber wie lange. „Wenn es sich hier um eine echte Hausse-Bewegung handeln würde, müsste es eigentlich umgekehrt sein. An freundlichen Tagen würden die Umsätze anziehen und an Korrekturtagen zurückgehen.“

Dennoch gelte aus Sicht von Geyer erst einmal die Regel, das weitere Hochs möglich seien, solange der Trend intakt bleibe. Die 7.000 im DAX als „magische runde“ Zahl scheine noch auf der „Abarbeitungsliste“ der Marktteilnehmer zu stehen. „Vielleicht wollen auch die Tops vom März noch einmal getestet werden. Wenn es darüber hinausgehen soll, muss aber dringend Volumen in den Markt fließen, was mit entsprechender Marktbreite einherginge“, erkläre der Analyst der Commerzbank. Da die Wahrscheinlichkeit dafür aber gering sei, rechne Geyer mit einem signifikanten Tief in den kommenden Monaten.

Auch Holger Struck, technischer Analyst von HS-Livetrading, zeige sich vorsichtig. Beinahe drastisch überkauft habe der DAX die Marke von 6.892 Punkten erreicht und überwunden. „Temporäre Spitzen auch über die 7.000er-Marke hinaus dürften kurzfristig nicht haltbar sein und den DAX einfach zuviel Kraft kosten“, befürchte der Techniker jedoch. Unter 6.892 Punkten sei ein Korrekturindiz gegeben. Rücksetzer bis in den Bereich zwischen 6.460 und 6.408 Punkten wie noch im Juli seien aus Sicht von Struck derzeit aber nicht mehr zu befürchten.

Deutlich schlechter als am deutschen und europäischen Markt sehe nach Einschätzung eines technischen Analysten der BHF-Bank aktuell die Markttechnik für den US-Aktienmarkt aus. „Hier sind zuletzt deutliche Divergenzen innerhalb der Indizes entstanden“, erläutere der Analyst und erwartet in dieser Woche ein abschließendes Hoch. „Dem dürfte sich innerhalb der kommenden Wochen, spätestens ab Mitte September, eine stärkere Abwärtsbewegung anschließen.“

An der ziemlich schlechten Laune der Anleger habe sich seit der Vorwoche unterdessen nicht viel geändert, wie die aktuelle Umfrage der Börse Frankfurt zeige: Gegenüber der Vorwoche falle der Bull/Bear-Index für DAX-Werte leicht von 45,6 auf 43,9 Prozent und damit auf den Stand vor zwei Wochen. Die Marktstimmung befinde sich damit aber immer noch deutlich unter der Optimisten von Pessimisten trennenden 50-Prozent-Linie. 1 Prozent der Befragten sei aus dem Bullenlager abgewandert, 2 Prozent hätten sich ins Bärenlager verzogen.

Der Bull/Bear-Index messe den absoluten Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (08.08.2012/ac/a/m)