Markttechnik echte Erholung nicht in Sicht

Frankfurt (aktiencheck.de AG) – Mal hoch, mal runter – der Zickzackkurs an der Börse findet kein Ende, so die Deutsche Börse AG.

Nach einem erfreulichen Wochenauftakt hätten gestern die Stimmungsindikatoren für Verluste gesorgt: Erst habe die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone belastet, dann der Einbruch des US-Verbrauchervertrauens zu einem Kursrutsch geführt, wenn auch nur zwischenzeitlich. Am heutigen Mittwoch sehe es wieder etwas besser aus, doch der Deutsche Aktienindex DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900) liege immer noch mehr als 20 Prozent unter dem Niveau von Ende Juli.

Nach Ansicht vieler technischer Analysten sei mit einer Erholung vorerst auch nicht zu rechnen. Die Stimmung der Anleger sei übrigens nach wie vor gut, wie die aktuelle Sentimentumfrage der Börse Frankfurt ergeben habe. Sowohl bei den DAX- als auch den TecDAX (ISIN DE0007203275/ WKN 720327)-Werten würden die Bullen in der Überzahl bleiben.

Laut eines technischen Analysten von der BHF-BANK sei die Zeit für einen Wiedereinstieg in den Aktienmarkt noch nicht gekommen. „Im internationalen Konzert ist der DAX der schwächste Kandidat“, erkläre der Charttechniker mit Verweis auf die magerere Erholungsbewegung des deutschen Aktienindex im Vergleich mit den US-Indices und auch dem EURO STOXX (ISIN EU0009658145/ WKN 965814).

„Nach der von Februar bis Juli anhaltenden Topbildungsphase war der Abwärtsimpuls so stark, dass eine monatelange Bodenbildung erforderlich ist.“ Darüber hinaus sei die Stimmung zwar schon recht negativ, nach Kapitulation sehe es aber nicht aus. „Die Stimmungsindikatoren etwa von Sentix oder der Börse Frankfurt halten sich noch erstaunlich gut. Das ist kein Kaufsignal.“

„Die Erholung wird diese Woche auslaufen. Wir werden neue Tiefs sehen“, meine der Analyst daher. Als Kursziel für die nächsten sechs Wochen nenne er 4.780 Punkte. „Mitte September ist der früheste Zeitpunkt für ein Ende der Abwärtsbewegung. Eine mittelfristige Aufwärtsbewegung dürfte sich aber erst ab Dezember entwickeln.“

Sophia Wurm von der Commerzbank sei ähnlich pessimistisch. Der DAX sei im August mit mehreren Verkaufssignalen unter Druck gekommen, durch die Unterstützungsmarke von 7.000 Punkten gefallen und aus dem zentralen Hausse-Trend ausgeschert.

„Als technische Konsequenz ist damit im DAX die 29-monatige Hausse seit dem Frühjahr 2009 beendet. Der Index befindet sich nun in einer mittelfristigen, technischen Gegenbewegung auf die Hausse“, erkläre die Analystin. Bereits die erste technische Phase, die Abwärtsbewegung seit Anfang Mai 2011, weise mit einem Kursrückgang von rund 30 Prozent den technischen Charakter einer Baisse auf.

„Auch wenn sich die mittelfristige Abwärtsdynamik im DAX nach den massiven Kursverlusten der Vorwochen abschwächen sollte, wird das Herausbilden eines tragfähigen technischen Bodens wohl viele Wochen beziehungsweise Monate in Anspruch nehmen“, meine Wurm. Aus kurzfristiger technischer Sicht weise der Aktienindex oberhalb von 5.350/5.400 Punkten eine volatile Stabilisierung auf. „Eine mögliche kurzfristige Erholung sollte den DAX in die Zone zwischen 5.800 und 6.400 aus dem Sommer 2010 zurückführen.“

Die Anleger würden unterdessen optimistisch bleiben, wie die aktuelle Befragung von 300 professionellen Investoren seitens der Börse Frankfurt ergeben habe. Bezüglich der DAX-Werte sei keine große Veränderung gegenüber der Vorwoche zu vermelden, bezüglich der Technologieaktien seien die Investoren etwas skeptischer.

Für den DAX seien wie in der Vorwoche 54 Prozent der Befragten positiver Erwartungen, das Bärenlager der Shortgänger sei dagegen um 2 Prozent der Befragten auf jetzt 24 Prozent angewachsen. Der Bull/Bear-Index zeige sich aber in der Summe mehr oder weniger unverändert bei 66,7 nach 67,8 Prozent in der Vorwoche.

Beim TecDAX habe sich die Einschätzung etwas deutlicher eingetrübt, hier gehe der Bull/Bear-Index von 66,4 auf 59,3 Prozent zurück, liege aber immer noch weit über der neutralen 50-Prozent-Linie. 5 Prozent der Befragten hätten ihre Long-Positionen verkauft, 5 Prozent seien short gegangen.

Der Bull/Bear-Index messe das Maß an Optimismus im Markt. Dafür würden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte würden eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger zeigen. (31.08.2011/ac/a/m)