Politische Unsicherheit schwächt Aktien kurzfristig

Boston (www.aktiencheck.de) – Der Januar war ein guter Aktienmonat, so Sanjay Natarajan, Institutional Equity Portfolio Manager bei MFS Investment Management.

Die Märkte hätten ihren Aufwärtstrend aus dem Dezember fortgesetzt. Zwar würden die Experten für 2013 optimistisch bleiben, doch würde sie ein Rückschlag in den kommenden Monaten nicht überraschen.

Seit die Politik in Europa und in den USA mit Ad-hoc-Maßnahmen die Staatsschuldenkrise und das Problem der Fiskalklippe eingedämmt habe, seien die Aktienkurse gestiegen. Aufgrund der guten Anlegerstimmung sei die Volatilität auf ein Fünfjahrestief gefallen. Der Verkaufsdruck an schwachen Tagen habe nachgelassen, und die Mittelzuflüsse in Aktien hätten zugenommen.

Es würde die Experten aber nicht wundern, wenn die Märkte aufgrund der anhaltenden politischen Unsicherheit in den USA in den kommenden Monaten unter Druck geraten würden. Aber das könne auch eine Chance sein um Aktienpositionen auszubauen. Trotz der Pläne für eine Anhebung der Schuldenobergrenze dürfte die Unsicherheit bestehen bleiben. Die Unternehmen würden Investitionen und Neueinstellungen möglicherweise hinauszögern, mit kurzfristig negativen Folgen für die Gewinne.

Auch in Europa könnten die Risikoprämien von Aktien wieder steigen, etwa bei einem unbefriedigenden Wahlausgang in Italien. In Japan schließlich zweifle man an den langfristigen Wirkungen der jüngsten Konjunkturprogramme und den Maßnahmen zur Schwächung des JPY. Denn noch immer würden den Experten die schlechten Fundamentaldaten der Unternehmen Sorgen machen.

Aufgrund der derzeitigen Probleme in den Industrieländern müsse man über Umschichtungen von den USA und Europa in die Emerging Markets bzw. nach Asien nachdenken. Da die Unternehmensgewinne langfristig steigen würden, würden die Experten Emerging-Markets-Aktien immer optimistischer einschätzen, zumal sie in den letzten drei Jahren hinter Industrieländer-Aktien zurückgeblieben seien. Wenn die wieder stärkere Konjunktur die Gewinne steigen lasse, sei die Zeit ihrer Ansicht nach reif für ein Comeback. Nach Angaben von Morgan Stanley seien die wöchentlichen Mittelzuflüsse in Emerging-Markets-Fonds auf rekordverdächtige 7 Mrd. USD gestiegen. Zum Vergleich: In US-Aktienfonds seien zuletzt 10 Mrd. USD geflossen.

Auf Sektorebene würden die Experten weiter auf konjunktursensitive Titel sowie auf Branchen setzen, die aller Voraussicht nach von einem stärkeren Wachstum in den USA und einem Aufschwung in China profitieren würden. Finanzaktien, insbesondere europäische, hätten im letzten Jahr große Fortschritte gemacht. Aber einige der positiven Einmaleffekte, etwa der Rückgang der Extremrisiken, seien in den Kursen mittlerweile berücksichtigt. Deshalb würden die Experten jetzt stärker auf Energie- und Grundstoffwerte bauen, die von steigenden Investitionen und Einkaufsmanagerindices profitieren dürften.

Bereits im Oktober und November 2012 seien die Auftragseingänge für Investitionsgüter gestiegen. Im Jahr 2013 könnten sie durchaus im mittleren einstelligen Bereich zulegen. Hersteller von Konsumgebrauchsgütern und Industriewerte hätten bereits gute Fortschritte gemacht, sodass ihre Aktien jetzt nicht mehr so interessant erscheinen würden. Der attraktiv bewertete Gesundheitssektor könnte sich für defensive Investoren anbieten – auch aufgrund der nicht allzu hohen Erwartungen.

Der Konjunkturausblick scheine etwas besser zu sein als vor einem Jahr. Die Gewinnrevisionen würden allmählich ihren Tiefpunkt erreichen, und die Extremrisiken seien zurückgegangen. Die Risikoabschläge seien noch immer hoch, was die Märkte in diesem Jahr attraktiv mache. Die Experten würden sich für einen möglichen kurzfristigen Rückschlag wappnen. Noch wichtiger sei aber, dass sie sich sehr genau mit den nächsten Quartalsergebnissen befassen würden – in der Hoffnung, dass sie ihren positiven Langfristausblick für die Märkte bestätigen würden. (19.02.2013/ac/a/m)