Polnische Konjunktur bremst ab

Frankfurt (www.aktiencheck.de) – In Polen kam es 2012 zu einer Verlangsamung des realen BIP-Wachstums auf 2% gegenüber dem Vorjahr, so die Analysten der Helaba.

Manche Ursache dafür dürfte auch 2013 noch spürbar sein. So würden die im Verlauf von 2012 gestiegene Arbeitslosenquote und das niedrigere Konsumentenvertrauen darauf hindeuten, dass der private Verbrauch verhalten bleiben werde. Auch die Bruttoanlageinvestitionen würden 2013 voraussichtlich keine starke Dynamik entfalten. Hier sei zuletzt 2011 aufgrund der Vorbereitungen zur Fußball-EM 2012 ein kräftiges Wachstum erzielt worden. Insgesamt dürfte der Zuwachs beim BIP 2013 zum ersten Mal seit dem Krisenjahr 2009 unter 2% liegen (+1,7%), bevor 2014 wieder ein Wert oberhalb dieser Marke erzielt werden dürfte. Im EU-Vergleich bleibe das Land damit aber weiter überdurchschnittlich. Ein Lichtblick sei die zuletzt wieder etwas bessere Entwicklung der Einzelhandelsumsätze.

Auch die auf Konsolidierung ausgerichtete Haushaltspolitik trage dazu bei, dass der Konjunkturschwung verhalten bleibe. Denn nach einem Defizit von rund 5% 2011 und 3,7% 2012 solle baldmöglichst die Maastricht-Grenze von maximal 3% des BIPs erreicht werden. 2013 werde dies – zumal bei konjunktureller Verlangsamung – allerdings noch außer Reichweite liegen.

Im Januar habe die polnische Regierung die Vereinbarung mit dem IWF über eine Flexible Credit Line (FCL) erneuert. Das Arrangement umfasse knapp 34 Mrd. US-Dollar und habe eine Laufzeit von zwei Jahren. Es diene der Liquiditätssicherung, der Beruhigung der Finanzmärkte und so letztlich der Wahrung günstiger Zinskonditionen für Polen. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen sei im Verlauf von 2012 kontinuierlich gesunken und liege derzeit bei rund 4%. Die FCL solle, wie bereits bei den vorangegangenen Vereinbarungen, nicht angetastet werden.

Über die Euro-Einführung werde in Polen voraussichtlich nicht vor 2015 entschieden. Dann stünden die nächsten Parlaments- und Präsidentenwahlen an. Die geldpolitische Eigenständigkeit noch eine Weile zu bewahren dürfte dabei ebenso ein Argument sein wie die Aussicht, als Mitglied der Eurozone gegebenenfalls Not leidenden Kollegen finanziell unter die Arme greifen zu müssen. In den vergangenen Jahren habe Polen eine eigenständige Geldpolitik umgesetzt. Dies zeige der Leitzins, der sich – anders als in Tschechien – deutlich gegen den Euro-Trend bewegt habe. Derzeit liege er nach mehreren Senkungen bei 3,75%. Für weitere Zinsschritte zur Stützung der Konjunktur sei bei der aktuellen Inflationsrate von unter 2% (Inflationsziel: 2,5%) noch Spielraum.

Bei den Verhandlungen über den neuen EU-Finanzrahmen 2014 bis 2020 habe Polen trotz des schrumpfenden EU-Haushalts Zusagen über höhere Zuschüsse von 4,5 Mrd. Euro (insgesamt rund 106 Mrd. Euro = rund 6,5% des BIP) erhalten. Inwieweit diese Mittel absorbiert würden und so zu einem stabilen Wachstum beitragen könnten, werde entscheidend von der Effizienz der dafür notwendigen Planungs- und Verwaltungsprozesse abhängen. (21.02.2013/ac/a/m)