Russland: Noch keine Anzeichen einer Konjunkturbelebung

Frankfurt (www.fondscheck.de) – Es mehren sich die Anzeichen, dass sich im vierten Quartal 2012 die Wachstumsverlangsamung in Russland fortgesetzt hat, nachdem bereits das dritte Quartal enttäuschend verlaufen war, so die Analysten der DekaBank.

Der Einkaufsmanagerindex im Verarbeitenden Gewerbe sei im Dezember um 2,2 Punkte auf 50,0 zurückgegangen, was auf eine weitere Verlangsamung der Wachstumsdynamik in der Industrie hindeute. Der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor habe ebenfalls einen Rückgang verzeichnet, er liege mit 56,1 aber noch immer auf hohem Niveau. Die Inlandsnachfrage werde von strafferen Kreditbedingungen gebremst, die sowohl die Investitions- als auch die Konsumtätigkeit belasten würden. Hinzu kämen der Inflationsanstieg im letzten Sommer und eine restriktivere Fiskalpolitik. Die Analysten würden erwarten, dass die Konjunktur ab dem zweiten Quartal wieder anziehe. Eine Belebung der Weltwirtschaft sollte hier ebenso helfen wie die Beruhigung bei der Preisentwicklung. Für das Jahr 2013 würden die Analysten ein BIP-Wachstum von 3,1% erwarten.

Bei der Inflationsentwicklung sei zuletzt eine Entspannung zu beobachten gewesen. Nach den starken Anstiegen der Verbraucherpreise im Sommer verharre die Inflationsrate nun bereits seit Oktober bei rund 6,5%, und damit leicht oberhalb des Inflationsziels der Zentralbank von 5 bis 6%. Die Normalisierung der Inflationsentwicklung habe in Verbindung mit der Wachstumsverlangsamung dazu geführt, dass die Russische Zentralbank im Dezember ihre Leitzinsen nicht erneut angehoben und eine neutrale Haltung bei der Geldpolitik signalisiert habe. In den kommenden Monaten würden die Analysten in Russland keine Änderungen beim Leitzinsniveau erwarten.

Die Wirtschaft habe sich nach der Krise 2008-2009 erholt. Das Wachstumspotenzial sei heute allerdings im Vergleich zu den Boom-Jahren 2000-2007 deutlich niedriger: ca. 3,5% bis 4% p.a. heute gegenüber ca. 7% im Schnitt in den Vorkrisenjahren. Das liege daran, dass die „leichten“ Wachstumsquellen wie die Inbetriebnahme unausgelasteter Kapazitäten bereits ausgeschöpft seien, so dass heute ein höherer Wachstumspfad nur durch mehr Investitionen, Diversifizierung und Modernisierung der Wirtschaft erreicht werden könne. Die Investitionen seien derzeit allerdings aufgrund des schlechten Geschäftsklimas (Rang 112 von 185 in „Doing Business“-Indikator) und der hohen Korruption (Rang 143 von 183 in „Corruption Perception Index“) unattraktiv. Reformen zur Verbesserung des Geschäftsklimas würden immer wieder angekündigt, tatsächliche Fortschritte seien jedoch kaum zu sehen.

Die Staatsverschuldung sei gering (ca. 12% des BIP). In 2012 habe der Staatshaushalt vom komfortablen Niveau der Ölpreise profitieren können und dürfte mit einem Defizit von 0,3% des BIP nahezu ausgeglichen gewesen sein. Die Anfälligkeit des Staatshaushalts für starke Ölpreisänderungen sei in den letzten Jahren aber deutlich angestiegen. Der durchschnittliche Ölpreis, bei dem der Staatshaushalt gerade ausgeglichen sei, liege aktuell bei ca. 115 US-Dollar per Barrel. Die Reformen zur Förderung der wirtschaftlichen Diversifizierung würden zwar immer wieder diskutiert. Anders als bei der Anhebung von Gehältern und Renten könne die russische Führung im Bereich von Strukturreformen aber keine Erfolgsgeschichte vorweisen. (22.01.2013/fc/a/m)