RWE: Vielfältige Hoffnungen und begrenzte Perspektiven bei deutschen Versorgern

Essen (www.aktiencheck.de) – Der Analyst Markus Glockenmeier von der National-Bank AG rät weiterhin die RWE-Aktie (ISIN DE0007037129/ WKN 703712) zu halten.

Die Aktien von E.ON (ISIN DE000ENAG999/ WKN ENAG99) und besonders RWE hätten seit September deutlich zugelegt und insbesondere in den letzten Tagen nochmals einen Schub erhalten. Für die Kurserholung dürften im wesentlichen eine Korrektur der Underperformance gegenüber dem Sektor und dem Gesamtmarkt sowie Hoffnungen auf bessere Rahmenbedingungen verantwortlich sein.

Bis zur Jahresmitte hätten E.ON und RWE deutliche Kursverluste aufgewiesen, wogegen die europäische Konkurrenz und hier insbesondere die französischen Versorger sowie auch der Gesamtmarkt kräftige Gewinne verzeichnet hätten. Im August seien die Tiefstkurse erreicht worden und die Aktien hätten selbst auf negative Meldungen (z. B. Dividendenhalbierung bei RWE) kaum noch reagiert, was eine Bodenbildung nahe lege. U. a. aufgrund der Underperformance gegenüber anderen Versorgeraktien in Europa hätten einige Analysten ein gewisses Nachholpotenzial gesehen und ihre bisher meist negativen Einstufungen auf „neutral“ erhöht.

Auch die deutlich gestiegenen Chancen auf eine große Koalition im Bund hätten Unterstützung geboten. Das „Horrorszenario“ einer Rot-Rot-Grünen Regierung scheine abgewendet zu werden und auch eine Schwarz-Grüne Regierung scheine -trotz gewisser Annäherung – wenig wahrscheinlich. CDU, SPD und auch Grüne wollten das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) reformieren, doch dürfte eine Änderung durch eine große Koalition im Vergleich zu Schwarz-Grün versorgerfreundlicher ausfallen. Ebenso hätten Überlegungen der EU-Kommissare Almunia und Oettinger zur positiven Aktienstimmung beigetragen, denn beide würden die deutsche Ökostromförderung kritisieren und teils drastische Reformen vorschlagen.

Hinsichtlich vielfältiger Hoffnungen auf eine versorgerfreundliche Revision der Energiewende würden die Analysten skeptisch bleiben und daher an ihrer verhaltenen und vorsichtigen Einstellung zu den deutschen Versorgern festhalten. RWE und E.ON hätten ihre massive Underperformance etwas korrigiert, aber am schwierigen Umfeld habe sich nichts geändert, und die Hoffung auf Besserung besitze bisher keine wirkliche Grundlage.

Die deutschen Versorger würden unter nachgebenden Strompreisen an den Börsen leiden, maßgeblich ausgelöst durch den kräftigen Anstieg der Ökostromproduktion. Entsprechend habe der Preis für die MWh (2015) seit Mitte 2011 rund 38% nachgegeben (18% seit Jahresbeginn). Die zwischenzeitliche leichte Erholung im September sei schon wieder verflogen und die Preise würden wieder abwärts tendieren. Infolgedessen würden die Ertragsaussichten für die Stromerzeugung negativ bleiben. Die Versorger würden ihre Produktion mehrere Jahre im Voraus verkaufen, sodass sich momentan noch relative hohe Preise aus der Vergangenheit auswirken würden, doch die niedrigen Preise würden künftig immer mehr durchschlagen, zulasten des durchschnittlichen Verkaufpreises.

Eine Revision des EEG sei dringend notwendig, denn die Kosten zur Ökostromförderung, die die Verbraucher tragen würden, seien aus dem Ruder gelaufen (allein rund 20 Mrd. EUR in diesem Jahr), und der Mechanismus sei nicht mehr zeitgemäß. Die Reformierung des EEG dürfte jedoch sehr schwierig werden, da auch Länderinteressen mit eingezogen werden müsten. Käme eine große Koalition im Bund zustande, die sich auf Verbesserungen verständige, könnte immer noch der Bundesrat dagegen schießen bzw. Maßnahmen abmildern. Denn in den großen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg seien die Grünen in Regierungsverantwortung und in den Neuen Bundesländern seien beispielsweise viele Solarbetriebe angesiedelt.

Eine Neufassung des EEG dürfte somit schwierig werden. Die primär beabsichtigte Kostenreduzierung müsse nicht notwendigerweise dem Strompreis bzw. den Versorgern zugute kommen. Eine schnelle Lösung wäre wünschenswert, sei aufgrund der Komplexität aber kurzfristig unwahrscheinlich. Infolgedessen dürften Hoffungen auf eine schnelle Verbesserung der aktuell schwierigen Situation enttäuscht werden.

Solange sich die Rahmenbedingungen und damit der Strompreis nicht wesentlich verbessern würden, werde der Bereich Stromerzeugung bei RWE und E.ON unter Ertragsdruck bleiben. Die Unternehmen würden versuchen, mit Kostensenkungen und Effizienzsteigerungsmaßnahmen gegenzusteuern, dennoch würden sich die Gewinnrückgänge in der Stromerzeugung in den Konzernergebnissen widerspiegeln. Letztere würden in den nächsten Jahren bei E.ON leicht bzw. bei RWE deutlich zurückgehen, wodurch bei anhaltend hoher Verschuldung auch die Dividenden weiter unter Druck stünden.

Resümierend bleiben die Analysten der National-Bank AG vorsichtig, bestätigen ihre „halten“-Empfehlung für die RWE-Aktie und erwarten weiterhin volatile Aktienkurse. (Analyse vom 11.10.2013) (11.10.2013/ac/a/d)

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