Siemens: Aussagen nähren Zuversicht und treten Skepsis entgegen

Hamburg (www.aktiencheck.de) – Der Analyst von SRH AlsterResearch, Oliver Drebing, bewertet die Siemens-Aktie (ISIN DE0007236101/ WKN 723610) nach wie vor mit „kaufen“.

Der zum Dezember-Quartal vermeldete Datenkranz falle gegenüber den zuvor genannten Erwartungen per saldo positiv aus. Im Gegensatz zu den Berichtspräsentationen Anfang letzten Jahres fehle jedes alarmierende Element; die Irritationen, die sich im Verlauf von 2012 auch im Auftreten der Siemens-Führung eingeschlichen hätten, seien nach dem Eindruck der Analysten gewichen. Eine kontrollierte Bereinigung der offenen Flanken stehe 2013 und 2014 an. Für die Wahrnehmung der Aktie würden die Analysten starken Auftrieb erwarten.

Siemens strebe als Ergebnisziel des „Übergangsjahres“ 2013 unverändert zwischen 4,5 und 5,0 Mrd. EUR an. Sofern sich das Konjunkturbild in Europa nicht wieder dramatisch verdunkle, sollte das obere Ende dieser Spanne erreicht werden. Der ICE3 – für dessen nochmals verspätete Auslieferung in Q1 Belastungen von 116 Mio. EUR verbucht worden seien – werde dem genauso wenig im Wege stehen wie die Problematik der Offshore-Anbindung.

Die ansonsten bei Power Transmission im Vordergrund stehenden Anpassungsnotwendigkeiten würden sich auf kapazitätsbedingte Problematiken (Hochspannungsschaltanlagen, Transformatoren) beziehen, die in der Zielgröße voll berücksichtigt seien. Iran-Sanktionen haben in Q1 keine dem Q4/2012 vergleichbare Verzerrung ausgelöst (Quartalseffekt: 46 Mio. EUR); auch an dieser Front scheinen die Risiken vorerst abgebildet, so die Analysten von SRH AlsterResearch.

Die temporäre Schwäche bei Oil & Gas beruhe auf einer konjunkturell bedingten Kundenzurückhaltung bei Industrieturbinen. Ohnehin außerhalb der Zielgröße würden Belastungen erfasst, die aus der Abarbeitung eines Solarprojekts in Spanien herrühren würden (im Berichtsquartal Verlust operativ und aus Wertminderungen von 150 Mio. EUR).

Wesentlich für die Ergebnisentwicklung werde die Auslastung des zyklischen Industrieautomatisierungsgeschäfts. Seit April 2012 weise das Bestellverhalten für die Ausrüstung von Werkzeugmaschinen aus dem mittelständischen Innovations- und Produktionsgürtel Europas (Skandinavien, Benelux, Deutschland, Nord-Italien) große Zurückhaltung auf. Gerade die extrem frühzyklischen Aufträge für antriebsbasierte, direkt in das Antriebssystem integrierte Bewegungsführung (Motion control) würden die höchsten Margen beider Divisionen leisten (Industry Automation und Drive Technologies).

Die Schwäche der Kundennachfrage aus der Fertigungsindustrie habe ergebnisseitig nicht durch die sehr gute Umsatztätigkeit mit der Prozessindustrie (Chemie, Stahl, Zement; spät-zyklisches Geschäft) kompensiert werden können, geschweige denn durch Aufträge für Windrad-Getriebe, die preislich schlecht gestellt seien und die ohnehin mit der neuen Generation getriebefreier Windenergieanlagen auslaufen würden. Eine konjunkturelle Stabilisierung in Europa wiederum bilde den Hebel für ein gänzlich höheres Ergebnisniveau der Siemens-Aktie.

Die Ergebniszielgröße von 4,5 bis 5,0 Mrd. EUR (2012: 5,2 Mrd. EUR) berechne nicht nur die Belastungen aus der Verbuchung von erhöhtem Pensionsaufwand und Restrukturierungskosten von 1,0 Mrd. EUR ein, sondern stehe auf Grundlage einer recht skeptischen Konjunkturerwartung, welche die Analysten so zu keinem Zeitpunkt geteilt hätten. So kommuniziere Siemens seit längerem, dass Chinas Wirtschaft erst wieder in der 2. Jahreshälfte 2013 an Dynamik zulegen werde.

Optimistisch würden die Analysten der Börsennotierung von Osram entgegensehen; tatsächlich seien die Herausforderungen aus der Verlagerung zur halbleiterbasierten LED-Technologie und damit der Wandel der Wertschöpfung groß. Doch der „Pure Play“ werde eine Bereicherung für den Technology-Investoren.

Das Kursziel für die Siemens-Aktie behalten die Analysten von SRH AlsterResearch mit 92 EUR bei und bestätigten das Anlageurteil „kaufen“. (Analyse vom 23.01.2013) (24.01.2013/ac/a/d)