Solarword bald Konkurs?

Westerburg (www.aktiencheck.de) – Gar nicht gut stehen die Vorzeichen derzeit für die Solarworld-Aktie. Dies zeigt
nicht nur der Kursverlauf. Nach Spitzenkursen von knapp 48 Euro Ende 2007
erfolgte der jähe Absturz. Derzeit notiert der einst gefeierte Börsenstar als
Pennystock gerade mal noch bei 0,85 Euro.
Die Billigkonkurrenz aus China macht dem Solarhersteller weiterhin schwer zu
schaffen. Der massive Preisrückgang von 40% auf den Weltmärkten hatte zu
einem Umsatzrückgang von 42% von 1044,9 Mio. Euro in 2011 auf 606 Mio. Euro
im vergangenen Geschäftsjahr 2012 geführt. Das Konzernergebnis sank 2012 auf
-476,9 Euro gegenüber -307 Mio. EUR in 2011. Dabei verzeichnete die
Gesellschaft einen Fehlbetrag, der nicht durch das Eigenkapital gedeckt ist in
Höhe von -38 Mio. Euro. Umgangssprachlich bedeutet dies die Pleite des
Unternehmens, wenn sich die Ertragslage nicht deutlich verbessert oder die
Anteilseigner frisches Geld in die Unternehmenskassen nachschießen sollten. Mit
einer massiven Verbesserung der Ertragslage ist kurzfristig wohl nicht zu rechnen,
frisches Geld von den Aktionären ist wohl auch nicht zu erwarten. Großaktionär
und Konzernlenker Frank Asbeck jedenfalls hat sich lieber ein Schloss in
Remagen gekauft, als sein Geld in das krisengeschüttelte Solarunternehmen zu
stecken. Stattdessen appelliert er derzeit an seine Gläubiger, um diesen einen
Schuldenschnitt abzuringen. 60 Prozent der Schulden sollen nach seinen Plänen
in neue Aktien umgewandelt werden, um den drückenden Schuldenberg zu
reduzieren. Der Schuldenschnitt würde auch zu Lasten der Aktionäre gehen, diese
würden im Rahmen dieser Rettungsaktion 95% ihres Anteils an die Solarworld-
Gläubiger verlieren. Die vergangene Woche erfolgten Versammlungen der
Anleihegläubiger erbrachten wegen der geringen Anwesenheitsquote jeweils keine
Beschlussfähigkeit. Bei der 2017 auslaufenden Anleihe waren lediglich 7,5% der
Gläubiger, bei der 2016 fälligen Anleihe sogar nur 4,6% vertreten. Für die
Beschlussfähigkeit hätten mindestens 50% der Gläubiger anwesend sein müssen.
In der zweiten Runde der Gläubigerversammlungen wird das Quorum jedoch
aufgehoben. Insofern gilt die Annahme des Rettungsplans als wahrscheinlich, die
Alternative wäre ja schließlich auch die Insolvenz des Unternehmens und damit
der Totalverlust sowohl für Aktionäre als auch Gläubiger. Die Umsetzung des
Rettungsplans allerdings kommt einem Totalverlust auch schon ziemlich nahe.
Schließlich müssen die Aktionäre rund 95% ihrer Anteile an die Gläubiger
abtreten. So kommen die Analysten derzeit auch zu einem wenig zuversichtlichen
Urteil. Analyst Stefan Wulf von Warburg Research hatte seine Einschätzung
zuletzt von „Halten“ auf „Verkaufen“ abgestuft. Das Kursziel hat der Experte von
1,10 Euro auf 0,08 Euro massiv reduziert. Desaströs sei das Geschäftsjahr 2012
verlaufen. Grund für die Abstufung sei die massive Verwässerung durch die
Umwandlung von Schulden in Eigenkapital im Rahmen des Rettungsplans.
Ebenfalls Verkaufen lautet die Einschätzung von Independent Research. Analyst
Sven Diermeier verweist auf die noch schwächer als erwartet ausgefallene Bilanz
des Solarkonzern. Trotz des schwachen Branchenumfelds erwartet der Experte
eine erfolgreiche Restrukturierung. Das Kursziel von Independent Research für die
Solarworld-Aktie lautet 0,50 Euro. (27.05.2013/ac/a/t)