ThyssenKrupp: Heiße Phase vor der Kapitalerhöhung

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) – Der Analyst vom Bankhaus Lampe, Marc Gabriel, bekräftigt seine Kaufempfehlung für die Aktie von ThyssenKrupp (ISIN DE0007500001/ WKN 750000).

Die Q3-Ergebnisse seien auf bereinigter Ebene besser als erwartet ausgefallen und die Prognose für das laufende Geschäftsjahr von rund 1 Mrd. EUR bereinigtem EBIT (9M: 802 Mio. EUR) sei bestätigt worden. Die Analysten würden unverändert davon ausgehen, dass der Konzern die Probleme in den kommenden Monaten lösen werde, was der Aktie Auftrieb geben sollte. Daher würden sie trotz einiger Risiken ihre Kaufempfehlung auf Jahressicht bestätigen.

Im Juli hätten die Analysten noch drei Hürden für den Konzern gesehen. Inzwischen stelle sich eine weitere Hürde in den Weg, da sich das Verhältnis der Nettofinanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) auf 186% erhöht habe und sich bis Ende September auf 150% belaufen müsse, bevor rund 3,3 Mrd. EUR Kredite gekündigt würden. Daher werde eine kleine Kapitalerhöhung wohl noch im laufenden Geschäftsjahr erfolgen. Zum Dreivierteljahr habe die EK-Quote der ThyssenKrupp-Aktionäre nur 6,1% (inkl. Minderheiten: 8%) betragen. Für den Kapitalmarkt dürfte die Eigenkapitalausstattung das entscheidende Thema sein. Die Analysten würden folgende Szenarien sehen, mit denen das Gearing unterhalb der Grenze bleiben dürfte:

1. ThyssenKrupp erhöhe das Kapital um 10% (750 bis 850 Mio. EUR Cashgenerierung) und erhöhe damit die EK-Quote auf mindestens 8,8% (bzw. 10,7%).

2. ThyssenKrupp verkaufe Steel Americas und halte ein Drittel an dem Werk in Brasilien mit einem Cash-Zufluss von 2 Mrd. EUR:

2.1. ohne Kapitalerhöhung: die EK-Quote steige auf 8,4% (bzw. 8,7%)
2.2. mit Kapitalerhöhung: die EK-Quote steige auf 10,5% (bzw. 10,8%)

Da sich der Verkauf der Überseewerke weiter verzögere, bleibe wohl nur die Kapitalerhöhung als kurzfristige Lösung, um Gefahren abzuwehren. ThyssenKrupp dürfte die Verhandlungstaktik der brasilianischen CSN (als dem bevorzugten Bieter für beide Übersee-Werke) missfallen, da man den Vertrag eigentlich bereits abgeschlossen haben wollte, so die Analysten vom Bankhaus Lampe. Die Kapitalerhöhung (die Analysten würden konservativ mit 750 Mio. EUR Zufluss rechnen) dürfte unter Ausschluss des Bezugsrechts im Idealfall an einen großen Investor (z.B. RAG-Stiftung?) platziert werden.

Das unveränderte Kursziel der Analysten von 19,00 EUR basiere aktuell auf Szenario 2.1. (ohne KE). Komme nur die KE (Sz. 1), reduziere sich der faire Wert um rund 2,00 EUR, kämen die KE und der Verkauf von Steel Americas noch im laufenden GJ (SZ: 2.2.), reduziere sich der faire Wert der Aktie um rund 0,50 EUR.

Ein Kauf der ThyssenKrupp-Aktie bleibt aktuell spekulativ, so die Analysten vom Bankhaus Lampe. Jedoch dürfte die Aktie mit jedem erfolgreichen Hürdensprung positiv reagieren. (Analyse vom 16.08.2013) (16.08.2013/ac/a/d)