thyssenkrupp: Kostensenkungsprogramm „Impact“ trägt Früchte – Neue Symbolik

Detmold (www.aktiencheck.de) – Die Experten vom „Frankfurter Tagesdienst“ stufen die Aktie von thyssenkrupp (ISIN: DE0007500001, WKN: 750000, Ticker-Symbol: TKA, Nasdaq OTC-Symbol: TYEKF) mit dem Rating „kaufen“ ein.

Heute habe der Stahl- und Technologiekonzern das Zahlenwerk zum abgelaufenen Geschäftsjahr (bis 30. September) gezeigt: Das bereinigte EBIT sei um 26 Prozent auf 1,67 Milliarden Euro gesteigert worden. Das Umsatzwachstum habe 4 Prozent auf 42,78 Milliarden Euro betragen, begünstigt durch die Wechselkursentwicklung. Der Auftragseingang habe infolge der Euro-Abschwächung bei 41,3 Milliarden Euro konstant gehalten werden können.

Dass der Konzern unter dem Strich wieder im Bereich schwarzer Zahlen gelandet sei, werde auch dem Kostensenkungsprogramm „Impact“ verdankt; den operativ wichtigsten Beitrag habe aber erneut das gut laufende Geschäft mit Aufzügen und Rolltreppen geleistet.

So habe sich beim Nettogewinn eine Verbesserung von 212 auf 309 Millionen Euro (Anteil der thyssenkrupp-Aktionäre) ergeben. Im fortgeführten Geschäft sei es sogar eine Steigerung von 26 auf 320 Millionen Euro gewesen. Es seien beeindruckende Steigerungsraten, die aber nicht über den eigentlichen geschäftlichen Kern hinwegtäuschen könnten: Dieser bestehe aus einer EBIT-Marge von 3,9 Prozent sowie einer Nettogewinnmarge von rund 0,8 Prozent.

Zu bewerten sei auch eine veränderte Symbolik. Gestern sei das Logo vor der Zentrale in Essen entfernt worden, zur Bilanzvorlage habe Konzernchef Heinrich Hiesinger heute vor einem neuen Emblem auftreten können. Rund 20 Jahre lang habe sich der Thyssen-Bogen über den Krupp-Ringen gespannt, ein Sinnbild für die Fusion zweier Traditionskonzerne. Für das neue Logo sei der Bogen abgespeckt worden, die Ringe habe man vergrößert. Ein großer Wurf?

Hinzu komme die veränderte Schreibweise: Im offiziellen Stil sehe man nun „thyssenkrupp“, ganz im Stil einer früheren Kleinschreibungsmode, mit deren Wiederbelebung eigentlich nicht zu rechnen gewesen sei. Die Botschaft dieser orthografischen Änderung sei allerdings nachvollziehbar: „Wir sind eins!“ Der abgeflachte Bogen im Logo symbolisiere wohl die Story vom schlanken Konzern, aber auch den Abschied von Traditionen.

Der ehemalige Siemens-Mann Heinrich Hiesinger, der bei thyssenkrupp seit Januar 2011 das Zepter trage, gelte im Konzern als Krisenbewältiger; seine neue Amtszeit reiche bis 2020. Möglicherweise sei Hiesingers Werk mit dem neuen Symbol schon gekrönt worden. Aus Anlegersicht sei aber die strategische Frage entscheidend, sie ziele auf eine mögliche Teilung des Konzerns. Hiesinger selbst halte am Ideal eines diversifizierten Industriekonzerns fest. Die These, dass dies optimal sei, sei aber auch durch die heutigen Jahreszahlen nicht untermauert worden. Dazu der Blick auf die Konzernsegmente:

Die zwei Segmente der Stahlproduktion (Steel Europe und Steel Americas) hätten gemeinsam für 10,5 (Vorjahr: 10,9) Milliarden Euro Umsatz gesorgt. Das Geschäft in Europa habe sich verbessert, dort sei das bereinigte EBIT von 221 auf 492 Millionen Euro gestiegen. In Nord- und Südamerika sei das Defizit gewachsen (bereinigtes EBIT: von -68 auf -138 Millionen Euro).

„Material Services“ (z.B. Rohwarenhandel, Vertrieb von Industriematerialien usw.) habe Erlöse von 14,3 (Vorjahr: 13,7) Milliarden Euro gebracht, hier sei das bereinigte EBIT leicht von 212 auf 206 Millionen Euro abgerutscht. Stabil sei die Sparte „Industrial Solutions“ mit Erlösen in Höhe von 6,3 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT von 424 Millionen Euro geblieben, hier gehe es um Anlagen für Erdöl- und Zementindustrie sowie Minenausstattung.

Ein lukrativer Bereich sei „Components Technology“ (Automotive- und Industrie-Komponenten). Der Umsatz sei darin von 6,2 auf 6,8 Milliarden Euro erhöht worden, das Ergebnis sei von 268 auf 313 Millionen Euro gestiegen. Spitzenreiter bleibe aber die „Elevator Technology“ (Aufzugssysteme und Rolltreppen inklusive Wartung). Hier sei der Umsatz von 6,4 auf 7,2 Milliarden Euro gewachsen, das bereinigte EBIT habe man von 674 auf 794 Millionen Euro verbessern können.

Der Ausblick sei von Sorgen zur Weltwirtschaft und schwachen Stahlpreisen geprägt gewesen, die unter Ausfuhrdruck aus China stünden. Dennoch solle der Gewinn deutlich steigen. Bei der Dividendenpolitik bleibe aber Defensive angesagt, sie steige von 0,11 auf 0,15 Euro je Aktie und sei zu vernachlässigen.

Von einer eventuellen positiven Weiterentwicklung möchten die Experten vom „Frankfurter Tagesdienst“ profitieren, das Stop-Buy bei der thyssenkrupp-Aktie liegt nun bei 20,40 Euro. (Ausgabe 47 vom 19.11.2015)

Die vollständige Ausgabe des Frankfurter Tagesdienstes können Sie unter dem folgenden Link beziehen: www.frankfurter-boersenbriefe.de (20.11.2015/ac/a/d)

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