ThyssenKrupp: Realistisches EBIT-Ziel von mindestens 1,5 Mrd. EUR – Aktienanalyse

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) – Marc Gabriel, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie der ThyssenKrupp AG (ISIN: DE0007500001, WKN: 750000, Ticker-Symbol: TKA, Nasdaq OTC-Symbol: TYEKF) weiterhin mit dem Rating „halten“ ein.

ThyssenKrupp habe bei der Vorlage der Bilanz 2013/14 eine nach Erachten der Analysten realistische Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2014/15 abgegeben. Der Konzern peile ein bereinigtes EBIT von mindestens 1,5 Mrd. EUR an (BHLe: 1,59 Mrd. EUR). Das mittelfristige Mindest-EBIT-Ziel betrage 2 Mrd. EUR, das die Analysten spätestens in zwei Jahren für realisierbar erachten würden.

CEO Dr.-Ing. Heinrich Hiesinger sehe den Konzern trotz der Verbesserungen beim adj. EBIT (mehr als verdoppelt auf 1,3 Mrd. EUR in 2013/14) noch nicht am Ziel. Nachdem sein Vertrag bis 2020 verlängert worden sei, dürfte er mit Nachdruck daran arbeiten, einen nachhaltig deutlich positiven FCF zu erwirtschaften, um die Wachstumsgeschäfte zu finanzieren und um eine solide Dividende (HV-Vorschlag 0,11 EUR je Aktie) zahlen zu können.

Dazu seien mindestens 2 Mrd. EUR adj. EBIT erforderlich. So solle die Marge von Components Technlogy (CT) von aktuell 4,3% auf 6 bis 8%, die von Elevator Technology (ET) von 10,5% um 0,5 bis 0,7 Pp auf langfristig 15% gesteigert und die Marge bei Industrial Solutions (IS) zwischen 6 und 7% ( 2013/14a: 6,7%) stabil gehalten werden, wobei IS den Umsatz auf 8 Mrd. EUR (CAGR: 5%, 2013/14a: 6,3 Mrd. EUR) steigern solle. Für die Werkstoffaktivitäten (MX, SE und SA) dürfte nach Erachten des Analysten das formulierte Ziel für Steel Europe, nämlich über den Zyklus hinweg wieder nachhaltig mehr als die Kapitalkosten verdienen, allgemein gültig sein. Erreichen wolle der Konzern dies mit den Effizienzprogrammen, die bis zu 2,5 Mrd. EUR (davon 1,6 Mrd. EUR bereits umgesetzt) Kosten einsparen sollten.

Fortschritte habe der Konzern beim Abbau der Verschuldung (besseres Working-Capital-Management) gemacht, die sogar um 1,5 Mrd. EUR auf 3,5 Mrd. EUR (BHLe 3,9 Mrd. EUR) habe reduziert werden können. Entsprechend stark sei der FCF mit 799 Mio. EUR gewesen (BHLe: 302 Mio. EUR). Für das laufende Jahr solle der FCF (vor Desinvestitionen) mindestens auf Break-even-Level sein.

Erneut hätten die Industriegüterbereiche wesentlich zum EBIT adj. von 1,3 Mrd. EUR (vor Konsolidierung) im abgelaufenen Geschäftsjahr beigetragen.

COMPONENTS TECHNOLOGY: Mit einem Umsatzplus von 8% auf 6,2 Mrd. EUR habe das adj. EBIT um 12% auf 269 Mio. EUR gesteigert werden können, wobei in dem Ergebnis die Anlaufkosten für die neue Werke (in China), neue Produkte, Serienhochläufe sowie ein Schaden an der Presse für Kurbelwellen belastet hätten. Für das laufende Jahr werde mit einer leichten Ergebnisverbesserung gerechnet.

ELEVATOR TECHNOLOGY: Bei Elevator sei erneut ein Rekordauftragsbestand (4,1 Mrd. EUR) verzeichnet worden, sodass das Umsatzwachstum von 4% nicht der Maßstab für die Zukunft sein dürfte. Die EBIT (adj) Marge sei um 0,5%-Punkte auf 11,8% gestiegen und solle zwischen 0,5% und 0,7%-Punkten p.a. steigen.

INDUSTRIAL SOLUTION: Nach einem starken Anstieg des adj. EBIT um 12% yoy auf 740 Mio. EUR in 2013/14 habe Industrial Solutions zwar eine Marge von 11,8% erreicht. Nach der Umstellung der Definition des bereinigten EBIT (ohne Zinsanteil der Anzahlungen bzw. inklusive der Abschreibungen auf aktivierte Bauzeitzinsen) habe die EBIT-Marge adj. 6,7% betragen und damit im Rahmen der Mittelfristbandbreite von 6 bis 7% gelegen, wobei der Umsatz um 5% p.a. durchschnittlich zulegen solle. Im Geschäftsjahr 2013/14 habe der Umsatz um 11% auf 6,3 Mrd. EUR zulegen können.

MATERIALS SERVICES: Beim Umsatzanstieg von 17% auf 13,7 Mrd. EUR seien Umsätze von „Special Materials“ (VDM und AST) mit rund 12% berücksichtigt. Die beiden Assets hätten u.a. auch aufgrund des aktuellen Restrukturierungsprozesses belastet, sodass das bereinigte EBIT um 24 Mio. EUR unter dem Vorjahreswert bei 212 Mio. EUR gelegen habe. Beide Assets wolle der Konzern nicht langfristig halten und prüfe weiterhin alle Optionen.

STEEL AMERICAS: Auch für Steel Americas suche der Konzern mittelfristig eine Exit-Möglichkeit. Gleichwohl solle die Performance weiter verbessert werden, sodass nach einem Verlust von 68 Mio. EUR in 2013/14 beim bereinigten EBIT 2014/15 ein ausgeglichenes Ergebnis ausgewiesen werden dürfte.

STEEL EUROPE: Hier habe sich die Wirkung des „Best-in-Class-Reloaded“-Programms im Ergebnisanstieg von 51% yoy auf 216 Mio. EUR gezeigt (+44% auf Basis neuer Definition des EBIT adj.), wobei die schwierigen Marktbedingungen anhalten sollten und damit der Druck hoch bleibe, um die angestrebten Ergebnisverbesserungen auch in Zukunft zu erreichen. ThyssenKrupp gehe für das laufende Jahr von signifikanten Ergebnisverbesserungen aus. Die Analysten würden mit einem Anstieg beim bereinigten EBIT LFL um 38% auf 285 Mio. EUR rechnen.

ThyssenKrupp habe in der langfristigen Prognose klar formuliert, dass man mit „BICreloaded“ das Ziel verfolge, das EBIT über den Zyklus hinweg wieder nachhaltig über die Kapitalkosten zu bringen.

Die Analysten würden die genannten Unternehmensziele als realistisch einschätzen, wenngleich die nachlassende Dynamik der Industriekonjunktur für Gegenwind sorgen könnte:

– Automobilindustrie (23% Umsatzanteil) mit regional sehr unterschiedlichen Entwicklungen (China +8% auf 24,4 Mio. Einheiten, USA rund 3% nach +5%, Deutschland -2%, während Westeuropa um 1% wachsen sollte).

– Maschinenbau (12% Umsatzanteil) mit schleppendem Jahresverlauf in 2014 und marginalem Produktionszuwachs, wobei die aktuell prognostizierten Wachstumsraten für 2015 eine höhere globale Konjunkturdynamik bedingen würden.

– Bauwirtschaft (10% Umsatzanteil) in Deutschland zuletzt mit negativen Wachstumsraten (Auftragseingänge real im August -5,2% yoy). Insbesondere der öffentliche Bereich bleibe schwierig.

– Stahlmarkt (16% Umsatzanteil) – Europa bleibe schwierig, da selbst die vorgenommenen Kapazitätsreduzierungen durch steigende Importe (GUS, CHINA) ausgeglichen würden, sodass Preiserhöhungen nicht durchsetzbar seien. Einzig die gesunkenen Rohstoffpreise würden für Ergebnisverbesserungen sorgen. Für 2015 würden für die wesentlichen Märkte von TKA nur Wachstumsraten von 1 bis 2% bei der Menge erwartet.

Dennoch würden die Analysten die Ziele für das laufende Jahr aktuell für erreichbar halten, wenngleich ThyssenKrupp im Auftaktquartal einen mittleren bis höheren negativen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag beim FCF erwarte, der saisonal bedingt sei. Das bereinigte EBIT in Q1 (13.02.2015) solle dennoch über dem vergleichbaren Q1 des Vorjahres (241 Mio. EUR) liegen. Alle Unternehmensbereiche mit Ausnahme von Materials Services dürften dazu mit Verbesserungen beim EBIT beitragen. Materials Services dürfte sowohl saisonal bedingt als auch durch den Streik und den gestiegenen Nickelpreis deutlich unter den 64 Mio. EUR EBIT des Q4 liegen.

ThyssenKrupp mache Fortschritte. Jedoch liege der aktuelle Marktkonsensus (Quelle: FactSet) für das EBIT des laufenden Jahres mit 1,68 Mrd. EUR leicht über den Analystenschätzungen (BHLe: 1,59 Mrd. EUR) und rund 12% über der aktuellen Prognose, wobei die 1,5 Mrd. EUR das Minimumziel sein sollten. Daher sähen die Analysten wenig Impulse für die Aktie, um sich zu einer Änderung ihrer Empfehlung zu bewegen.

Die Analysten würden ThyssenKrupp anhand eines Drittelmix aus Cash-flow-Rendite- (fairer Wert: 21 EUR auf Basis 2016/17) und DCF-Modell (WACC: 6,7%, TG -CF 2%, TV-EBIT 2,5 Mrd. EUR – fairer Wert: 23 EUR) sowie einer SOTP-Bewertung auf Basis 2014/15e bewerten, die sie zu einem fairen Wert von rund 18,30 EUR führe.

In Summe ermitteln die Analysten vom Bankhaus Lampe ein gerundetes Kursziel von 21,00 EUR (unverändert) und empfehlen, die ThyssenKrupp-Aktie weiterhin zu halten. (Analyse vom 21.11.2014) (21.11.2014/ac/a/d)