ThyssenKrupp: Wandel zum Industriegüterkonzern plus Aufräumarbeiten

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) – Marc Gabriel, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die Aktie von ThyssenKrupp (ISIN DE0007500001/ WKN 750000) von „halten“ auf „kaufen“ hoch.

Im Vorfeld der Q2-Ergebnisse hätten die Analysten ihr Modell für ThyssenKrupp geändert und würden den schwächeren Konjunkturausblick (adj. EBIT von 1,1 Mrd. EUR auf die Unternehmensprognose von 1 Mrd. EUR in 2012/13 angepasst) und einen möglichen Buchverlust aus dem Verkauf von Steel Americas (für Mai werde eine Entscheidung erwartet) berücksichtigen. Beide Effekte hätten Auswirkungen auf ihr Kursziel, das von 17,75 EUR auf 16,00 EUR falle. Die Aktie befinde sich aktuell auf einem günstigen Einstiegsniveau, sodass die Analysten den Wert auf „kaufen“ hochstufen würden: Die Gründe seien folgende:

ThyssenKrupp dürfte nach dem Verkauf von Steel Americas nur noch 30% seiner Umsätze im zyklischen Stahlbereich erzielen. Die Analysten würden im Mai mit dem Verkauf der beiden Überseewerke an den brasilianischen Produzenten CSN rechnen, der ihres Erachtens knapp 3 Mrd. EUR zahlen werde. Damit würde ThyssenKrupp den Buchwert von 3,9 Mrd. EUR um 900 Mio. EUR verfehlen, was sie bereits in ihren Schätzungen (EPS 2012/13e neu: -2,20 EUR alt: 0,26 EUR; Factset: 0,49 EUR) berücksichtigt hätten. Negative Kurseffekte würden sie hieraus nicht mehr erwarten.

Bei den Themen rund um Compliance-Verstöße (Kartellabsprachen, Luxusreisen, etc.) bleibe es beim Null-Toleranz-Prinzip. Jedoch habe der Konzern ein Amnestiefenster bis Mitte Juni für die Mitarbeiter geöffnet, die sich umfassend und wahrheitsgemäß zu Verstößen offenbaren würden.

Die vollzogenen Wechsel im Aufsichtsrat würden den Neuanfang unterstreichen.

In Q2 (15.05.2013) würden die Analysten ein adj. EBIT von 200 Mio. EUR erwarten.

Die Ergebnisse für das laufende Jahr dürften der Aktie wenig Impulse geben, jedoch habe ThyssenKrupp in den letzten Monaten umfangreiche Aufräumarbeiten im Konzern zu leisten und löse die Probleme nach und nach. Die geringe EK-Quote (BHLe: 9,2%) würden die Analysten nur als größeres Problem ansehen, falls sich das konjunkturelle Umfeld deutlich verschlechtere. Mit Blick auf das Ergebnispotenzial des Konzerns ab 2013/14 dürfte der FCF positiv bleiben, und eine Kapitalerhöhung sollte erst erfolgen, wenn sich der Aktienkurs erholt habe. Die Aufräumarbeiten würden sich ihrem Ende nähern und damit würden sich jetzt wieder bessere Einstiegschancen bieten. Ein KGV 2013/14e von 11,4x (Factset Konsensus: 10,1x) sei für den Industriegüterkonzern (Branchendurchschnitt 2014e lt. Factset: 12,8x) günstig.

Die Analysten vom Bankhaus Lampe stufen die ThyssenKrupp-Aktie von „halten“ auf „kaufen“ herauf. (Analyse vom 25.04.2013) (25.04.2013/ac/a/d)

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