ThyssenKrupp: Warten auf die Kapitalerhöhung

Düsseldorf (www.aktiencheck.de) – Marc Gabriel, Analyst vom Bankhaus Lampe, stuft die ThyssenKrupp-Aktie (ISIN DE0007500001/ WKN 750000) weiterhin mit dem Rating „verkaufen“ ein.

Die ThyssenKrupp-Aktie bleibe nach einem Nettoverlust von rund 1,5 Mrd. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/13 für die Analysten aktuell ein Verkauf. Sie hätten die angekündigte Kapitalerhöhung (10% abhängig vom Kapitalmarktumfeld) bereits berücksichtigt und würden ihr Kursziel von 18,00 auf 16,00 Euro reduzieren.

Die Kapitalerhöhung könnte bis zu 1 Mrd. Euro einbringen und dürfte nach Erachten der Analysten kurzfristig folgen. ThyssenKrupp habe am Freitag sein US-Stahlwerk für 1,55 Mrd. USD (1,14 Mrd. Euro) an ein Joint Venture von ArcelorMittal und Nippon Steel & Sumitomo Metal verkauft, habe jedoch beim Preis für das US-Werk Zugeständnisse machen müssen. Dafür sei mit den Käufern ein Brammen-Liefervertrag (2 Mio. t) aus dem Problemwerk in Brasilien bis 2019 vereinbart worden, der die Auslastung von ThyssenKrupp CSA mindestens teilweise (40%) sichern könne. CSA solle zukünftig stärker Brammen in Brasilien und Südamerika verkaufen. ThyssenKrupp bleibe damit auf dem Problemwerk sitzen, wenngleich man für den ungünstigen Liefervertrag mit Vale (bis 2019) eine Teillösung gefunden habe.

Zudem belaste der Deal mit Outokumpu ThyssenKrupp noch einmal. Der finnische Edelstahlproduzent befinde sich nach hohen Verlusten vor einer großen Kapitalerhöhung. Nach dem Verkauf von Inoxum halte ThyssenKrupp noch 29,9% an Outokumpu und werde nicht an der Maßnahme teilnehmen. Hieraus würden in Q1 weitere 270 Mio. Euro Belastungen folgen. Zudem tausche ThyssenKrupp seine (bereits wertreduzierte) Forderung von rund 1 Mrd. Euro mit den Finnen gegen die beiden Unternehmen VDM und AST, womit Outokumpu die EU-Auflagen nun wertschonend erfüllen könne – Thyssen jedoch mit AST ein weiteres Restrukturierungsthema in den Büchern habe. Die Buchwerte sollten sich laut CFO Guido Kerkhoff mit der Forderung decken.

Für das laufende Geschäftsjahr erwarte ThyssenKrupp ein bereinigtes EBIT von gut 1 Mrd. Euro. Hierin seien die möglichen Verluste von Steel Americas enthalten, die Verluste bei VDM und AST jedoch nicht. Im Konzern habe das bereinigte EBIT 2012/13 wegen Steel Americas (-495 Mio. Euro) bei nur bei 599 Mio. Euro gelegen. Die Analysten hätten die oben genannte Transaktionen sowie Steel Americas (nur CSA) als fortgeführtes Geschäft in ihrem Modell berücksichtigt. Ebenso die 10%-ige Kapitalerhöhung.

Die Analysten hätten zudem einen Risikoabschlag im SOTP-Modell berücksichtigt (20%), da die Multiples zuletzt deutlich angezogen seien, was ihres Erachtens nicht gerechtfertigt erscheine. Die Kapitalmaßnahme (ab 13/14) führe zur Kurszielreduzierung.

Die Analysten vom Bankhaus Lampe bewerten die ThyssenKrupp-Aktie weiterhin mit „verkaufen“. (Analyse vom 02.12.2013) (02.12.2013/ac/a/d)