ThyssenKrupp: Weder aus den Augen noch aus dem Sinn

Detmold (www.aktiencheck.de) – Die Experten vom „Frankfurter Börsenbrief“ raten bei der Aktie von ThyssenKrupp (ISIN: DE0007500001, WKN: 750000, Ticker-Symbol: TKA, Nasdaq OTC-Symbol: TYEKF) abzuwarten.

ThyssenKrupp – weder aus den Augen noch aus dem Sinn, auch wenn der Stop-Loss der Experten gegriffen habe. Der Rückkauf sei eine Timing-Frage. Maßgeblicher Hintergrund sei die Unternehmensstrategie mit der Zielrichtung eines diversifizierten Industriekonzerns mit deutlich höheren und auch stabileren Ergebnis-, Cash- und Wertbeiträgen. Schon jetzt wäre es ein Missverständnis, die Essener Industrie-Ikone als schnöden Stahlwert wahrzunehmen, auch wenn die Umbauarbeiten noch lange nicht beendet sein sollten:

Per Ende des jüngsten Geschäftsjahres habe das stahlproduzierende Geschäft am Umsatz der Geschäftssparten nur noch weniger als 30% ausgemacht, während das Industriegüter- und Dienstleistungsgeschäft für mehr als 70% gestanden habe. ThyssenKrupp arbeite mit sechs Business-Einheiten, von denen eigentlich nur zwei wirklich interessant seien. Fange man „hinten“ an: Steel Europe und Steel Americas hätten im letzten Jahr mit addiert etwa 10,9 Mrd. EUR Umsatz gerade mal für ein gutes Viertel am Gesamtumsatz gestanden – bei schwacher (Europa) oder sogar negativer („Americas“) Rentabilität. Das sei natürlich ein zyklischer Klotz am Bein mit typischerweise hoher Kapitalbindung und dem Risiko von Überkapazitäten.

„Material Services“ (z.B. Rohwarenhandel, Vertrieb von Industriematerialien usw.) habe mit ca. 13,7 Mrd. EUR Umsatz für etwa ein Drittel des Umsatzes mit ebenfalls dünner Marge gestanden. Eine potenziell undichte Stelle im Dach sei die Sparte „Industrial Solutions“ (petrotechnische und Zement-Produktionsanlagen sowie Ausrüstung für das Minengeschäft usw.). Im ersten Dreivierteljahr sei der Auftragseingang dieser Sparte um etwa 30% nach unten geknickt. Hier könnte es in den kommenden Quartalen durchaus auch noch hereinregnen. Umso wichtiger und interessanter:

„Components Technology“ und „Elevator Technology“ stünden für Automotive-/IndustrieKomponenten bzw. Aufzugssysteme, Rolltreppen usw. Dabei sei das Aufzugsgeschäft die eigentliche Perle im Portfolio. Bedauerlich, dass man diese Sparte als Aktionär nicht einzeln erwerben könne. Im vergangenen Jahr habe die Sparte für ca. 6,4 Mrd. EUR Umsatz mit einer zweistelligen EBIT-Marge gestanden. Im jüngsten Dreivierteljahr habe man beim Auftragseingang etwa 14% draufgepackt und damit den höchsten Anstiegswinkel unter den sechs Sparten geschafft. ThyssenKrupp habe eine hohe technologische Kompetenz in diesem Geschäft. Beispielweise habe man den Auftrag ergattert, im One World Trade Center 71 Aufzüge zu installieren.

Schön beim Elevator-Geschäft sei auch die Kombination von Einmalgeschäft und nachträglichem Wartungsgeschäft. Die Einheiten unter Verwaltung seien seit dem Jahr 2004/5 bis zum jüngsten Geschäftsjahr pro Jahr um durchschnittlich etwa 4,6% (auf etwa 1,2 Mio. Einheiten) gewachsen. Man spreche hier also über einen richtig schönen Wachstumsmarkt, der hervorragend in den Themenrahmen Demographie/alternde Gesellschaft und auch Urbanisierung passe. Der Umbau sei noch nicht fertig, aber die Blickrichtung stimme – und verändere das Gesicht sowie den Risikocharakter dieser deutschen Industrie-Ikone erheblich.

Ein wichtiger Schlüssel sei das Restrukturierungsprogramm „impact“. Für den Zeitraum 2012/13 bis 2014/15 habe man hieraus einen EBIT-Effekt von kumuliert über 2,5 Mrd. EUR schaffen wollen. Inklusive der etwa 800 Mio. EUR im ersten Dreivierteljahr (laufenden Geschäftsjahr) habe man dieses Gesamtziel mit gut 2,4 Mrd. EUR schon beinahe in der Tasche gehabt. Das spreche für die Management-Mannschaft um Cheflenker Heinrich Hiesinger.

ThyssenKrupp habe nach dem Absturz eine gute Chance auf eine Trading-Erholung.

Für ein Langfrist-Investment bei der ThyssenKrupp-Aktie warten die Experten vom „Frankfurter Börsenbrief“ jedoch zunächst ab. (Ausgabe 35 vom 29.08.2015)

Die vollständige Ausgabe des Frankfurter Börsenbriefes können Sie unter dem folgenden Link beziehen: www.frankfurter-boersenbriefe.de/a> (31.08.2015/ac/a/d)

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