Top-Trends für die Börse 2011

[CMA] „Dieses Mal wird alles anders!“ Sir John Templeton, Investmentlegende und Urvater des Investmentfonds hat diese Aussage einmal als gefährlichsten und kostspieligsten Satz der Börsengeschichte bezeichnet.

Warum? Er glaubte daran, dass es eben nicht anders wird. Trotzdem meinen viele Anleger gerade jetzt, während der Nachwehen der großen Finanzkrise, dass sämtliche Karten neu gemischt werden. Entsprechend groß ist die Skepsis, wie die Reise 2011 weitergehen wird: auf dem Rücken des Bullen oder doch wieder hinein in den Bärenmarkt. Pünktlich zum Jahreswechsel werfen die großen Investmentgesellschaften einen Blick in ihre „Kristallkugel“ und prognostizieren die künftige Entwicklung an den Börsen. Das ist 2010/2011 nicht anders. Aktienjournal.de hat sich die Empfehlungen einiger professioneller Anleger vorgenommen und wagt eine vorsichtige Vorhersage über die Börsenentwicklung der kommenden Monate. Investoren sollten aber immer André Kostolanys Warnung im Hinterkopf behalten: „An der Börse ist alles möglich – auch das Gegenteil.“

Deutsche Aktien sind so attraktiv wie lange nicht. Das kleine Nachkrisen-Wirtschaftswunder in Deutschland beflügelt Löhne und Binnennachfrage. Exportweltmeister Deutschland profitierte 2010 vom Aufschwung der Schwellenländer. Wer sich die richtigen Branchen herauspickt, wird auch 2011 zu den Gewinnern gehören, zeigt sich Ulrich Stephan, Global Chief Investment Officer Privat – und Geschäftskunden bei der Deutschen Bank, überzeugt. Seine Branchenempfehlung: Maschinen- und Anlagenbau, Transport und Logistik.

Europäische Aktien leiden unter den Defiziten einiger Mitgliedsstaaten. Rory Bateman, Leiter europäische Aktien beim britischen Vermögensverwalter Schroders, weist darauf hin, dass die „Randstaaten“ Europas lediglich 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Eurozone ausmachten. Und was ist mit den übrigen 83 Prozent? Die Unternehmensgewinne hätten sich 2010 positiv entwickelt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis sei attraktiv, sodass europäische Aktien auch 2011 ins Portfolio gehörten. Bateman: „Nach einem disziplinierten Kosten- und Effizienzmanagement während der Krise erzielen die Unternehmen in Kerneuropa jetzt ein starkes Gewinnwachstum.“

Staatsanleihen werden auf ihrem niedrigen Niveau verharren. Mark Burgess, Chief Investment Officer (CIO) von Threadneedle Asset Management Ltd. sieht kein Inflationsrisiko in den entwickelten Schwellenländern. Entsprechend hätte die Rendite auf Staatsanleihen bereits heute ihren Höchststand erreicht. Renditeorientierte Anleger müssen also nach lohnenderen Wertpapieren Ausschau halten. Der Tipp von Threadneedle: höher verzinste Papiere mit Chance auf zusätzliche Dividenden.

2011 könnte das Jahr der Fusionen und Akquisitionen werden. Die Gründe: Barbestände sind hoch und die Unternehmensbewertungen attraktiv. Auch Private-Equity-Gesellschaften stehen derzeit unter dem Druck, ihr Geld zu investieren. Doch nicht alle Übernahmen müssen zwangsweise auf heimischem Parkett erfolgen: Jeremy Podger von Threadneedle glaubt sogar daran, dass „(…) eine bekannte Marke aus dem Westen von einem Rivalen aus den Schwellenmärkten übernommen (…)“ werden könnte. Auch Giles Keating, Leiter Global Research bei der Credit Suisse, ist der Meinung, dass Anleger 2011 von Unternehmensübernahmen profitieren könnten: „Die Unternehmen verfügen gegenwärtig über extrem viel Liquidität. In den USA ist die Liquiditätsquote so hoch wie seit fast 50 Jahren nicht.“ Wohin mit dem Geld? Entweder in
Investitionen oder Übernahmen stecken; beides wird die Börsen positiv beeinflussen.

Rohstoffe waren 2010 ein großes Thema. Das werden sie auch 2011 sein, allerdings sollte man hier verstärkt die Spreu vom Weizen trennen. Giles Keating von der Credit Suisse rät dazu, nur bei Rohstoffen mit deutlichem Aufwärtstrend zuzuschlagen und den Trend genau zu beobachten. Ist die Luft raus, müsse schnell nach
Ersatz gesucht werden.

Gold gehört zu den Sachwerten, die auch 2011 attraktiv bleiben. Der Höchstpreis lag im vergangenen Jahr bei rund 1.400 Dollar pro Feinunze. Bei der US-Investmentbank Goldman Sachs erwartet man bis Ende 2011 einen Preisanstieg bis zu 1.700 Dollar. Der Grund: Der Dollar und die Zinsen liegen am Boden und risikoscheue Investoren flüchten sich in den „sicheren Hafen“ Gold. Bei der Credit Suisse sieht man das Thema nicht ganz so euphorisch: Dort glaubt man „(…) dass Gold auch 2011 eine wertbeständige Anlage sein wird, obschon die Performance verhaltener ausfallen dürfte als 2010.“